370 Annalen der Hydrographie und Maritlimen Meteorologie, Oktober 1940,
hervorrufen. Ein‘ Vorzug dieser‘ Theorie liegt
darin, daß sie es vermag, den von C. E. P. Brooks
bereits entdeckten Zusammenhang zwischen Ge-
birgsbildung und nachfolgender Eiszeit zu erklären,
yobei der Verfasser an die Theorie des rythmischen
Auftretens von Gebirgsbildungen von J. Joly und
A, Holmes anknüpft: Aus dem wahrscheinlichsten
Gehalt an radioaktiven Substanzen im Erdinnern
geht hervor, daß die ständige Wärmeerzeugung
Jurch radioaktiven Zerfall viel größer ist, als dem
gegenwärtigen Wärmestrom aus dem Erdinnern
antepricht, Dadurch muß eine Aufspeicherung von
\WVärme stattfinden, die zw einer teilweisen Auf-
schmelzung, wenigstens aber zu einer Erhöhung
der Plastizität der Erdkruste führen muß, die dans
zur Auffaltumg von Gebirgen führt, wodurch, vor
Allem durch die damit einhergehenden ausgedehnten
Decken-Basaltergüsse, der aufgespeicherte Wärme.
rorrat verhältnismäßig rasch an «die Erdoberfläche
and den Weltraum abgegeben wird, die Erdkruste
sich wieder verfestigt und das Spiel von neuem
beginnen kann. a
In dem Sradilum nach einer‘ solchen Auf-
’altung ist nun der Wärmestrom besonders gering
ınd dadurch den Gletschern die Möglichkeit einer
weiteren. Ausbreitung gegeben, als deren Folge
Abkühlung in ihrer Umgebung und so schließlich
die Entwicklung einer Kiszeie eingeleitet. werden
soll. Diese gänzlich neuarlige Theorie wird zweifellos
in nächster Zeit eine eingehende Diskussion herbei-
‘ühren.
Besonders eingehend werden die vielfachen
indirekten Zeugen von Klimaänderungen iM histo-
rischer Zeit, wie Veränderungen in der Eisbedeckung
der Polarmcere, die Erwärmung des Meerwassers,
Änderungen in der Verbreitung der Seefische,
Schwankungen der Bodentemperaturen, Vorstöße
ınd Rückzüge der Gletscher in verschiedenen
Klimazonen, Schwankungen des Wasserstandes In
abflußlosen Seen sowie die Ergebnisse der Unter
suchungen der Baumringe behandelt, Die Frage,
ob sich das Klima seit Beginn historischer Belege
einsinnig geändert hat, verneint der Verfasser,
wenn auch die Möglichkeit einer solchen Anderung
nicht in Abrede gestellt werden kann, Direkt
nachweisbar sind aber nur die Klimaschwankungen,
die im Laufe der letzten Jahrhunderte aufgetreten
nd, wobei alle Einzelergebnisse in das Bild einer
schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts be-
yinnenden Zunahme der Intensität der
atmosphärischen Zirkulation hineinpassen,
Die Frage nach der Ursache dieser Zunahme
der atmosphärischen Zirkulation streift der Verfasser
ebenfalls, hält aber eine Entscheidung noch
nicht für möglich, „od die Schwankungen
der allgemeinen Zirkulation und damit auch
die auffällige Klimaänderung der Gegen-
wart auf eine Anderung der Solarkonstante
der auf eine langfristige Änderung in der
Durchlässigkeit unserer Atmosphäre zurück
zuführen ist“.
Bei der nicht geringen Bedeutung der
gegenwärtigen Klimaschwankung für die
Weltwirtschaft und Geopolitik — man denke
z. B. an die Frage, ob die Eisverhältnisse längs
des nordsibirischen Seeweges auch in der nächsten
Zeit so günstig bleiben wie in der Gegenwart Oder
ob der Höhepunkt der Erwärmung bereits über-
schritten ist — kann dem vorliegenden Buche
eine erhebliche Verbreitung auch über den meteoro-
logischen Fachkreis hinaus gewünscht werden.
R, Scherhag.
H. Wenke: Die Atmosphäre. (Praktische Theorie
in der Flugtechnik, Band 3.) Berlin 1940. Ver-
ing Dr. M. Matthiessen u, Co, (112 8, mit 76 Abb.)
Preis geb. 5,40 RM.
Das vorliegende Buch ist für den Flugtech-
Jiker geschrieben, und so wird das atmosphärische
Geschehen auch hauptsächlich in Hinblick auf die
"lugtechnik und insbesondere auf seinen Einfluß
zuf Leistungsflüge betrachtet. Diesem Gesichts-
punkt entsprechend ist auch die Stoffeinteilung
zewählt, deren Aufzählung hier durch die Wieder-
zabe der einzelnen Kapitelüberschriften erfolgen
soll. Diese lauten: Wolken und Wind — Seegang
— Schnee — Blitzschlag — Vereisung — Lutt-
temperatur — Luttdruck — Luftwichte — Cina-
Höhe — Stratosphäre — Wabre Höhe — Stau-
druck, Dabei sind, wie im Vorwort ausgeführt
wird, die Witterungserscheinungen und ihr Einfluß
wu den Flugbetrieb unter Vermeidung schwieriger
neteorologischer Erörterungen mit. der Sprache des
Jugtechnischen Praktikers behandelt worden und
zuch nur soweit, wie es zum allgemeinen Verständ-
nis notwendig und für Versuchs- Flugvorhaben
wertvoll ist,
Trotz dieser Einschränkung ist es zu be.
dauern, daß bei den rein meteorologischen Aus-
ührungen vielfach zu großzügig verfahren wird,
zo daß dabei mehrere Unstimmigkeiten, ja sogar
Fehler auftauchen, So wird z. B. auf S. 54 er-
wähnt, daß „in Höhen oberhalb 20 km die Tem-
yeratur wieder ansteigt, bis sie bei 35 km Höhe
atwa 0° © erreicht. In 50 km Höhe kann mit
Wärme zwischen 15° und 70° C gerechnet werden“,
Da auf einem Schaubild auf 8. 11 als größte von
nem Registrierballon erreichte Höhe etwa 50 km 4!)
angegeben wird, muß man annehmen, daß es sich
aier um gesicherte Beobachtungsergebnisse handelt.
Tatsächlich ist aber bei einem Hamburger Hoch-
iufstieg am 8. November 1930 in 35.9 km Höhe
anne Temperatur Fon — 47.7° C gemessen worden,
and 50 km Höhe ist von eipem KRegistrierballon
noch nicht erreicht worden!
Auch an anderen Stellen des Buches sind
Anschauungen veröffentlicht, mit denen der Fach-
meteorologe nicht einverstanden sein kann,
So zeigt gerade dieses Buch wieder einmal,
daß es heute sehr schwierig ist, das Fachwissen
nehrerer naturwissenschaftlicher Disziplinen zu
zeherrschen, und daß € wohl doch am besten ist,
zei der Herausgabe von Büchern ähnlicher Art
Fachleute zu Rate zu ziehen, zumindest aber das
Manuskript vor Abschluß einem Fachwissenschaiter
vorzulegen,
Trotz dieser Mängel kann die Lektüre dieses
Buches auch den Flugmeteorologen empfohlen
werden, | . .
Die Ausstattung des Buches und insbesondere
zuch die Wiedergabe der zahlreichen Photographien.
ist. ausgezeichnet. G. Pogade,
5 Schott: Klimakunde der Südsee-Inseln, Hand-
büch der Klimatologie von W.Köppen und
R. Geiger, Band IV, Teil T.. Berlin 1938,
Verlag Gebr. Bornträger, (114 8. mit 17 Text-
Hguren, zahlreichen Texttabellen und einem
Tabellenanhang.)
Die pazitische Inselwelt, deren Klima in diesem
Teil des Köppen-Geigerschen Handbüches dar-
yestellt. wird, liegt in der Hauptsache in der
:ropischen Zone zwischen dem nördlichen und
südlichen Wendekreis, d.h}. im Gebiet des Nord-
Ostpassats, des Südostpassats und der äquatorialen