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Volltext : 50, 1931

Dr.  Erich  Wohlenberg:  Die  Grüne  Insel  in  der  Eidermündung  usw.

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wurde  1911  gebaut,  fiel  aber  bald  wieder  den  Fluten  zum  Opfer.)  Seitdem  weiden  Schafe  und
Gänse  auf  der  Insel.  Wenn  Gefahr  eintritt,  können  die  Tiere  über  den  Damm  schneller  entfernt
werden,  so  daß  die  wirtschaftliche  Nutzung  der  Insel  nunmehr  ein  wenig  gesicherter  erscheint.
Heute  steht  die  Insel,  besonders  durch  die  Verbindung  mit  dem  Festland,  im  Mittelpunkt  intensiver
Landgewinnungsarbeiten,  wodurch  ihrer  Umgebung  allmählich  der  Charakter  einer  Uebergangslandschaft
  aufgeprägt  wird.  Durch  das  lange  Hintanhalten  wirtschaftlich  orientierter  Kreise  blieb
jedoch  der  ursprüngliche  Habitus  der  Insel  bis  in  die  Gegenwart  ziemlich  rein  und  geschlossen
erhalten.
B.  Der  natürliche  Verlauf  der  Landbildung.
I.  Das  Wasser  als  Träger  aller  für  die  Landbildung  erforderlichen  Ausgangsstoffe.
1.  Die  Beziehungen  zwischen  Wind  und  Gezeiten  in  der  Eidermündung.
Wie  alle  unteren  Flußmündungen  des  Nordseegebietes  ist  auch  das  Gebiet  der  Eidermündung ­
  infolge  der  beiden  hier  in  Wechselwirkung  tretenden  Komponenten  von  Fluß  und  Meer
ein  Brackwassergebiet.  Der  Salzgehalt  des  Wassers  ist,  wie  weiter  unten  dargelegt
wird,  eng  an  den  Verlauf  der  Gezeiten  gebunden  und  tritt  in  deutliche  Abhängigkeit  zu  den
jeweils  herrschenden  Winden.  Die  genau  westwärts  auf  die  offene  Nordsee  zu  orientierte  Lage
der  trichterförmigen  Eidermündung  ist  für  die  Beziehungen  zwischen  den  Gezeiten  und  den
Winden  von  ganz  besonderer  Bedeutung.  Das  Kurvenbild  auf  Fig.  2  zeigt  die  Abhängigkeit
des  Wasserstandes  von  den  Winden.  *)  Die  Wasserstände  sind  den  Pegelakten  des  Wasserbauamtes ­
  in  Tönning  entnommen,  deren  Einsichtnahme  von  der  Regierung  in  Schleswig  gestattet
wurde.  Auf  der  oberen  Bezugsgeraden  sind  die  Windrichtungen  der  entsprechenden  Beobachtungstage ­
  eingetragen,  die  rechte  Bezugsgerade  trägt  die  Höhenangaben  bezogen  auf
den  Tönninger  Pegel,  dessen  Nullpunkt  auf  —  1.913  m  NN  liegt.  Das  Kurvenbild  zeigt,  daß  der
Einfluß  der  Winde  für  Niedrigwasser  in  gleicher  Weise  zum  Ausdruck  kommt  wie  für  Hochwasser. ­
  Ablandige  Winde  (SO,  O  und  NO)  bewirken  niedrige  Wasserstände,  Seewinde  dagegen ­
  (SW,  W,  NW)  hohe.  Die  ersten  veranlassen  geringes  Hochwasser  und  tief  fallendes
Niedrigwasser,  die  zweiten  hingegen  hohes  Hochwasser  und  wenig  fallendes  Niedrigwasser.  Die
Verschiebung  kann  so  groß  werden,  daß  bei  anhaltendem  Ost  wind  das  Wasser  derart  von
der  Küste  abgetrieben  wird,  daß  im  Eiderästuar  bei  dieser  Wetterlage  das  Hochwasser  nicht  über
das  Niveau  von  dem  Niedrigwasser  während  der  entgegengesetzten  Wetterlage  (West-,  Nordwest-Winde, ­
  Sturmfluten!)  hinauskommt.  Diesen  Fall  belegen  die  Pegeldiagramme  von  13.  Januar ­
  1930  (Sturmfluten)  und  vom  4.  April  1930  (Ostwindwetterlage).  An  diesen  beiden  Tagen
lag  der  Kulminationspunkt  der  Tidenkurve  vom  4.  April  in  unmittelbarer  Nähe  des  niedrigsten
Punktes  der  Kurve  vom  13.  Januar.  Wie  sehr  das  Landschaftsbild  unter  dem  Einfluß  dieser
Extreme  steht,  ist  aus  der  Geschichte  Nordfrieslands  bekannt  und  auch  durch  die  katastrophalen
Deichbrüche,  die  noch  heute  in  jedem  Jahre  mehr  oder  weniger  umfangreich  im  Gebiet  der
mittleren  Eider  Vorkommen.  Bei  Hochwasser  während  der  Sturmfluten  reicht  die  Wasserfläche
von  der  einen  bis  zur  anderen  Deichkrone,  und  vor  dem  Deich  ist  dann  kein  Raum  mehr  für
den  Menschen.  Bei  anhaltendem,  heftigem  Ostwind  dagegen  vermag  die  Flut  nur  noch  so  viel
Wasser  in  die  Mündung  zu  schaffen,  daß  selbst  die  Watten  nicht  mehr  vom  Wasser  bedeckt
werden.  Die  ökologische  Bedeutung  dieser  Gegensätze  für  den  Lebenshaushalt  der  Watten  und
der  Insel  wird  weiter  unten  erörtert  werden.
2.  Die  physikalische  Beschaffenheit  des  Wassers.
Wenn  hier  von  der  Temperatur,  der  Dichte  und  dem  Gasgehalt  des  Wassers  abgesehen
wird,  obwohl  diese  Faktoren  zweiffellos  einen  Einfluß  auf  den  Verlauf  der  Sedimentation  aus-*)

  Vergl.  Schulz,  B.  Hydrographische  Untersuchungen  ixn  Bereiche  der  Flandrischen  Küste.  1915—1918.
            
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