3 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
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Im Nordost-Atlantik wurden im Auftrag des Bundesministers für
Forschung und Technologie vom Deutschen Hydrographischen Institut
zwischen 1983 und 1987 intensive bathymetrische, gecmorpho-
logische und sedimentologische Untersuchungen im Hinblick auf die
Abschätzung von geologischen Einflüssen auf die Einbringung von
verpackten, schwach radioaktiven Stoffen durchgeführt. Die
Untersuchungen begleiteten ein ozeanographisch - hydrochemisches
Projekt, das sich mit der Ausbreitung von am Boden freigesetzten
radioaktiven Stoffen in der Wassersäule beschäftigte (Nord-Ost-
Atlantisches-Monitoring-Projekt = NOAMP).
Das zentrale Untersuchungsgebiet wurde mit einem Fächerecholot
(SEA BEAM) flächendeckend vermessen. Für eine bathymetrische
Karte der weiteren Umgebung sind die NBS-Lotungen der hydrogra
phischen Meßfahrten verwendet worden. Die daraus hergestellta
Karte ist ungenau, sie gewährt aber einen hinreichend guten
Überblick über die bathymetrischen Verhältnisse.
Morphologisch gehört das NOAMP-Gebiet zum östlichen Randbereich
des Mittelatlantischen Rückens. Die mittlere Wassertiefe beträgt
4500 m. Die tiefste Stelle ist das "Lysoloch" (Karte 1) mit ca
4950 m Wassertiefe; die flachste Stelle, gelegen am NW-Rand des
erweiterten Gebietes, weist eine Tiefe von 3500 m auf. Wichtigste
topographische Strukturelemente sind nord-süd-verlaufende
Höhenzüge von etwa 5 bis 10 sm Breite und im Mittel 500 m Höhe,
die durch etwa ebenso breite Rinnen voneinander getrennt sind.
Die Höhenzüge werden von breiten, west-ost- verlaufenden Senken
in ca. 30 sm lange Segmente gegliedert. Das Untersuchungsgebiet
ist vermutlich tektonisch inaktiv.
Die Kerne der Höhenzüge bestehen aus basaltischer Ozeankruste.
Während in den Senken mächtige Sedimentfüllungen lagern, beträgt
die Decke der Höhenzüge und einzelnen Berge nur wenige Zehnerme
ter. Die Höhen sind ausschließlich mit kalkigen und mergeligen
Sedimenten, die ihren Ursprung im Oberflächenwasser des Atlantiks
haben, bedeckt. In den Senken nördlich von 47°N liefern Ablage
rungen aus den Suspensionsströmen (Turbidite) des Maury - Chan-
nel-Turbidit-Systems den Hauptteil der Sedimentverfüllung.
Südlich 47°N liegen ausschließlich Kalke und Mergel vor.
Am Meeresboden finden laterale Sedimentumlagerungen durch
Strömungen und Hangrutsche statt. Wichtigster Prozess für die
Umlagerung von feinkörnigem Sediment ist die Ausbildung von
Wasserwirbeln, die im Gegenuhrzeigersinn um Tiefseeberge rotieren
(Taylor-Säulen). Der an ihrer Basis hangabwärts gerichtete
schwache Strom transportiert resuspendiertes Material in die
Senken und Ebenen. Aufgrund dessen sind die Sedimentakkumula
tionsraten auf den Bergen (ca. 2 cm/1000 J.) niedriger als die in
den Ebenen (bis 6 cm/1000 J.im Umkreis der Höhen); ebenso ist das
Sediment gröber und kalkreicher. Hangrutsche treten lokal auf,
ihr Beitrag zur Verfüllung der Tiefsee-Senken scheint aber eher
gering zu sein. Auf den Höhenzugen und Bergen können sie lokal
begrenzt mehrere Zehnermeter Sediment entfernen.
Die jüngere geologische Geschichte des NOAMP-Gebietes wird
maßgeblich von den wechselnden Klimaten auf der Nordhalbkugel der
Erde bestimmt. Mit dem Wechsel von Warm- und Kaltzeiten werden