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Volltext : 49, 1930/1931

XIV

Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.  —  49.  Bd..  Nr.  10

Die  letztgenannten  Werte  wurden  aus  den  im  Stüwe-Adiabatenpapier  eingetragenen  Kurven
entnommen.  Die  in  den  Inversionen  vorhandene  Umkehr  des  Temperaturgradienten  wurde
durch  ein  negatives  Vorzeichen  zum  Ausdruck  gebracht.  Die  Werte  der  potentiellen  Temperatur ­
  wurden  ebenfalls  aus  dem  Stüwe-Adiabatenpapier  abgelesen,  die  Werte  für  die  spezifische
Feuchtigkeit  und  den  Dampfdruck  stellen  Rechengrößen  dar.  Zum  besseren  Verständnis
gewisser  Arten  von  Temperaturunregelmäßigkeiten  und  für  die  Beurteilung  von  manchen  Böenund
  Wolkenschichten  wurden  die  Ergebnisse  von  zeitlich  mit  dem  Flugzeugaufstieg  zusammenfallenden ­
  Höhenwindmessungen  ebenfalls  in  der  Tabelle  der  500-Meter-Stufen  aufgeführt.  Da
Pilotballonmessungen  sowohl  von  der  Flugwetterwarte  auf  dem  Flugplatz  Fuhlsbüttel  als  auch
von  der  Meteorologischen  Versuchsanstalt  der  Deutschen  Seewarte  in  dem  drei  Kilometer  Luftlinie
vom  Flugplatz  entfernten  Groß-Borstel  zur  Verfügung  standen,  konnte  in  den  meisten  Fällen  ein  mit
dem  Höhenflug  zeitlich  zusammeniallender  Pilotballonaufstieg  verwendet  werden.  Sonst  wurden
nur  solche  Windmessungen  herangezogen,  die  nicht  mehr  als  eine  halbe  bis  dreiviertel  Stunde
vor  dem  Start  beziehungsweise  nach  der  Landung  ausgeführt  wurden.
Die  Angaben  der  Böigkeit  im  Tabellentext  erfolgten  nach  Schätzung,  und  zwar  nach  der
Darmstädter  Böigkeitsskala,  die  für  Junkers  A  20  beziehungsweise  A  35  und  ähnliche  Flugzeugtypen ­
  gilt  und  vier  Grade  der  Böigkeit  vorsieht,  nämlich:  böig  0  =  leichte  Unruhe,  böig  1  —
mäßige  Unruhe,  böig  2  =  starke  Unruhe,  böig  3  =  schwere  Unruhe.  Eine  ausführliche  Definition ­
  der  Böigkeitsgrade  in  bezug  auf  die  Einwirkung  auf  das  Flugzeug  sowie  Ergebnisse  von
Böigkeitsmessungen  durch  die  Röhn-Rossitten-Gesellschaft  mit  Staudruck-  und  Luftdruckschreiber ­
  sind  von  K.  O.  Lange 8  veröffentlicht.  Der  Verfasser  hat  auf  Grund  seiner  langjährigen
Praxis  als  Flugzeugbeobachter  die  Erfahrung  gemacht,  daß  der  Grad  der  Böigkeit  nach  der
Darmstädter  Skala  mit  einiger  Übung  sehr  präzise  bestimmt  werden  kann.  Ganz  wesentlich
erleichtert  wurden  bei  der  Wetterflugstclle  Hamburg  diese  Beobachtungen  dadurch,  daß  dauernd
das  gleiche  Flugzeug,  von  ein  und  demselben  Piloten  geführt,  Verwendung  findet.
Diese  ausführliche  Form  der  Zahlentafeln  in  Anlehnung  an  internationale  aerologische
Veröffentlichungen  wurde  deshalb  gewählt,  um  sowohl  für  klimatologische  Bearbeitungen  der
einzelnen  Elemente  als  auch  für  synoptische  Untersuchungen  das  Material  nach  allen  Gesichtspunkten ­
  zusammengestellt  vorzufinden.  Für  spezielle  Untersuchungen  wurde  jedem  Aufstiegstage ­
  eine  kurze  Schilderung  der  Wetterlage  für  das  Unterelbegebiet  beigefügt,  die  eine
Bearbeitung  im  Zusammenhang  mit  der  Wetterlage  erleichtern  soll.  Die  Zeitangaben  am  Kopf
der  Zahlentafeln  geben  die  Uhrzeit  in  Minuten  an,  wo  das  Flugzeug  den  Boden  verließ  beziehungsweise ­
  zum  erstenmal  ihn  wieder  berührte.  Die  danebenstehende  Bewölkungsart  und
der  Bewölkungsgrad  stellen  die  Beobachtung  vom  Erdboden  aus  zur  Zeit  des  Startes  dar,
außerdem  ist  noch  die  momentane  Bodenwindrichtung  und  Stärke  in  Metern  pro  Sekunde
beigefügt.
Vergleiche  von  Wolkenbeobachtungen  am  Boden  mit  denen  im  Flugzeug  zeigen,  daß
Wolkenarten  vom  Boden  aus  nicht  immer  einwandfrei  angegeben  werden  können.  Es  hat  sich
aber  auch  gezeigt,  daß  bei  Wolkenbeobachtungen  vom  Flugzeug  aus  manchmal  erhebliche
Schwierigkeiten  bestehen,  gewisse  Wolkenkombinationen,  besonders  im  Status  nascendi  mit  der
üblichen  Wolkenklassifikation,  die  ja  auf  Beobachtungen  vom  Erdboden  aus  aufgebaut  ist,  zu
erfassen.  In  diesem  Zusammenhang  sei  speziell  auf  die  Bewölkung  beim  Vordringen  von
Warmluft  hingewiesen.  Kommt  eine  Warmluftwelle  auf  der  Vorderseite  einer  Depression

K.  O.  Lange.  Die  Darmstädter  Böigkeitsskala.  Beitr.  z.  Phys.  d.  fr.  Atm.,  Bd.  XVII,  S.  89.
            
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