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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Rasche Reisen deutscher Segler. 
S. 5061. Am 9. Oktober 1898 verliels die stählerne Bark „Anna Ramien“, 
Kapt. J. Köhne, mit einer zumeist aus Wolle bestehenden Ladung den Hafen 
von Sydney, um eine Reise nach London anzutreten. Kapt. Köhne nahm die 
Route südlich von Neu-Seeland, dann in etwa 53° S-Br nach Osten bis 120° W-Lg 
und nun südlicher nach Kap Horn. Nachdem zwei Tage mit Südwind und 
Stille verloren gegangen waren, ging die Fahrt mit vorwiegenden frischen, 
freilich mitunter auch zu flaunen Winden aus Nord und NW rasch voran, wobei 
am 17. Oktober zwar ein Bramsegel verloren ging, aber die schnelle Bark bei 
Nord 8 bis 9 eine Fahrgeschwindigkeit von 13 Knoten fertig brachte. Schon 
nach 10 Tagen, am 19. Oktober wurde der Meridian von 180° in 51,4° S-Br 
überschritten, Am folgenden Tage hatte „Anna Ramien“ einen schweren Sturm 
aus NNO zu bestehen. Es wehte mit orkanartigen Böen. Die Fock festzu- 
machen, nahm 32 Stunden in Anspruch, und das Segel zerrifs theilweise. Auch 
am nächsten Tage wehte es noch hart. Das Journal berichtet: „Gegen 2a 
drehte der Wind bei niedrigem Barometerstande von 720 mm nach NW, hielten 
ab, es lief eine gewaltige, hoch durcheinander wogende See. Um 10*a drehte 
der Winde mit schweren Hagelböen wieder zurück. Die Seen liefen wild gegen 
einander, brachen über das Schiff und zertrümmerten Vieles an Deck. Gegen 
Mittag wurde es etwas handiger, nur blieb die See noch grob und wild. Nachts 
krimpte der Wind wieder auf Nord und NNO, das Barometer, das sich niedrig 
gehalten hatte, sank 8&"a am 21. auf 715,0 mm.“ Es kam aber kein harter 
Wind danach; es wurde erst still, und der dann folgende Westwind wuchs nicht 
über 6 bis 7. Am 24. Oktober begann mit frischem bis steifem Winde aus 
SW und Süd ein rasches Rennen, das leider vom Mittag des 28. bis zu dem 
des 31. durch todte Windstille unterbrochen wurde, dann aber wieder von 
Neuem einsetzte und bis zum 8. November in der Nähe von Kap Horn anhielt. 
Der erste Satz brachte in 6 Tagen 1357 Sm (230 Sm durchschnittlich im Etmal), 
der zweite in 7 Tagen und 9 Stunden 1526 Sm (208 Sm im Etmal). Auf der 
ersten Strecke kam „Anna Ramien“ am 24. Oktober für eine Wache bei 
SzW 7 bis S auf 14 Knoten Geschwindigkeit. Leider brach bei der Gelegen- 
heit das Eselshaupt des Fockmast, aber man laschte die Stänge mit Ketten 
und segelte weiter. Am 9. November wurde mit stürmischem Winde aus NW 
Kap Horn passirt nach einer sehr raschen Fahrt von 30 Tagen ab Sydney 
und 21 Tagen von 180° Lg. — Die nächste Strecke brachte vielerlei Gegen- 
schlag; zuerst anhaltende Gegenwinde aus NO uvd Nord, so dafs die Bark nach 
8 Tagen erst bis 51,7° S-Br und 56,3° W-Lg gekommen war und dann wieder 
vom 24. bis zum 29. November 5 Tage nördlichen Wind und Stille. Glücklicher- 
weise gab die übrige Zeit guten Wind und gute Eitmale, so vom 17% bis zum 
21. November in 41/2 Tagen 1201 Sm (durchschnittlich den Tag 267, die Stunde 
11,1 Sm), wobei die Bark mehrmals für längere Zeit 12!/3 und 13 Knoten hielt, 
und dann von Neuem im Passatgebiet, wo von 27,8° S-Br bis zur Linie die 
Bark in 8 Tagen 1601 Sm, täglich 200 Sın hinter sich brachte. Der Wind 
war nicht so stark wie vorher, aber er hielt länger an. Die Folge war, dafs 
der Schnellsegler die Strecke von Kap Horn nach der Linie in der verhältnifs- 
mäfsig kurzen Zeit von 29 Tagen zurücklegte, das ist nach den Angaben im 
Segelhandbuch für den Stillen Ozean nur 4 Tage mehr, als was im November 
und Dezember vor Ende 1894 gemacht worden ist, und S bis 9 Tage weniger 
als das Mittel. — Der Nordostpassat, der in etwa 2° N-Br am 9. Dezember, 
einen Tag, nachdem die Linie am Tage vorher in 29,5° W-Lg gekreuzt worden 
war, ohne Unterbrechung dem Südost gefolgt, gab bis 24° N-Br wieder einen 
sehr guten Fortgang, besonders von 3,5° N-Br an. Die Fahrgeschwindigkeit 
der Bark bei dem Winde hielt sich durchweg auf 9 bis 10 Kuoten und wurde 
erst allmählich geringer, als 22° N-Br passirt war. Der Passat erlosch in 
30° N-Br und 44° W-Lg. Auf einige Tage mit südlicher Briese und Stille folgte 
am 22, Dezember in 43,5° N-Br und 40,5° W-L@ ein steifer bis stürmischer 
Nordwestwind, der abgesehen von 20stündiger Unterbrechung durch Nordost- 
briese und Stille am 25. und 26. — den Weihnachtstagen — in Sicht der 
Inseln Pico und Graciosa, bis zum 30. in 46,5° N-Br und 13,4° W-Lg anbielt 
und „Anna Ramien“ schnell weiterbrachte. Das Besteck ergab für 5 Tage und 
16 Stunden eine zurückgelegte Distanz von 1216 Sm. Mit stürmischem West- 
winde segelte die flinke Bark in der Neujahrsnacht in den Kanal. Die Strecke
	        
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