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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1913, 
stärken sind den Voraussagungen gemäß für das deutsche Material infolge 
Fehlens der Stromstillen etwas größer. Völlige Übereinstimmungen von Richtungen 
und Stabilitäten werden wir selbst bei zeitlich gleichen Beobachtungsfällen bei 
den jetzigen Methoden der Strombeobachtungen, die doch zum Teil von indi- 
viduellen Auffassungen im Bestimmen der Stromversetzungen abhängig sind, nie 
erwarten können. Richtungsunterschiede von 5 bis 10° und Stabilitätsverschieden- 
heiten von 5 oder 10%, für einen aus verschiedenem Material berechneten Strom 
sind für die Festlegung seiner Richtung und Beständigkeit von geringer Be- 
deutung. Im allgemeinen dürfen wir dem deutschen Material auf Grund obiger 
Tabelle für seine brauchbare Zusammenstellung, die sich ohne weiteres aus dem 
Verhältnis der Beobachtungszahlen zwischen deutschem und holländischem Material 
ergibt, ein gutes Zeugnis ausstellen. Dieses Zeugnis ist seinerseits dazu geeignet, 
auch die Gebiete, die keinen Vergleich gestatten, glaubwürdig für den wahr- 
scheinlichsten Verlauf des Stromes erscheinen zu lassen. 
Es ist hier die geeignete Stelle, auch einmal einen Vergleich mit englischem 
Material vorzunehmen. An verschiedenen Beispielen vorgenommene Unter- 
suchungen zeigen erhebliche Unterschiede namentlich in der ausgedrückten Be- 
ständigkeit und mittleren Stromstärke. Ein ohne Absicht herausgenommenes 
Beispiel soll diese Tatsache illustrieren. Die englischen Stromkarten lassen für 
den Monat Oktober im Fünfgradfeld 116c (35° bis 40° N-Br. 70° bis 75° W-Lg.) 
einen Strom erkennen, der stark nach NO fließt. Den Pfeilen sind die Strom- 
stärken beigefügt: 10 bis 60, 10 bis 25, 15 bis 65. Nach diesen Angaben müßte 
man unbedingt auf einen Strom von hoher Stabilität, die nicht weit von 100%, 
entfernt ist, schließen, und die Stromstärke müßte zu 31 Sm durchschnittlich im 
Etmal angenommen werden. Die Richtung des Stromes liegt etwa bei 55°. Ein 
Blick auf unsere Tabelle gibt die Verhältnisse, wie sie aus dem deutschen Material 
resultieren. Bei 55° fließt der Strom mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit 
von 19.6 Sm pro Etmal und einer Stabilität von nur 25%. Ein Vergleich 
zwischen deutschen und englischen Angaben zeigt Übereinstimmung in der 
Richtung, große Abweichungen hingegen in den anderen Daten. Ähnliche Ver- 
hältnisse gibt das benachbarte Quadrat 115d (35° bis 40° N-Br. 65° bis 70°W-Lg.), 
wo bei gleicher Richtung bei einem Unterschiede von 10 Sm in den mittleren 
Stromstärken sich eine Stabilitätsverschiedenheit von 65°%, ergibt. Viele andere, 
auch an holländischem Material angestellte Untersuchungen bestätigen das 
Gesagte. Die vorzüglichen Übereinstimmungen der verglichenen deutschen und 
holländischen Resultate einerseits und die großen Abweichungen zwischen 
englischen und deutschen als auch holländischen Resultaten hinsichtlich der 
Stromstärke, namentlich aber der Stabilität anderseits, lassen die Behauptung 
gerechtfertigt erscheinen, daß das von den Engländern gewählte Schema den 
Beständigkeitsgrad nicht befriedigend zum Ausdruck gebracht hat. Die Schuld 
hieran trägt vielleicht die Fülle des Materials, das, um bei dem gewählten System 
nicht die Übersicht zu gefährden, nicht immer erschöpfend behandelt werden 
konnte. Es liegt die Vermutung nahe, daß die Auswahl des zur Verwendung 
gekommenen Materials nicht immer ganz glücklich war und daß so einige 
charakteristische Strommerkmale vernachlässigt worden sind. 
Zurückblickend, kommen wir noch einmal kurz auf die mittleren Strom- 
stärken zu sprechen. Nach den englischen Angaben müßte mit einem häufigen 
Auftreten von Stromversetzungen über 60 Sm gerechnet werden. Das deutsche 
Material gibt 19.6 Sm als mittlere Stromstärke an. Aus dieser Angabe geht 
nicht hervor, ob für diesen Teil des Floridastroms auch sehr hohe Stromstärken 
zu erwarten sind. Die Höhe der Stromstärke von 19.6 Sm läßt freilich schon 
vermuten, daß Versetzungen von 60 Sm selten auftreten, aber wie häufig diese 
eventuell auftreten können, finden wir nicht. Um nun für die Häufigkeit des 
Auftretens hoher Stromversetzungen eine kleine Handhabe zu besitzen, sind vom 
Verfasser Untersuchungen für das gesamte Material der Quadratarbeit angestellt 
worden. Betrachtungen von Mittelwerten für die Stromstärke berechtigen nämlich 
zu der Annahme, daß bei Durchschnittswerten von 20 bis 25 Sm 10 bis 12% 
Stromversetzungen über 40 Sm pro Etmal, bei 15 bis 20 Sm etwa 3%, Versetzungen
	        
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