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Full text: Jahresbericht 1921

Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1921. 
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e. Chronik. 
Eine Veränderung im Bestände der Instrumente und Apparate fand nicht statt, 
abgesehen davon, daß die Niebergsche Normaluhr auf der Großfunkstation Nauen für 
Signalzwecke aufgehängt wurde. 
Am Schluß der 44. Wettbewerbprüfung wurden die Chronometer durch Sachverständige 
der üblichen Besichtigung unterzogen. Hieran schloß sich, ebenso wie an die Eröffnung 
der 45. Prüfung eine eingehende Beratung über Chronometerangelegenheiten. Bei der 
zweiten Sitzung, die in erweitertem Umfang stattfand, wurden wichtige grundlegende 
Beschlüße gefaßt. 
IX. Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Abteilung. 
Der bereits 1919 genehmigte Neubau der Meteorologischen Versuchsanstalt in Groß- 
Borstel konnte noch nicht aus dem Stadium der Baupläne heraustreten, da diese immer 
wieder durch unerwartete Preissteigerungen umgeworfen wurden. Infolgedessen war die 
Tätigkeit derselben durch die provisorische Unterbringung in Baracken noch behindert. 
Die Prüfungseinrichtungen wurden verbessert; so erhielt der Windkanal eine Luft- 
Rückleitung und mehrere weitere Gleichrichter, nach deren Anbringnng die größte erreich 
bare Luftgeschwindigkeit nunmehr 32 m/s, bei Verwendung der kleineren Düse 40 m/s 
beträgt. Durch Versuche wurde der Einfluß größerer zu prüfender Anemometer auf den 
Luftstrom festgestellt. Ein Chronograph mit Pendeluhr (Minutenkontakt) wurde aufgestellt, 
und die Einrichtungen für tiefen Druck und tiefe Temperatur weiter ausgebaut. Im ganzen 
fanden 51 Eichungen statt, darunter die eines Böenschreibers, sowie des am 28. 10. 21. im 
Sturm beschädigten Anemometers Sass der Seewarte, ferner Eichungen von Höhen-Aneroiden 
bei Temperaturen bis — 30° u. a. 
Beim Ausbau der Werkstatt wurde die Versuchsanstalt durch die Firmen „Deutsche 
Werft A.-G.“ und „Heidenreich & Harbeck“ (Hamburg) mit Rat und Tat unterstützt. Durch 
Entgegenkommen der letzteren gelang insbesondere die Beschaffung einer Präzisions- 
Schnelldrehbank. 
Nach Vorversuchen im Windkanal wurde in der Werkstatt nach Angaben von Dr. 
Georgi eine neuartige Windfahne mit windschnittigen Einstellflächen und Kugellager für das 
Lotsenamt Kolberg hergestellt (Länge der Windfahne 1,65 m). Desgleichen wurde nach 
Vorversuchen auf einer Fahrt des Reichsforschungsdampfers „Poseidon“ ein Spiegeltheodolit 
für Höhenwindmessungen auf See nach den Angaben von Prof. A. Wegener und Dr. Kuhl- 
brodt hergestellt, welcher ein längeres Verfolgen der Ballone als bisher gestattet. Endlich 
wurde eine Hochspannungsbatterie für statische Ladung bis 500 Volt für luftelektrische Zwecke 
hergestellt. Von den weiteren luftelektrischen Instrumenten, für welche im Etat des Berichts 
jahres Mittel bereitgestellt waren, konnte erst ein Teil beschafft werden, da die betr. Firmen 
längere Zeit für die Herstellung benötigen. 
Die Tätigkeit der bisherigen Beschaffungszentrale wurde dahin geregelt, daß künftig 
durch sie im wesentlichen nur noch die meteorologischen Instrumente im Bereich der See 
warte und ihrer Außenstellen (mit Ausnahme der Schiffsinstrumente) beschafft werden. 
Hierdurch ist einerseits ein Teil der bisherigen Tätigkeit von Abteilung II auf die Meteoro 
logische Versuchsanstalt übergegangen, andererseits kann nunmehr das Lager derselben 
verkleinert werden, womit bereits begonnen wurde. 
Die Meteorologischen Morgenbeobachtungen wurden wie bisher für die Zwecke der 
Wettervorhersage weitergeführt. Ferner wurden 181 Höhenwindmessungen namentlich für 
die Zwecke des Luftverkehrs und der Wettervorhersage ausgeführt. Anstelle der früheren 
aerologischen Drachenaufstiege, welche durch die zahlreichen Hochspannungsleitungen seit 
dem Kriege unmöglich gemacht w’iirden, gelang es im Berichtsjahre zum 1. Male, eine 
größere Anzahl aerologischer Flugzeugaufstiege auszuführen, nachdem die Interalliierte Luft 
fahrt-Überwachungskommission für diesen Zweck 2 Flugzeuge kostenlos überlassen hatte.
	        
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