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Full text : 49, 1930/1931

I)r.  Gretel  Satow:  Das  Bodeueis  in  der  Arktis.  Tatsachen  und  Hypothesen.

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Materials  verschwinden  einige  dieser  Hügel  im  Laufe  von  mehreren  Jahren  wieder,  so  daß  die  Küste
ihre  frühere  Gestalt  wieder  erhält.  Das  Eis  dieser  zusammengeschobenen  Blöcke  besteht  nach  Stefansson
  aus  einem  Gemisch  von  trockenem  Schnee,  und  Schnee  vermengt  mit  gefrorenem  Seegischt;
das  Zentrum  wird  aber  Pfannkucheneis  (ice  cake)  der  See  bilden.  Ein  Gemisch  von  Grundeis  und
Meereis  stellen  die  Eisdeltas  dar,  von  deren  Entstehung  Stefansson  berichtet.  (74.  S.  344).  An  den
Mündungen  der  meisten  arktischen  Flüsse  ist  das  Meer  so  flach,  daß  es  bis  zum  Grunde  in  einem
±  großen  Abstand  von  der  Küste  gefriert.  Große  Flüsse  besitzen  manchmal  eine  offene  Rinne  bis
zum  tiefen  Wasser,  dann  existiert  aber  sehr  viel  Grundeis  in  ihren  Flußmündungen.  In  beiden  Fällen
wird  Eis  begraben;  im  ersten  Falle  durch  winterliche  Ueberschwemmungen,  im  zweiten  Falle  durch
das  eigene  Flußwasser,  je  nach  der  Menge  der  Sinkstoffe,  die  der  Fluß  mit  sich  führt.  Ganz  besonders ­
  die  Frühjahrsschmelze  liefert  schlammig  trübes  Flußwasser,  das,  sobald  es  an  der  Flußmündung
seine  Strömung  verliert,  den  Schlamm  absetzt.  Sobald  solches  Eis  angeschnitten  worden  war,  zeigte
sich  folgendes  Profil:  Verschiedene  Eisschichten  sind  vorhanden,  schmutzige  Eisschichten  wechseln
mit  klaren,  aus  Wasser  gebildeten  ab.  Dazwischen  treten  aber  auch  abwechselnd  weiße  Schneeeislagen ­
  und  reine  Sandschichten  auf,  unter  günstigen  Bedingungen  mag  ein  Eislager  dem  anderen  im
folgenden  Jahr  hinzugefügt  werden,  so  daß  sich  an  den  Flußmündungen  wie  sonst  Schlammdeltas,
hier  Eisdeltas,  entwickeln.

F.  Zudedkung  von  Schneewehen.
An  bestimmten  Stellen  kann  aufgespeicherter  Schnee  durch  Flußsand  oder  Schlamm  bedeckt
werden  und  dadurch  in  eine  Art  Bodeneis  verwandelt  werden.  Lopatin  beobachtete  während  seiner
Turuchanskreise  häufig  im  Frühjahr  solche  Bildungen.
An  den  verschiedensten  Stellen  des  Jenissei  hatten  sich  am  Fuße  von  Steilufern  Schneewehen ­
  gebildet,  die  beinah  in  Eis  übergegangen  waren  und  nun  von  den  Schlammläufen,  die  von  den
Steilufern  herabkamen,  ±  dick  zugedeckt  wurden.  Die  zugedeckten  Schneemassen  hatten  verschiedene ­
  Dicke.  Von  2  Arschin  bis  mehr  als  1  Saschen  (1,42  m  —  2,13  m)  stellte  Lopatin  fest.  (40.  S.
3—-32).  Diese  Entstehungsart  von  Bodeneis  ist  auch  den  Amerikanern  bekannt.  (57.  S.  194).
Schneewehen  und  Schneelagen  werden  nach  Beobachtungen  von  Stefansson  auch  durch  zusammengewehten
  Staub  und  Sand  zugedeckt  (74).
Der  starke  Wind  der  arktischen  Gegenden  bläst  die  Lehm-  und  Sandbarren  an  den  Flußmündungen ­
  aus  und  liefert  so  eine  schützende  Decke  für  das  Eis.  (Beobachtet  auf  der  Jones  Insel  im  Colville
Delta).

G.  Entstehung  aus  Spalteneis.
Alle  Forscher  der  polaren  Gegenden,  von  Middendorff,  Lopatin,  Toll  und  Bunge  angefangen,  bis
zu  den  heute  lebenden,  haben  die  Beobachtung  gemacht,  daß  in  den  niedrigen,  sandigen,  tonigen
oder  torfigen  Tundraebenen  Nordsibiriens  und  Alaskas  —  nicht  so  sehr  im  felsigen  Gebiet  ---  bei  geringer ­
  Schneedecke,  langer  Andauer  und  starker  Intensität  des  Frostes  der  Boden  in  Spalten  aufreißt. ­
  Die  Forscher  um  1840,  1880,  wie  der  Amerikaner  Leffingwell.  der  9  Sommer  und  7  Winter
(1906—1914)  in  Alaska  weilte,  berichten  anschaulich,  wie  in  den  kalten  Wintern  die  Luft  wie  vom
Donner  der  Kanonenschüsse  erfüllt  ist  und  Spalten  verschiedenster  Breite  und  Länge  unter  Erschütterung ­
  des  Erdbodens  oft  viele  Kilometer  lang  aufreißen.  Ganz  gleichgültig,  ob  der  Boden  aus  Torf,
Lehm  oder  Sand  besteht.
In  diese  Spalten  fließt  wählend  des  Sommers  vom  Auftauboclen  her  Wasser  hinein,  das  zeitweilig ­
  mit  Schnee-  und  Schlammassen  vermischt  ist,  um  dort  am  Grunde  der  Spalten  zu  gefrieren.
Von  solchen  Frostspalten  und  den  in  ihnen  vorkommenden  Adern.  Stöcken  und  Gängen  von  Bodeneis.
  berichten  schon  Middendorff  und  Lopatin.  (44.  S.  504  und  36.  S.  3—32).
In  den  Tundraschichten  am  Jenissei  und  auf  der  Brechowinsel  in  der  Jenisseimündung  beobachtete ­
  Lopatin  Adern  von  Eis.  die  sich  in  Spalten  gebildet  hatten,  welche  vorher  mit  Wasser  angefüllt ­
  waren.  (Abb.  7.  Tafel  3).  Er  bemerkte  auf  der  Brechowinsel.  daß  an  der  Küste  der  gefrorene ­
  Boden  durch  die  Flut  ausgehöhlt  war  (2  Saschen  tief  4,26  m  und  einige  Saschen  breit).
            
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