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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 49. Bd. Nr. 5.
Der Bildung nach ist dieses Eis hauptsächlich Wassereis. Ob an den Fundstellen eine ungleich
mäßige Lagerung gemäß der Entstehung, durch die wirre Anhäufung von Eisschollen, zu erkennen ist,
darüber ist bis jetzt nichts berichtet.
Für solches Scholleneis hält A. Schultz das im alpinen Eisbodengebiet des Hochlands von Pamir
vorkommende Bodeneis am Kara-Kullsee. Die herrschenden Nordwinde drängen noch heute das Win
tereis in Schollen in der SO-Eeke des Sees zusammen, wo es fast den ganzen Sommer über sich zu
halten vermag. Gleiche Ursachen mögen in frühere* Zeiten tätig gewesen sein und die großen Eis
massen an dieser Stelle zusammengeschoben haben, die sich durch niedrige Jahrestemperatur und
unter dem Schutze der Staub- und Tonschicht lange erhalten konnten (101: 102. S. 55).
D. Zudeckung von Grundeis.
Mit dem Scholleneis zusammen wird im Frühjahr oft auch hochgekommenes Grundeis am Ufer
angehäuft. Man beobachtet, wie sich im Winter eine milchig trübe Masse auf dem Boden der Flüsse
und Bäche, besonders um Steine herum, niederschlägt und z. T. mit Schlamm zugedeckt wird. Im
Frühjahr steigen solche Eislagen als schlammbedeckteEisschollen empor, treiben auf demStrom abwärts
oder häufen sich wie das Scholleneis am Ufer an bestimmten Stellen des Tales an, werden dort von
Flufialluvionen zugedeckt und bleiben so erhalten.
Besonders oft findet der Vorgang auf den Flüssen Irtysch, Taimyr und Anabara, aber auch auf
Nowaja — Semlja statt (44. S. 453—57).
Dieses Eis wird nach Middendorffs Beobachtungen nie zu „klarem, blauem Wassereis.“
Es gibt aber noch eine zweite Art der Erhaltung von Grundeis. Im Frühjahr wird Grundeis nicht
hochgerissen, sondern am Boden des Flusses mehr und mehr mit Alluvionen zugedeckt und bleibt so
erhalten. Zutage tritt es erst, wenn der Fluß sein Bett verlegt hat und seine früheren Ablagerun
gen anschneidet. Lopatin berichtet, daß seine Ruderer Eis auf dem Boclen mit dem Riemen antrafeu,
auch ist er der Ansicht: „So wird das Süßwassereis in der Erde verschüttet, so daß nachher darauf
Sträueher wachsen.“ (40. S. 3—32).
Für solches bedecktes Grundeis hält Stefansson die Eisbänke an den Ufern des Colville. Er ver
mutet, sie seien durch die mit erstaunlicher Geschwindigkeit in den arktischen Flüssen aufgeschütte
ten Sandbarren geschützt worden und weiterhin unberührt geblieben, da der mäandrierende Fluß seine
Rinne verlegte. (74, S. 345).
Für diese Vorgänge, die Anhäufung des Schollen- und Grundeises, ist die Süd-Nordrichtung der
sibirischen Flüsse wie auch der in Alaska ins nördliche Eismeer mündenden Flüsse besonders günstig,
da die Hochwasser cler Frühjahrsschmelze aus den südlichen wärmeren Quellgebieten kommend,
die Unterläufe der Flüsse anormal früh aufbrechen, ehe dort nämlich die Lufttemperatur über 0°
gestiegen ist. (61. S. 419).
E. Meereisauflagerung.
Lopatin beobachtete im Winter auf Sachalin und an der Eismeerküste, daß das vom Meer ans Land
geworfene Meerwasser, vermischt mit Sand, zusammen mit der am Ufer vorhandenen Schneedecke ge
friert, und daß so die verschiedensten Eisschichten entstehen. Es wechseln schmutzige mit reinen Eis
schichten, sehr sandige Schichten mit weniger sandigen ab. Durch das Anfrieren dieser Schichten
am Ufer wird der Strandstreifen vergrößert. Diese Stufe wird oft durch die Brandung wieder zer
stört. bildet sich aber schnell wieder. (Abb. 6, Tafel 3).
An einer Stufe bemerkt Lopatin, daß sie sich nach einem NW-Sturm neu gebildet und von einem
zum anderen Tag von 1 auf 5 Arschin (0,71 m bis 2,13 m) vergrößert hatte. In dieser Stufe befanden
sich im obersten Teil 10 Schichten (5 Eis. 5 Eis + Sand) = 5 Verschock (22,5 cm). (40. S. 3—32).
Solche ans Ufer geschobenen Eisschollen sah in Alaska Stefansson (74. S. 342). Er fand im Sommer
1908 entlang eines Sandstrandes von Kap Smith bis zum Point Barrow Wälle 12—15 Fuß hoch, ca. 50
Fuß in der Länge. Diese Wälle standen zum Teil in beträchtlichem Abstand voneinander, zum Teil
berührten sie sich aber auch. Es zeigte sich beim Hineinstoßen, daß sie innen aus Eis bestanden und
mit einem Kiesmantel bedeckt waren. Wegen der Dünne der Deckschicht und der Porosität des