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Full text : 49, 1930/1931

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messungcn  und  andere  Beobachtungen  auf  einer  flugwissenschaftlichen  Forschungsreise  nach  Rio  de  Janeiro  und  dem  La  Plata.

Ungewöhnlich  weit  südwärts  reichten  damals  die  Ausläufer  der  nordatlantischen  Depressionen.
An  der  ganzen  spanischen  und  marokkanischen  Küste  fuhren  wir  zumeist  gegen  kräftige  südliche
Winde  an,  die  viel  Regen  und  fast  nur  tiefe  Bewölkung  im  Gefolge  hatten:  für  das  Einüben  der
Beobachtung  am  Schiffstheodoliten  eine  in  jeder  Beziehung  gesteigert  schwere  Lehrzeit.  Zunächst ­
  ließ  die  Fahrt  im  Angesichte  der  Felsenküste  der  iberischen  Halbinsel  alle  typischen  Arten
von  Strömungswolken  studieren;  die  folgenden  Schlechtwettertage  zeigten  eine  ziemlich  auffallende
Periodizät  im  Ablauf  der  Erscheinungen:  Eintrübung  und  Windzunahme  am  Nachmittag,  am
frühen  Abend  Losbrechen  des  Regens  unter  Begleitung  stürmischer  Winde,  die  die  erste  Nachthälfte ­
  anhalten,  Besserung  gegen  Morgen  und  am  Vormittag.
Der  16.  Dezember  brachte  die  erste  Fahrtunterbrechung  seit  Verlassen  des  Heimathafens.
Am  frühen  Morgen  fuhren  wir  in  den  Außenhafen  von  Oporto,  den  nördlich  der  klippenreichen
Douro-Mündung  gelegenen,  geschützteren  Hafen  von  Leixöes  ein.  Die  „Erfurt“  lud  hier  portugisischen
  Landwein  sowie  edlen  weißen  Portwein  mit  dem  Bestimmungsort  Rio.
Erst  der  19.  Dezember  brachte  bei  immer  noch  südwestlichen  Winden  Aufheiterung.  Der  klare
Abend  enthüllte  zum  erstenmal  die  Himmelswunder  südlicher  Nächte,  der  milchig  schimmernde
Lichtkegel  des  Zodiakallichtes  überraschte  durch  seine  in  nördlichen  Breiten  niemals  geahnte  Deutlichkeit ­
  und  blieb  auch  in  den  folgenden  Tagen  wachsend  ein  Gegenstand  staunender  Bewunderung.
Am  20.  wurde  die  Höhe  der  ersten  Kanareninseln  erreicht,  der  Wind  schlief  fast  vollständig  ein,
auf  eine  Entfernung  von  150  km  erschien  zeitweise  die  Pyramide  des  Pic  von  Tenerife  über  Wolken
und  Dunstkreis  im  Westen.  Bei  spiegelglatter  See,  die  nur  in  der  durch  das  Schiff  gepflügten  Rinne
smaragden  aufleuchtete,  fuhren  wir  in  den  Hafen  von  Las  Palmas  auf  Gran  -  Canaria  ein  und  betraten ­
  gegen  Mitternacht  afrikanischen  Boden.  Ein  Besuch  in  dieser  späten  Nachtstunde  galt  dem
Vertreter  der  Woermann-Linie,  Herrn  Siefken,  der  sich  in  freundlicher  Weise  erboten  hatte,  für
die  Deutsche  Seewarte  Pilotvisierungen  in  Las  Palmas  anzustellen.  Es  wurde  Herrn  Siefken  das
baldige  Eintreffen  der  schon  vorbereiteten  9.  Forschungsfahrt  mitgeteilt,  die  mit  dem  Hauptzweck
der  Einrichtung  der  Pilotstation  nach  den  Kanaren  kommen  sollte.
Nachdem  wir  gegen  2  Uhr  den  Hafen  von  Las  Palmas  verlassen  hatten,  machte  sich  zum
ersten  Male  der  Passat  auf,  unser  Begleiter  während  der  nächsten  heiteren  und  lichtfrohen  Tage.
Am  23.  zeigte  ein  leichtes  Dunstband  am  abendlichen  Horizont,  sowie  eine  leichte  Schwächung
der  bis  dahin  glänzenden  Erscheinung  des  Zodiakallichtes,  daß  wir  uns  dem  berüchtigten  Dunstund ­
  Staubbereich  der  Kap-Verden  näherten.  Am  Morgen  des  24.  trat  als  erste  Kap  -  Verden-Insel
  „Boa  Vista“  aus  dem  starken  Dunstbereich  um  die  Inseln.  Die  „Erfurt“  fuhr  im  Osten  der
Inseln  an  dem  südöstlichen  Bogen  entlang,  von  dem  sich  aber  außer  „Boa  Vista“  nur  noch  „Maio“
am  Nachmittag  in  schwachen  Konturen  trotz  der  Annäherung  auf  15  km  zeigte.  Noch  am  nächsten
Tage  ließen  die  Beobachtungen  beim  Pilotieren  eine  stark  absorbierende  Dunstschicht  in  der  Höhe
bei  sonst  reinem  Himmel  erkennen.
Zum  erstenmal  am  26.  Dezember  kündete  nach  Eintritt  der  Dunkelheit  fernes  Wetterleuchten
am  Südhorizont  das  Nahen  des  äquatorealen  Stillengürtels  an.  Wir  befanden  uns  zu  dieser  Zeit
auf  etwa  7°  10’  Nord.  Der  Morgen  des  nächsten  Tages  zeigte  den  ganzen  Himmel  mit  drohendem
Gewölk  bedeckt  und  noch  vor  8  Uhr  setzte  aus  geschlossener  Wolkendecke  Regen  ein;  die  dabei
auftretenden  Gewittererscheinungen  waren  nur  gering,  der  Regen  nahm  noch  am  Vormittag  immer
mehr  Schauercharakter  an,  während  der  Schauer  drehte  der  Wind  sprunghaft  auf  SE.  Noch
während  der  Nacht  blieb  das  Wetterleuchten  hinter  uns  im  Norden  zurück  und  der  Morgen  fand
uns  auf  2°  Nord  schon  im  Bereich  des  SE-Passats,  der  kühl  und  angenehm  wirkte  nach  dei
schwülen  Hitze  der  Vortage.  Gegen  14  Uhr  dieses  Tages  passierten  wir  in  12  km  Entfernung  die
Felsen  von  St.  Paul  und  zur  Zeit  der  Abendbeobachtung  die  Linie.
Das  neue  Jahr  begannen  wir  schon  unter  der  brasilianischen  Küste,  wo  der  SE-Passat  sich
mit  nordöstlichen  Winden  verzahnt,  was  unter  Einbrüchen  und  Schauern  in  ähnlicher  Weise  wie
            
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