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Full text: 49, 1930/1931

P. Troll: Flugklimatologie und Flugmeteorologie des „Nördlichen Flugweges“. 
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wovon wir uns bei unserer Fahrt an der grönländischen Ostküste entlang nach Süden selbst überzeugen 
konnten, als das Schiff in der Nacht vom 16. zum 17. August aus dem Bereiche der kalten Strömung 
herauskam. Freilich möchte es nach den Angaben des meteorologischen Tagebuches scheinen, als ob 
sich der Übergang hier mehr allmählich vollzöge, doch darf man hierbei nicht übersehen, daß in diesem 
Falle der Kurs nicht senkrecht auf die Stromgrenze zu stand, sondern nur einen sehr kleinen Winkel 
mit derselben bildete, wodurch die Gegensätze nicht klar zur Geltung kommen können. Immerhin bewies 
aber die Rückfahrt, daß auch östlich der Südspitze von Grönland eine scharfe Grenze zwischen beiden 
Meeresströmungen besteht; der Kurs lag bis zum 28. August in unmittelbarer Nähe der grönländischen 
Ostküste, und als wir die letztere an diesem Tage verließen, stieg die Wassertemperatur während der 
Nacht von 3,3° auf 8,1°, also um fast 5°. 
Tafel 20, Abb. 4 zeigt die Wasserisothermen, wie sie sich aus den Beobachtungen der Meteor-Reise 
ergeben haben. Zwar sind dieselben nicht auf Grund von Beobachtungen resp. Messungen gleicher Tage 
und Tageszeiten entworfen, doch dürften sie der Wii'klichkeit ziemlich nahe kommen, da die Zahl der Tage, 
über welche sich diese Beobachtungen erstrecken, gering ist und der Einfluß der Tageszeiten auf die 
Temperaturgestaltung der Meeresoberfläche in diesen nördlichen Gegenden wohl nur eine unwesentliche 
Rolle spielt. 
Die im Westen von Island nach Norden gehende Abzweigung des Golfstromes, der Irmingerstrom, 
umfließt fast die ganze Insel. Der Irmingerstrom geht zunächst bis zu einem Punkte etwa 75 sm nörd 
lich von Kap Nord, wendet sich dann nach Osten und dreht endlich bei Langanes nach Südosten ab, wo er 
in einem Ausläufer des Ostgrönlandstronies verschwindet. Der südlich von Island nach rechts ab 
biegende Zweig strömt zum Teil nach der isländischen Ostküste, zum Teil nach den Färöern; während er 
aber bei Island durch den kalten Ausläufer des Ostgrönlandstromes mehr in den Hintergrund tritt, 
scheint sein Einfluß über die Färöer hinaus etwas nach Nordosten überzugreifen. Die übrigen Ab 
zweigungen des Golfstromes bei Spitzbergen und Jan Mayen sind für die Gestaltung des Klimas von 
Island und den Färöern ohne Bedeutung. 
Der Ostgrönlandstrom setzt in der Hauptsache an der grönländischen Küste entlang nach Süden 
und füllt den westlichen Teil der Dänemarkstraße aus. Die Abgrenzungsverhältnisse gegen den Irminger 
strom und seine südwestliche Abzweigung sind bereits besprochen werden. Von seinen Teilströmen 
haben diejenigen, welche sich nördlich und westlich von Jan Mayen erstrecken, weniger Bedeutung; von 
Wichtigkeit dürfte aber ein Zweigstrom sein, der etwa in der Breite von Scoresby-Sund nach Südosten 
abbiegt und vor Ostisland und den Färöern auf die entsprechenden Teilgebiete des Golfstromes trifft. 
Dieser Zweig des Ostgrönlandstromes tritt auch in den Beobachtungen der Meteor-Reise deutlich her 
vor, wie Tafel 20, Abb. 4 zeigt, denn hier wird eine klare Ausbuchtung der 10°-Wasserisotherme nach 
Süden sichtbar, wie eine solche während der Fahrt von den Färöern nach Island festgestellt wurde. 
Die vertikale Mächtigkeit des Ostgrönlandstromes schwankt nach Hann 1 ) im Allgemeinen zwischen 
100 und 300 Metern, während seine Breite etwa 250 Seemeilen beträgt. Seine Geschwindigkeit stellt sich 
auf etwa 10—12 Seemeilen pro Tag, ist also bedeutend. Man kann allerdings annehmen, daß die Haupt 
ströme, der Golfstrom und der Ostgrönlandstrom wenigstens annähernd ihre konstante Richtung und 
Stärke beibehalten, doch dürften ihre Abzweigungen, resp. Ausläufer in dieser Hinsicht nicht unbedeu 
tenden Schwankungen unterworfen sein, welche letzteren besonders durch die jeweilige Luftdruck- und 
Windverteilung, sowie die Richtung und Stärke der Gezeitenströme hervorgerufen werden können. 
Der Ostgrönlandstrom bildet ein besonderes Gefahrenmoment noch dadurch, daß er an den mäch 
tigen Abflußstellen des grönländischen Inlandeises vorbeiströmt und demgemäß die von den Gletscher 
zungen des letzteren abbrechenden Eisberge nach Süden führt. Die größte Eishäufigkeit 2 ) findet man 
im Frühjahr und Frühsommer. Im Spätsommer nimmt sie in der Regel ab, während im Januar und 
*) Hann, Handbuch der Klimatologie, Stuttgart 1911, Bd. III, S. 614. 
2 ) Hann, Handbuch der Klimatologie, Stuttgart 1911, Bd. HI, S. 614.
	        
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