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Full text: 48, 1929/1930

48 
Aus dein Archiv der Deutschen Seewarte. - 48. Bd. Heft 2. 
ebene, einförmige Landschaft, bis ein langes Schotter plateau auf einer flachen Stufe für lange Zeit das Bild 
beherrscht. Hier verschwinden die Salzpflanzen und machen einer gut entwickelten Hochsteppen-„Heide“ 
Platz. Ausgedehnte Kalkkrusten bedecken das zunächst ebene Plateau, das weiter südlich von westöstlich 
streichenden Niederungen, in denen hin und wieder eine Oase oder ein Bordj liegt, durchquert wird. 
Südlich von Chegga überwiegen Gripsboden, Lehm mit Gipskristallen, die von weither als glänzende 
Stellen sichtbar sind, und Gipskrusten. Die Polsterbüsche stehen zwar hauptsächlich einzeln, aber doch 
noch ziemlich dicht. Ein ziemlich breites, flach eingesenktes Flußbett — das Wadi Setil —, dessen Ränder 
aus Kalkerde, Kalk- und Gipskrusten bestehen, führt in den im Osten gelegenen Chott Melrir. Dessen 
Ufer hrechen — anscheinend in drei Terrassen, deren unterste den heutigen Seerand bildet — steil zu 
der sandigen salzreichen Lehmniederung des eigentlichen Seebodens ab. 
Hier, wenig nördlich von Mraier, liegt eine Kette kleiner Gipshügel, Ed Dour (Kef ed Dohor), die sich 
unter den verschiedensten Namen weit nach Südwesten erstreckt, und die Bergbrugger 42 ) für eine bedeut 
same geographische Grenze hält. Die soeben besprochene nordöstlich gelegene Landschaft ist nämlich eine 
nahezu wasserlose, aber äußerst gesunde Gegend, während südlich dieser Hügel das mit artesischem 
Wasser gesegnete Land des Wadi Rir beginnt, das aber auch ein Landstrich mit den gefährlichsten 
Fiebern ist. In den Adern der Bewohner — der Rouarha — muß viel Negerblut fließen, um das Leben 
im Wadi Rir aushalten zu können; alle Menschen mit hellerer Hautfarbe, Nomaden, die Souafa, Moza- 
biten und Juden verlassen fluchtartig die Rir-Oasen, sowie das stagnierende Wasser eine rötliche Farbe 
annimmt und die Ouche-Ouache Fliege erscheint. 
2. Die Grundwasserstrom-Oasenniederung des Wadi Rir. 
Das Wadi Rir ist im Ganzen betrachtet eine Nebkaniederung mit zahlreichen Oasenbecken. Eine 
Nebka ist eine Lehmwüste, die teilweise mit kleinen Flugsanddünen bedeckt ist — Miniaturdünen nennt 
sie Gautier* 3 ) —. Gras und Zwergsträucher sind reichlich vorhanden, so daß die Nebka für die Kamele 
stets eine gute Weide bietet, während die sandfreien Lehmflächen vegetationslos sind. Ein weiteres 
Charakteristikum der Nebka ist die weiße Farbe des Sandes 44 ), die wie die Mittelmäßigkeit des Reliefs 
für ihre junge Bildung spricht. Die hohen alten Dünen haben im Gegensatz dazu eine Goldfarbe, die 
aus Oxydation der Quarzkörner unter der jahrhundertelangen äolischen Einwirkung entstanden sein 
dürfte. Die Nebka stellt somit eine Ubergangsform von der reinen Lehmwüste zur reinen Sandwüste, 
dem Erg, dar. 
Vom Gipfel der Hügel Ed Dour, die 50 m Höhe über der Ebene nicht überschreiten, erblickt man im 
Norden die majestätischen Gebirgsketten des Aures, im Süden die breite Flußtalung des Wadi Rir, der 
in seinem ganzen Verlauf bis Touggourt eine Aufeinanderfolge schüsselförmiger flacher Sehkhen bildet. 
Auf den Hügeln, welche die einander beinahe berührenden Senken trennen, liegen gewöhnlich die Sied 
lungen, deren Dattelpalmenwälder sich an den Hängen bis in die Senken hinunterziehen. Hier ist der 
Boden lehmig-sandig und mit großen Gipskristallen bedeckt, die sehr dicke Krusten bilden 45 ). Über der 
Gipskruste liegt stellenweise Flugsand, ab und zu finden sich auch flache Dtinenzüge. Mit der Zunahme 
des Sandes verschwinden die im Norden noch einigermaßen häufigen Polsterpflanzen und machen tama 
riskenähnlichen Büschen Platz. 
Zwischen Ourlana, Djemaa und Moggar ist das in viele Arme geteilte Flußbett sehr breit und besitzt 
keine scharf ausgeprägten Ufer. Den Boden bildet brauner Lehm, der meistens mit einer weißen Salzhaut 
überzogen ist, und in dessen Vertiefungen, wie in Gräben und Löchern, dichte Salzkrusten liegen. Dünen 
und Oasen füllen abwechselnd das Wadi aus. 
42 ) Berbrugger, Les puits artésiens des oasis meridi ouates de l’Algérie. Algier 1862. S. 36. 
**) Sahara Algérien. Paris 1908. S. 6. Der Ausdruck Nebka werde vorzugsweise bei Laghnat gebraucht. 
M ) Gautier a. a. O. S. 7. 
45 ) Passarge, Tagebuch, 20. September 1907.
	        
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