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Full text: 48, 1929/1930

Lucie Raehder: Grundlagen und Versuch einer landsehaftskundl. Gliederung der nördl. algerischen Sahara. 47 
zeitig als Terrasse gebaut ist. Auf dieser schlafen die Bewohner während der heißen Nächte in ge 
flochtenen Hütten. Zwischen den Häusern, die immer in kleinen Gruppen zusammenstehen, erheben sich 
oft meterhohe Dünen, die teilweise von den herausragenden Wipfeln einiger Palmen beschattet werden. 
Weiter nach Süden stößt man hier und da auf verlassene römische Festungswerke, die einst wie die 
gegenwärtigen französischen der Überwachung der Wüste dienten. 70 km südöstlich von Douz liegt das 
Fort Ksar Ghelam, das in seiner Größe und starken Befestigung von höchster Bedeutung für die Römer 
gewesen sein muß. 
c) Die Sanddünenwüste des Erg. 
Die dritte Zone des Nefzaua, die Sanddünen wüste des Erg mit ihren seltsamen Gelände-Formen 38 * ) 
zieht sich am Rande der Felstafel im Südosten entlang und besteht aus einzelnen und zusammenhängen 
den Zeugenbergen. Weder Brunnen noch Wasser in irgendeiner anderen Form bietet sich hier dem 
Menschen, der darum nicht mit Unrecht dieser Landschaft im Süden des Nefzaua den Namen Bled el Äteuch 
— Land des Durstes — gegeben hat. 
Im allgemeinen wird das Nefzaua als eine natürliche Verlängerung des Belad el Djerid angesehen; 
dennoch sind beachtenswerte Unterschiede da. Einmal ist das Nefzaua eine Ebene, die überall gut mit 
Wasser und Vegetation versorgt ist, während die Oasen des Djerid sich nur an einigen Punkten zu, 
sammendrängen und durch hohe Dünen voneinander getrennt liegen. Während in Djerid die bedeutend 
größeren Oasen von wirklich unversiegbaren Wadis 36 ) erhalten werden, werden die des Nefzaua durch 
artesische Brunnen gespeist. Endlich bewirkt auch das Klima einen Unterschied zwischen beiden 
Oasenländern: das Nefzaua ist gegenüber dem Djerid außerordentlich ungesund und erlaubt dem 
Europäer keine Ansiedlung. Infolgedessen hat sich hier übrigens eine besondere Bevölkerung aus 
gebildet 40 ). 
V. Die Grundwasserstromlandschaft des Igharghar. 
Unter dem eigentlichen Wadi Rir versteht man die ca. 120 km lange Flußtalung des Igharghar 
zwischen Touggourt und Mraier, der in seinem unteren Lauf auf dieser Strecke bis zum Chott Melrir 
Wadir Rir genannt wird. 
1. Die Oasen-Salztonsteppe westlich des Chott Melrir. 
An die Gebirgsfußabdachung des Atlas schließt sich zunächst eine ebene Salztonsteppe an 41 ), die mit 
Salsolaceen bewachsen ist. Sie reicht von Biskra bis zum Wadi Rir und ist als nördliche Übergangs 
landschaft von letzterem zu den Salzsteppen des Atlasfußes anzusehen. 
Der Boden der Salztonsteppe besteht aus braunem Ton und ist stellenweise mit weißem Salzreif über 
zogen. Unter der dichten Salsolaceenvegetation herrschen die kleinen Büsche mit eirunden Blättern der 
„fetten Henne“ und das „Stachelgras“ vor. Beide haben Polsterwuchs und verleihen dem Boden ein 
grünes Aussehen. Stellenweise findet man sogar Bestände von Binsen. Niedrige, kahle, weiße Dünen 
treten örtlich auf, zuweilen auch eine dünne Decke von Flugsand, der sich gern an den Pflanzen an 
sammelt und zur Entstehung von 4—5 m hohen Vegetationskuppen führt. Knirschend zerbricht die 
dünne, ausgeblühte Salzhaut unter den Tritten von Mensch und Tier. 
Auf dem südlichen Ufer der Flußniederung des Wadi Djedi treten für einige 100 m grobe Schotter auf, 
dann folgt wieder Salzton mit weißem Salzreif und Flugsand mit einzelnen Büschen und Vegetationshügeln. 
Ab und zu unterbrechen jedoch — nach Süden immer häufiger auftretend — lange, einander in südwestlich 
nordöstlicher Richtung parallellaufende 2—4 m hohe Rücken und einzelne Kuppen aus Geröllmassen diese 
38 ) Vgl. Kapitel: Erg. 
**) Baraban, A travers la Tu niste, Paris 1887, S. 07: Die Quellen sind so zahlreich (in Tozeur 150), daß sie sich 
vor Eintritt in die Oase zu einem einzigen Wasseriauf vereinigen. 
40 ) Idoux a. a. O. S. 440. 
41 ) Beschrieben nach Passarge, Tagebuch, 20. September 1907.
	        
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