Lucie Raelider: Grundlagen und Versuch einer landschaftskundl. Gliederung der nördl. algerischen Sahara. 45
1. Das Belad el Djerid.
Auf der Landbrüeke zwischen den Chotts Djerid und Rharsa liegt inmitten eines sandigen, hügeligen
Geländes eine Reihe von Oasen, die ihr Dasein den artesischen Brunnen der wechsellagernden, quartären
Sand- und Tonschichten verdanken. Es handelt sich um das hügelige Sanddünengebiet der Schwelle von
Kriz und den Oasenkomplex des Belad el Djerid mit vier bedeutenden Städten.
Tozeur ist die wahre Hauptstadt des Djerid, besitzt wie auch Nefta zahlreiche überfließende Quellen.
Beide Städte liegen am Chott Djerid, dessen Ufer im Süden Tozeurs außerordentlich schlammig ist.
El Hamma am Chott Rharsa ist unmittelbarer Ausgangspunkt für Reisen nach Westen, während die
Oase Kriz den Verkehr nach dem Nefzaua vermittelt.
2. Das Nefzaua.
Im Südosten des Chott Djerid liegt der Oasengürtel des Nefzaua 36 ), der im Norden von Djebel
Tebaga, im Westen von dem Salzsee des Chott Djerid begrenzt wird, während im Süden die unermeß
liche Sandwüste des Erg an ihn heranreicht, so daß die Grenze hier nicht klar gezogen werden kann;
im Osten endlich bilden die Berge des Matmata den Abschluß. Im ganzen ist das Nefzaua eine weite,
niedrige Ebene, die mit Ausnahme der versalzten Gebiete des Chotts im Norden und der Sandmassen
im Süden fruchtbar und reich an Wasser ist.
Die Kette Tebaga setzt sich aus zahlreichen kleinen, aneinandergereihten, stark abgetragenen Berg
zügen zusammen, auf denen kein Baum gedeiht und nur ab und zu ein paar magere Büschel Haifagras
zu Anden sind. Von El Hamma an der Schwelle von Gabes bis Kebilli —• auf einer Strecke von rund
100 km — ündet inan nur drei Wasserstellen, von denen die letzte — LLmagues — eine kleine, stark ver
sandete Oase mit einer faden, magnesiumhaltigen, überüießenden Quelle ist.
Nicht weit davon öffnet sich die Kette Tebaga und über diesen Paß gelangt man ins Nefzaua, auf
dessen fahlem Sandboden, der außerhalb der Oasen mit Haifa, Drin, sowie Merkh, einer kleinen
Ginsterart in dicken Büscheln bestanden ist, hier und da wie dunkelgrüne Inseln einzelne Palmen
gruppen oder große Oasen liegen — im Westen durch den glitzernden Spiegel des Djerid begrenzt.
Nach Idoux 37 ) teilen die Eingeborenen das Nefzaua in drei verschiedene Zonen auf:
a) das Gebiet der artesischen Quellen (bled el ai'oun),
b) das Gebiet der Brunnen (bled el biar),
c) das Gebiet des Erg (bled el ateuch).
Diese Einteilung läßt sich auch einer landschaftskundlichen Gliederung zugrunde legen. Man erhält
dann folgende Teillandschaften:
a) das Gebiet der Quellwasseroasen auf den den Sandhügeln der östlichen Chottumrandung.
b) die Sandwüste mit Brunnenoasen,
c) die Sanddünenwüste des Erg.
a) Das Gebiet der artesischen Quellwasseroasen auf den Sandhügeln der östlichen Chottumrandung.
Dieses Gebiet zieht sich am südlichen Abhang des Djebel Tebaga entlang bis zum Djebel matmata.
Der Mittelpunkt, zu dem sämtliche Oasen im Umkreis von 25 km gehören, ist Kebilli. In klimatischer
Beziehung ist das Gebiet ein sehr ungesunder Landstrich; Hitze und Feuchtigkeit schaffen hier einen
gefürchteten Fieberherd. Abgesehen von der zwischen 3 und 7 m Tiefe liegenden oberen, etwas salzigen
Grundwasserschicht steigt trinkbares Wasser aus größeren Tiefen auf, dessen Ursprung wahrscheinlich
im Nordosten zu suchen ist. Unter diesen Quellwasseroasen lassen sich die im Norden gelegenen von
denen um Kebilli gruppierten wieder unterscheiden.
36 ) Wehrli, Brockinann-Jerosch u. a. haben das Gebiet des Chott Djerid bereist. Es war leider nicht möglich,
die bisher unveröffentlichten Photographien zu erlangen.
* 7 ) Idonx gibt in Notes snr le Nefzaua, Ann. g. Geogr. 1902, eine klare, anschauliche Landschafteschildernng.