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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 2. 
Ausgestaltung der Zeugenberge gesorgt, indem sie den Schutt am Fuß der Berge forträumten und ihm 
seine jetzige Gestalt gaben. Ein weiterer Beweis für die vorzeitliche fluviatile Ausbildung der Zeugen 
berge ist die Tatsache, daß das voll ausgebildete Inselberggebiet im Siidosten des Mzabplateaus von 
alten Flußläufen durchzogen wird. Zeugenberge können gemäß der geologischen Beschaffenheit des; 
Plateaus wohl in ihrer Gestalt beeinflußt werden; ihre Bildung geht aber unter den geeigneten Klima 
verhältnissen (d. h. wenn auf ein wasserreiches ein Wüstenklima folgt) ohne grundsätzliche Rücksicht; 
auf die geologischen Verhältnisse vor sich. Die Zeugenberge sind also Vorzeitformen. Die Vorzeitkraft 
für die Anlage der Inselberge war das fließende Wasser. 
Die Oase Wargla. 
Unmittelbar am Rande der abbrechenden Mzabtafel im Flußbett des Wadi Mya liegt die Oase 
Wargla 27 ). Sie erhebt sich auf sandigem Boden, der mit Resten stark korradierten rötlichen Sandsteins 
und Tuffkrusten bedeckt ist und flache isolierte Erhebungen aus teils mürbem, teils quarzitischem röt 
lichen Sandsteingeröll aufweist. Die Stadt ist von einer 4—5 m hohen, aus Luftziegeln™) errichteten, 
unverputzten Mauer mit Schießscharten und vorge bauten Bastionen umschlossen, die ab und zu von 
hellen, verputzten, mittelalterlich anmutenden Toren unterbrochen wird. Erhabene arabische Inschriften 
schmücken das Kopfstück eines solchen an den Innenseiten mit Ruheplätzen versehenen Tores, das 
wegen seines winkeligen Baues selten einen Durchblick in die Stadt gewährt. Die etwa 2 m breiten, 
anscheinend z. T. nicht überdachten Straßen werden von fensterlosen, verschieden hohen, meist ein 
stöckigen Lehmkastenhäusern begrenzt, die unregelmäßig und zum Teil kulissenartig in die Straße vor 
springen. Die Rahmen der kaum mehr als mannshohen Eingangstüren sind hell verputzt und mit 
Inschriften versehen. Von oben gesehen stellt sich die Stadt als ein unregelmäßiges Netz von Quadraten 
aus Lehmwürfelmauern verschiedener Höhe dar. Diese umschließen die Dachplattformen der Häuser 
mit ihren viereckigen Innenhöfen, aus denen hin und wieder eine Palme aufragt. Auf diese Höfe hinaus 
gehen die Türen und Fenster der Häuser. Wo aus dem parallelen Verlauf der Dachmauern Straßenzüge 
zu vermuten sind, verlaufen auch diese rechtwinkelig. Der nahezu quadratische Marktplatz wird von 
allen Seiten von einem nur aus dem Erdgeschoß bestehenden Gebäude mit flachem Dach und Säulen 
hallen eingefaßt. Hier steht das ebenfalls viereckige und mit einer Spitzkuppel versehene Marktgebäude 
in der Mitte des Hofes. 
Im Osten und Westen der Stadt liegen die Palmengärten. Der Boden der Oase besteht aus rotem 
Sandstein — hin und wieder treten Flugsandstreifen auf. Verschieden hohe, junge und alte Palmen 
stehen in den Gärten, in denen hauptsächlich Dattelpalmen gezogen werden, die aber häufig fast nichts 
oder gar nichts tragen. Unter diesen baut man in kleinen Beeten Luzerne, in nassen Gräben Hirse als 
Viehfutter an, seltener findet man Feigenbäume, Wein, Granatäpfel, Melonen, Kürbisse oder Pfeffer. Es 
scheint, daß man der Etagenkultur besondere Gemüsegärten vorzieht. Für Wargla sind die 3—4 hohen 
Wege charakteristisch, die durch die Gärten führen. Auffällig sind auch die sehr tiefen, 2—3 m in den 
Roden gegrabenen Bewässerungskanäle; hingegen fehlen die Abzugsgräben, wohl infolge des geringen 
Salzgehaltes des Bodens gänzlich. Das Wasser kommt aus zahlreichen Brunnen in Form von einfachen 
Brunnenlöchern oder von artesischen Brunnen, deren Ausfluß wie auch in Touggourt uneingefaßt ist 
und von ein paar Holzbrettern überbrückt wird. 
An der Ostgrenze der Stadt findet man Palmengärten, die vom Sand verschlungen werden, obwohl 
man zu ihrem Schutz Zäune aus Palmblättern aufgeführt hat. Aber auch diese werden eingesandet. 
Weiterhin nach Osten folgen die bereits beschriebenen Salzpfannen von Wargla und die Dünenzüge mit 
den kleinen Gärten von Aln Bida, in denen Kürbisse, Tomaten, Pfeffer und Gemüse angebaut und durch 
mehrere Ziehbrunnen bewässert werden. Hier beginnt der Plateaurand mit den Zeugenbergen, die sich 
bis weit nach Osten und Südosten ins Gebiet der großen Sanddünenwüste hineinziehen, 
27 ) Passarge, Tagebuch. 30. September 1907. 
- s ) Das sind an der Duft getrocknete ungebrannte Ziegel,
	        
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