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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 2. 
b) Die Sselloase. 
Der größte Teil der Pflanzungen scheint aber zu dem Typ der Sselloasen zu gehören. Im Flußbett 
bei Ghardaia ist örtlich eine Lfingsstufe von feinem Lehm ausgebildet. Auf diesem fruchtbaren Lehm 
beruht zum großen Teil die üppige Kultur, die die Palmengärten Ghardaias berühmt gemacht hat 22 ). 
Man hat die Lehmstufe durch eine dem Flußlauf parallele Schutzmauer gegen die abtragende Wirkung 
der reißenden Hochfluten geschützt und führt den auf ihr liegenden Pflanzungen das Wasser in 
Zementkanälen von Ziehbrunnen, die meist in der 
Nähe der Mauer liegen, zu. (Abb. 8.) Die Kanäle 
liegen zum Teil über dem Niveau der Gärten. Von 
ihren Zementrinnen wird das Wasser in kleine 
Lehmgräben gelassen, d'ie es um und in die quadra 
tischen oder rechteckigen, etwa 1:1,3 m großen Beete 
leiten. Allmählich erfolgt Aufsehlickung 23 ), der hier 
aber nicht, wie in der westlichen Lombardei, durch 
erneute Nivellierung begegnet wird 24 ), sondern die eine Erhöhung des Gartenniveaus bewirkt, so daß 
heute die meist von hohen Lehmwürfelmauern eingefaßten Gärten zum Teil hoch über den Wegen 
liegen. 
Stellenweise scheint man die natürliche Längsstufe durch künstliche Lehmterrassen im Flußbett 
ergänzt zu haben, wie bei El Ateuf. In der Oase herrscht Etagenkultur. Unter den Dattelpalmen wird 
viel Gerste und Pfeffer — seltener Weizen — ferner Futterkräuter, Karotten, Tomaten und andere Ge 
müse angebaut. Jedoch findet man nicht selten sowohl in der Flußbett- wie in und vor der Mauer der 
Sselloase kleine bewässerte Felder ohne Palmenwuchs. Bilder und Beschreibungen der Palmengärten 
von Ghardaia zeugen von ihrer Pracht. Man wandert zwischen den mehr als mannshohen Mauern der 
Gärten im Schatten eines von zusammenstoßenden Wedeln der Palmen gebildeten grünen Rund 
bogengewölbes. Die Kulturen erfordern aber, wie jede Gartenkultur, außerordentlich viel mühevolle 
Arbeit. So sieht man in der Oase allenthalben fleißige Menschen. 
Ghardaia kann als Vertreterin für die übrigen vier Oasenstädte gelten, deren Pflanzungen noch 
dazu mit denen der Hauptstadt verschmelzen. Sie liegen auf dem Wadirand des Plateaus und muten mit 
ihren Festungsbauten, Türmen und Toren (so Melika) höchst altertümlich an. 
Für die Landschaft der Fünfstädte-Flußoase Ghardaia könnte man also folgende Gliederung auf 
stellen: 
1. die Wohnsiedlungen 
a) die Zeugenbergsiedlung 
b) die Plateaurandsiedlungen. 
2. die Pflanzungen 
a) die Flußbettoase 
b) die Sselloase. 
III. Die Zeugenberg-Übergangslandsehaft zwischen Mzab und Erg. 
Zwischen der großen Sanddünenwüste des Ighargharbeckens und dem Hamadaschichttafelland der 
Chebka des Mzab liegt ein Übergangsgebiet: die Region der Gours. Diese beherrscht den Raum im 
Osten und Südosten von Wargla und erstreckt sich bis zum Brunnen Hassi Oulad Salah, dessen Be 
deutung außer in der Güte und dem Überfluß des Wassers in seiner geographischen Grenzlage zwischen 
der nördlich gelegenen Zeugenberglandschaft und der südlichen Gassi-Sandwtiste zu sehen ist. 
**) Guide« Joanne, Algérie et Tunisie, Paris 1906, S. 185. 
**) Vielleicht baut miau mit Rücksicht auf diese AufschHckung die Kanäle erhaben. 
24 ) Mjtt. von Dr. Frenzei in Hamburg. 
Abbildung 8 
Die Sseloase 
bei Ghardaia 
Nach Passarge, Tagebuch 9. X. 07
	        
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