Lucie Baehder: Grundlagen und Versuch einer iandsehaftskundl. Gliederung der nordl. algerischen Sahara. 35
zwischen 100 und 150 m, die Länge schwankt zwischen 7—800 m und 3—400 m, so daß die rundlichen
Schalen oftmals flußbettartigen Senken ähneln. Mattendecke, Stauden, Gebüsch sind für alle Dayas
charakteristisch; zuweilen ragen aus großen Senken \on 5—6 m Tiefe Bäume (Betoum)*) hoch über ihre
Ränder empor, so daß diese Dayas aus der Ebene als frischgrüne Wald- und Gebüschinseln auftauchen.
(Abb. 5.) Beim Bordj Mili ist eine flußbettartige
Dayasenke mit Betoumbäumen bestanden, doch statt
des grünen Kräuterteppichsist der gelbbraune feine
Lehmboden kahl und vom Winde glattgefegt. „Es
macht oft den Eindruck * 10 ), als wären diese langen
Senken aus der Verschmelzung von rundlichen
Dayas hervorgegangen, denn die Senken haben oft
ganz unmotivierte Ausbuchtungen und Verengun
gen.“ Wenn der Boden mit Krautmatten bedeckt ist, kann keine Abtragung stattfinden, während wohl
sonst bei kahlem Boden durch Winderosion (auch durch Wasser) Vertiefungen geschaffen werden.
Für die Entstehung der Dayas liegen noch keine ausreichenden Erklärungen vor. Auch für sie wird
chemische Auflösung als Ursache herangezogen 11 * ). Die einfachste Erklärung dürfte jedoch die zoogene
Erosion”) sein. Demnach hätten in einer Steppenzeit große Tierherden ihre Wasserplätze durch Treten
und Wälzen wannenartig vertieft — ein Vorgang, der heute noch in der Kalahari beobachtet wird.
So beleben die grünen Gebüschlehmpfannen der Dayas die Hamadaebene, verschwinden jedoch am
Bordj Seltafa, wo die unbelebte Felswüste der Chebka des Mzabplateaus beginnt.
II. Die Chebka-Tafel des Mzab.
Das Mzabplateau ist ein aus dolomitischen Kalken bestehendes, nach allen Richtungen hin von tiefen,
engen oder breiten Tälern oder Gräben zerschnittenes, im Mittel ca. 500 m hohes Plateau, das ca. 100 km
breit sich über 200 km weit in südlicher Richtung erstreckt und das Gebiet der Bundesgenossenschaft
der Beni Mzab und der Nomadenstämme (Tribu) der Chaanba bis zum Brunnen Hassi Zirara umfaßt.
Obgleich der Name nur dem nördlichen von den Beni Mzab bewohnten Teil des Landes gegeben wurde,
ist doch der südliche Teil nur eine Fortsetzung desselben mit gleichem Landschaftscharakter.
Dieses Plateau mitten in der algerischen Sahara wird von kretazischen Schichten gebildet. Es sinkt
im allgemeinen gegen Ost-30°-Süd unter das quartäre Becken des Wadi Rir und endet dort mit niedrigem
Steilabfall. Im Westen bricht es mit schroffem Steilabfall gegen die anschließenden quartären Sand- und
anderen Anschwemmungsmassen des Erg occidental ab. Gegen die einförmige Hamada sticht die formen
reiche Oberfläche des Mzab auffallend ab. Die Araber nennen das Plateau Chebka, d. h. Netz vieler tief
eingeschnittener Flüsse. Die kretazischen Schichten setzen sich aus mehr oder minder mergeligen,
weißen, kreidigen Kalken zusammen. Im Untergrund liegen Mergelschichten mit Gips- und Kalkbänken,
in denen auch untergeordnet Sandstein vorkommt 13 ). Die meisten gebohrten Brunnen reichen, wie zu
erwarten, im Verlauf der Täler bis in die Mergellager herunter.
1. Die Hamadatafeln der Chebka.
Das Mzabplateau wird durch ein Netz von Wadis in Tafeln und Zengenberge zerlegt. Die Oberfläche
der wie abgeschnitten erscheinenden Tafeln bildet überall Hamada. Unendlich viele Risse durchziehen
den Boden, nähern sich oft auf einen Meter und zerlegen das Plateau in vieleckige Blöcke, so daß es
buchstäblich zertrümmert aussieht. Die Oberfläche ist bedeckt mit Gesteinssplittern, Brocken und
s ) Pistacia terebinthus atlantiea.
10 ) Passarge, Tagebuch 1907, 12. Oktober.
“) Marquardsen, Oberflächengestaltung des saharisch-sudanischen abflußlosen Gebietes. Gött. 1909.
15 ) Passarge, GZ 1909, S. 508.
ls ) Vgl. Flamand: Notions élémentaires de Lithologie etc. Paris 1898.
Kalkkrusten-
Schuttebene
Geröll u. Sand- rötlicher Lehmboden
gehänge mit Bäumen und Gebüsch
Skizze Passarge, Tagebuch xs. Okt. 1907
Abb. 5. Schnitt durch eine Gebüschlehmpfanne.