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Full text: 48, 1929/1930

Lucie Raehder: Grundlagen und Versuch einer landschaftskundl. Gliederung der nürdl. algerischen Sahara. 33 
Die Neustadt von Biskra liegt im Norden der ausgedehnten Palmenpflanzungen am Fort St. Germain 
und ist wie alle neualgerischen Siedlungen mit geradlinigen, breiten Straßen, eleganten Gebäuden, 
Plätzen, Brunnen und frischgrünen Anlagen ausgestattet. Die ersten Stockwerke dieses modernen 
Stadtblocks ruhen auf Laubengängen, die dem Einwohner und Badegaste Schutz vor der sengenden 
Sonne bieten. Von diesem modernen Biskra unterscheidet sich Alt-Biskra, das sich aus mehreren aus 
Lehmziegeln erbauten Oasendörfern zusammensetzt und inmitten der 5 km langen und nur 100—500 m 
breiten Palmenoase liegt, die außer Palmen noch Obstbäume, Getreidefelder und bescheidene Gemüse 
gärten besitzt. Kanäle führen das in der oberen Talsperre oberhalb Neu-Biskras gesammelte Wasser 
zur Berieselung in die Gärten, die wie überall durch niedrige Lehmmauern voneinander abgeteilt sind. 
Vier große Straßenzüge nach Algier, Laghuat, Touggourt und dem Djerid gehen von Biskra aus und 
vermitteln den Verkehr aus allen Himmelsrichtungen. 
b) Die Oase Laghuat. 
Auf einem Kalksteinbergzug, dem letzten Höhenrücken der südwest-nordöstlich streichenden Atlas 
ketten am Rande der Wüste erheben sich Forts, Mauern und Gebäude der Oase Laghuat. Die Hügel 
kette ist in mehrere einzelne Teile aufgelöst: im Südwesten erhebt sich der langgestreckte wenig 
gegliederte, mit einem Wachtturm versehene Hügel des Rocher de Chien aus der unmittelbar an seinen 
durch eine Flugsandböschung verdeckten Fuß angrenzenden ebenen Artemisiasteppe; dann folgen zwei 
niedrigere Hügel mit den Militärgebäuden der Stadt. Diese Kalksteinbergkette, deren saigere Turon- 
schichten geradezu Spitzen bilden, setzt sich jedoch noch weiter nach Nordosten jenseits vom Durch 
bruch des breiten, sandig-kiesigen Wadi Mzi östlich von Laghuat fort. Von dem Durchbruche aus läuft 
das Wadi Mzi als Wadi Djedi dem Chott Melrir zu. Durch den eben erwähnten Höhenzug werden 
Pflanzung wie Siedlung der Oase zwiegeteilt, so daß Nord- und Südoase unterschieden werden. Blickt man 
von diesem mit zerstreuten Artemisiabüscheln bedeckten Felshügel nach Norden, so sieht man, wie sich 
die Europäerstadt eng an diesen anlehnt. Daran schließen sich auf weiter Ebene die großen Palmen 
pflanzungen, die im Osten von dem breiten Flußbett des Mzi begrenzt werden, während im Norden die 
nur im Osten durch den Durchbruch des Wadis unterbrochene, lange, gezackte Bergkette den Blick 
begrenzt. Vom fortartigen Militärkrankenhaus des Stadthügels zieht sich eine mit Schießscharten ver 
sehene Mauer nach der Oase und schließt einen großen Teil der Häuser mit der Moschee ein. Außerhalb 
dieses befestigten Viertels ziehen sich jedoch viereckige, einstöckige, fensterlose Lehmkastenhäuser — 
alleinstehend oder zusammenhängend — an der am Bergfuße verlaufenden Straße nach Osten hin und 
stehen auffallenderweise z. T. in den Pflanzungen. Sie werden nur durch niedrige unverputzte Lehm 
mauern von der Straße getrennt. Weit ab im Westen der Nordoase liegt der Militärdistrikt mit den 
Kasernen. 
Wie sich die Nordoase an den Hügelzug anlehnt, so schließt sich an dessen Südseite das aus niedrigen 
Lehmkastenhäusern bestehende Eingeborenenviertel der Südoase eng an. Auch hier ist das Wohnviertel 
streng von den Pflanzungen geschieden, in denen nur höchst selten ein mehr palastartiges Gebäude zu 
sehen ist. 
In den Palmengärten herrscht Etagenkultur; außer den Obstbäumen fallen Fliederbüsche und 
Pappeln mit frischgrünem Laub auf 4 5 ), für Gemüsebau findet man oft gesonderte Gärten. Der Getreide 
bau nimmt außerhalb der Palmenpflanzung eine bestimmte Zone ein 8 ). Alle Gärten sind durch verputzte 
oder unverputzte Mauern voneinander abgetrennt. Schmale, in der Mitte eingetretene Wege von etwa 
2 m Breite winden sich zwischen wohl 3 m hohen oft abbröckelnden Mauern aus Lehmklötzen durch die 
Pflanzungen. Auffallend sind die Bewässerungsgräben, die an der Seite oder in der Mitte eines solchen 
Weges durch die Oase geleitet werden. Sie sind durch Zement wahrscheinlich zum Schutz gegen die 
4 ) Passarge, Tagebuch, 5. April 1906. 
5 ) Guides Joanne, Algérie et Tunisie, 1906.
	        
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