Lncie Kaelider: Grundlagen und Versuch einer laudscliaftsknndi. Gliederung der uördl. algerischen Sahara. Bl
Landschaftskundlicher Teil.
Die einzelnen Landschaften.
Das schriftlich und bildlich vorliegende Beobachtungsmaterial, das den landschaftskundlichen Be
schreibungen zugrunde liegt, ist nicht einheitlich. Vielmehr finden sich für einzelne Gebiete — z. B.
Erg und Nefzaua — eingehendere Beschreibungen, während für andere nur das eine oder das andere
Itinerar vorhanden ist. Für die Darstellung weiter Landstriche bilden die unveröffentlichten Reisetage
bücher und die zahlreichen photographischen Aufnahmen Passarges die Hauptquelle.
Aus der nördlichen algerischen Sahara — Ighargharbecken und Mzabplateau —• lassen sich folgende
Landschaften herausarbeiten (Tafel 3):
Die südliche Gebirgsfußabdachung des Atlas;
Die Chebka-Tafel des Mzab;-
Die Salzsumpfdepression der großen Chotts;
Die Grundwasser Stromlandschaft des Igharghar;
Die Zeugenbergübergangslandschaft zwischen Mzab und Erg;
Die Übergangslandschaft des Souf;
Die Sanddünenwüste des Erg.
I. Die südliche Gebirgsfußabdachung des Atlas.
Die bis in 1450 m Höhe reichende Gebirgsfußabdachung im Süden der Atlasketten bildet die nörd
liche Grenze des Ighargharbeckens und des Mzabplateaus und trennt das Gebirgsmassiv mit seinen
Hochsteppen und den wild zerrissenen Ketten des Saharaatlas im Norden von der Saharawüste im
Süden. Diese Abdachung begleitet die Berge (Mts. des Oulad Nail usw.) auf der etwa 230 km langen
Strecke von Laghuat nach Biskra in südwest-nordöstlicher Richtung, wird bei Biskra von der sich
nach den Chotts der Hochfläche hinziehenden Lehmsteppe El Outaya unterbrochen und zieht sich dann
auf einer ungefähr ebenso langen Strecke von Biskra bis zur Schwelle von Gabes in nordwest-südöst
lichem Verlauf am steil abfallenden Aures Massiv am Nordrand der großen Depression hin.
Am Südabfall der Atlasketten bilden cenomane, turone und senone Kreideschichten, die mit etwa 40°
nach der Wüste zu einfallen 1 ), einen ziemlich fortlaufenden Steilrand. Das Cenoman besteht aus
kalkigen Mergeln, die mit bunten Mergeln und dicken Gipsbänken ab wechseln 2 ); das Turon ist eine
große dolomitische Kalkmasse mit dicken, widerstandsfähigen Bänken. Es bildet die Steilabfälle,
wehrend die cenomanen Mergel sanftere Formen entstehen lassen. Die aus wechsellagernden Mergeln
und Kalken auf gebaute Gesteinsmasse des Senons erreicht nach Rolland eine Mächtigkeit bis zu 400 m.
Die anstehenden Turonschichten sind so auffällig, daß man nach Rolland ohne Kompaß, ohne Führer,
ohne das Land zu kennen, den Weg von Laghuat nach Figuig nicht verfehlen würde. Der Weg sei
überall vorgezeichnet. „Eine Serie von wellenförmigen Gesteinskämmen bezeichnet mit geometrischer
Regelmäßigkeit den Anfang der Wüste.“ Wie Wellenberge erheben sich diese Kreiderücken vor dem
Atlas.
Wenn man das Bild, das sich aus den Aufnahmen und Beschreibungen Passarges, Ricklis u. a. von
der Natur dieses Landes ergibt, auf die ganze Landschaft übertragen darf — und bei den gleichartigen
klimatischen, geologischen und morphologischen Verhältnissen ist dies m. E. wohl möglich — so läßt sich
die Gebirgsfußabdachung charakterisieren als:
') Gürdoh, lieber den geolog. Bau des afrikanischen Kontinents. Ppt. Mitt. XXXIIT, 1887, S. 261.
•) Handbuch der regionalen Geologie, Lemoine S. 26.