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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 2.. 
dessen mannshohe Stauden im Februar blühen und deren Blüten die Kamele gern fressen. In der Nebka 
fällt die durch den kurzen Stamm und die enorm verzweigten Äste baumartig wirkende Allenda (Ephedra 
alata) auf. Nach leichtem Regen im Frühling 70 ) Anden sich in allen Gassis der Ergwüste prachtvolle 
Weiden. Für die Sanddünen sind besonders bezeichnend: Had, Drin und für ihre Gipfel Arisch (Calli- 
gonum comosum) und auf den Hängen Azal. Arisch sind 4—5 m hohe Stauden und bleiben die einzigen 
regelmäßigen Bewohner der Gipfel der Dünen. 
Had und Drin bilden den eigentlichen Bestand der großen Dünen. Der bewegliche Sand ist ganz 
bedeutend vegetationsärmer, und oft bilden wenige Exemplare von Aristida pungens die einzige Vegetation 
auf weiter Strecke. 
Es lassen sich folgende Typen an püanzengeographischen Räumen aufstellen: 
1. die Buschsteppe der Höhenstufe, 
2. die Felszwergstrauchsteppe des Bergfußes, 
3. die fast vegetationslosen Steinwüsten mit Herbstregenflora, 
4. die Staudensteppe der Sandfelder, 
5. die Wadi- und Grundwassermuldenvegetation, 
6. die Oasen. 
Landschaftskrankheiten. 
Das Klima der Wüste begünstigt Krankheiten relativ nicht. In der Sandwüste des Ighargharbeekens 
und auf dem Mzabplateau trifft man im allgemeinen keine schlechten gesundheitlichen Verhältnisse an; 
in den sumpfigen Niederungen der Chottoasen herrschen manche Krankheiten, die mehr von landschaft 
lichen als klimatischen Bedingungen abhängig zu sein scheinen. 
Nahezu als alleinige Ursachen zu Erkrankungen in der Wüste dürften Hitze, Wassermangel, heiße 
Winde und treibender Sand angesehen werden. Hitzschläge kommen infolge der hohen Lufttemperatur 
bei Trinkwassermangel, unbewegter Luft, starker körperlicher Leistung etc. vor, sind jedoch selten. 
Als besonders gefahrvoll für den Menschen ward im Sumpf gebiet der Chotts die hohe Lufttemperatur in 
Verbindung mit der hohen Luftfeuchtigkeit sein wegen der damit verbundenen geringen Wärmeabgabe 
des Körpers. In den Zeiten großer Hitze sollen zehn bis fünfzehn Kinder täglich in Tozeur sterben, wo 
bei der Tod meist durch Herzschwäche infolge Wasserverlustes des Körpers eintritt 71 ). — Die hohe 
Wassertemperatur in den Oasen bewirkt vielfach eine Krankheit, die in leichten und schweren Fällen 
auftritt: Rheumatismus. Grober berichtet von chronischen Veränderungen der Gelenkenden an den 
Gliedern, auch der Sehnen und Sehnenscheiden selbst. Sie entstehen bei dem regelmäßigen Arbeiten im 
Wasser der Oasen; es ist verständlich, daß durch die hohe Temperatur des Wassers Einflüsse entstehen, 
die sich im Sinne einer Erkältung rheumatisch äußern müssen. 
Vom Wüstenwind mitgeführter Sand kann insofern Augenerkrankungen verursachen, als Ver 
letzungen der Schleimhaut Vorkommen, wodurch die Ansiedlung des Trachomerregers begünstigt wird. 
Die starke Sonnenstrahlung und Bodenrückstrahlung sind außerdem Ursachen zu Augenerkrankungen 
und Erblindungen 72 ). 
Im allgemeinen gelten aber die Wüstenbewohner als gesunde Leute, die ein hohes Alter erreichen. 
Erstaunlich ist auch der günstige Heilungsverlauf aller Verletzungen. Wahrscheinlich läßt die intensive 
Durchsonnung der Luft und des Bodens eine Entwicklung von Bakterien nicht zu 73 ). Es ist bekannt, 
70 ) Fourean, Doo. so., 1905, S. 483. 
71 ) Grober, Hygienische und ärztliche Beobachtungen im Belad el Djerid. 1915. S. 11. 
72 ) Man hat sich schon ¡iin Altertum vielfach mit Augenkrlanbeiten beschäftigt. Leiter, a. a. 0., S. 84, gibt an, 
daß Herodot Ägypten als Heimat der berühmtesten Augenärzte bezeichnet«. Siehe auch Hartmann, Die Völker 
Afrikas, Leipzig 1879, S. 304. 
73 ) Grober, a. a. 0. S. 20: „Für dlie Bakterienarnmit des Sandes kann vielleicht auch noch angeführt werden, 
daß die begrabenen Leichen nicht in Fäulnis übergehen, sondern eintrocknen.“
	        
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