Lucie Baeiider: Grundlagen und Versuch einer landseliaftskundl. Gliederung- der nördl. algerischen Sahara. 27
Passarge ÖS ) beschreibt aus der Nebkawüste des Wadi Rir solche Polsterkuppen: „Der Sand der Kuppen
besteht aus konzentrischen Sandschalen. Diese Polsterkuppen entwickeln sich da am besten, wo Flug
sand in bescheidenem Maße vorhanden ist, so daß das Wachstum der Pflanzen nicht geschädigt wird. Ist
zu viel Sand da, so wird die Pflanze überwältigt, verschüttet und vom Sand zerrieben. Das Polster wird
lückenhaft, einzelne Büsche sehen aus dem Sand heraus, und auch diese verschwinden schließlich. So
kann man je nach der Sandmenge die Polster in verschiedener Entwicklung beobachten. Wo kein Sand
vorhanden ist — wie in den Hochsteppen — sind diePolster nur flache Kugeln.“
Halbkugeligen Wuchs zeigen noch manche andere Arten von Zwergsträuchern, die also keine aus
gefüllten Polster haben. Zilla macroptera ist ein typischer Vertreter.
Die Steinwüste trägt außer diesen ausdauernden eine größere Anzahl einjähriger Arten; es sind dies
kleinere niedere Gräser, die dem Boden bei den ersten einsetzenden Herbstregen in wenigen Tagen
einen schwachen grünen Schimmer verleihen. Sie grünen und blühen im Winter und tragen im Früh
jahr Früchte. Immer ist jedoch der Zusammenhang mit dem zur Verfügung stehenden Regenwasser
klar. Eine Unmenge von Samen muß in dem ausgedörrten Boden vorhanden sein, die bei den Herbst-
regen rasch keimen und blühen. Natürlich übt auch das Bodenwasser einen bestimmten Einfluß auf die
Pflanzenwelt aus. In allen flachen Pfannen und Niederungen, die in die Ebenen der Hamaden, der Ton-
und Sandflächen eingesenkt sind, sammelt sich nicht nur das gelegentliche Regenwasser, sondern auch in
geringer Tiefe Grundfeuchtigkeit. Die üppige Pflanzendecke der Dayas liefert dafür das Beispiel.
.Tritt das Grundwasser zutage, so entwickelt sich ein Salzsumpf mit Salzpflanzen. Oft bleibt der
Boden einer solchen Senke nackt und nur am Rande zeigt sich eine Halophytenvegetation; er ist also in
der Mitte für eine Vegetation schon zu salzig geworden. Salzpflanzen finden sich auch sonst an den
Ufern der Wadis und selbst an Quellen, eine Folge des größeren Salzgehaltes des Wassers. Dort, wo sich
in der Hamada das Grundwasser sammelt, zeigt sich Wadivegetation; z. B. findet man oft zwei Holz
gewächse: die Pistacia terebinthus atlantica (Betoum), der einzige Baum in der Wüste neben der Palme 68 * )
und einen Strauch: Rhus oxyacantha.
3. Die Wadis.
Die Vegetation der Wadis, vornehmlich die in großen Abständen wachsenden Betoumbäume, lassen
diese von weitem erkennen. Außer den genannten Holzgewächsen finden sich noch Tamarixarten und
Oleander in den Kiesen und Sanden. Die Dattelpalme verlangt einen ziemlich hohen Grundwasserstand.
Dort wo das Grundwasser zutage tritt oder gepumpt werden muß, kann der Mensch sich ansiedeln und
Oasen schaffen, in denen Dattelpalmen, Gerste und Weizen, daneben Gemüse und Pfeffer die wichtigsten
Kulturpflanzen sind.
i. Die Sandfelder.
Über die Vegetation der Sandfelder liegen Beobachtungen Foureaus vor. Zwischen Wargla und
der nordöstlichen Grenze des Großen Erg finden sich, felsige Böden, von dünnen Lagen Sand bedeckt,
die folgenden Pflanzen Vegetationsmöglichkeit geben: Dhamrane vorwiegend auf Hamada- und Reg
flächen (Igharghar), Anabasis articúlala (Baguel), die reinen Sandboden meidet und Had (Cornulaca mona-
cantha), die nur im Sande existieren kann. Had ist um Touggourt und in der Ergwüste überall ver
breitet. In allen Feidjs und Gassis zwischen Wargla und dem Erg findet sich Negi (Arthraterum
plumosum), das nur auf deren festen Kiesböden mit Sand vermischt vorkommt. Charakteristisch für die
Dünen sind die Büschel des Drin (Arthraterum pungens), die dank der enormen Länge ihrer Wurzeln
der größten Trockenheit glänzend widerstehen kann. Die Eingeborenen sammeln die Samenkörner und
verwenden sie zum Essen. An den Hängen der Gassi-Dünen oder Becken findet sich Retama-Retam,
M ) Tagebuch 1907, 21. September.
I№ ) Brook man n - J e r ose h, Vegetationsbilder, 1908.