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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 2.
Vegetation.
Die schlechten klimatischen Vegetationsbedingungen führen eine wüstenhafte Ausbildung der Ober
fläche herbei. Die enormen Temperaturschwankungen können sich voll auf das Gestein auswirken, da
eine geschlossene Pflanzendecke fehlt, so daß es rasch zu einer Zerstörung der Gesteine kommt. Eine
Ansiedlung der Pflanzen ist nicht möglich, die Winde berauben die steinigen 'Flächen der feineren
Bodenbestandteile, so daß sich also Erde, ein Gemisch aus Felstrümmern und den Resten von Pflanzen
und Tieren, nicht bilden kann. Nur die Sandgebiete haben infolge der besseren Wasserverhältnisse
etwas günstigere Ansiedlungsmöglichkeiten, so daß sie immerhin die bestbesiedelten Gebiete der Wüste
darstellen. Entsprechend der Einteilung in ein heißes Winterregen-Salzsteppenklima am Nordrand der
algerischen Sahara und dem trockenheißen Wüstenklima des Binenlandes lassen sich auch hinsichtlich
der Vegetation zwei Zonen unterscheiden, die der Salzsteppe im Norden und die der eigentlichen Wüste 05 ).
1. Gebirysrand.
Im nördlichen Salzsteppenraum läßt sich der Abfall des saharisohen Atlas in eine Fußstufe und eine
Höhenstufe gliedern. Letztere trägt wegen der größeren Niederschlagsmenge wenigstens teilweise
mediterrane Gehölze, darunter die berühmten Cedernwälder des Atlas, die jedoch im saharischen Atlas
nur im Djebel Aures in größerer Ausdehnung vertreten sind 00 ). Unter dieser Höhenwaldstufe ist die
Fußstufe an den Berghängen durch Steppen vertreten, während sich die Salzsteppe (Halbwüste) als
schmaler Saum am Fuße des Atlas entlangzieht und nach Süden sehr bald in die Wüste übergeht.
a) Die Felssteppe der Fußstufe.
Die untere Stufe bis ca. 1500 m Höhe beansprucht die Felssteppe. Zwischen größeren und kleineren
Steinen, die den felsigen Abhang bedecken, steht büschelweise über das Gelände verteilt das Haifagras
(stipa tenacissima), eine der ausgesprochensten Trockenwuchspflanzen. Es kann auch der Eindruck einer
zusammenhängenden Grassteppe erweckt werden, die zur Regenzeit lebhaft grün, im Sommer weißlich
graugrün aussieht und die langen harten Blätter einrollt. Halbkugelige Dornbüsche (zollkoferia spicosa),
deren Zweige sich zur Trockenzeit mit einem weiß bläulichen Wachsüberzug beziehen und gänzlich ver-
dornen, die filzhaarige Artemisia herba alba und die Anabasis articulata mit ihren steifen, langgliedrigen
Stengeln, beides Rutensträucher, sind häufige Vertreter dieser Felszwergstrauchsteppe.
b) Die Höhenwaldstufe.
Die obere Stufe zeigt ab 1500 m aufwärts eine Abnahme des Steppencharakters. Niedrige Büsche
werden gegen den Gipfel höher und dichter und nehmen Baumform an. Unter den charakteristischen
Vertretern der mediterranen Pflanzenwelt sind Zeder, Steineiche, Rosmarin, Oleander und Wacholder zu
nennen, die zu einer typischen Bergflora geworden sind.
2. Die Steinwüste.
Die mit Steinen gepflasterten Ebenen der Hamada und die Felswände und Schutthänge des Gebirges
tragen die dürftigste Flora. Für diese sind die in großen Abständen wachsenden ausdauernden
Pflanzen, die Polsterwuchs zeigen, charakteristisch; die auffälligsten sind darunter die hellgrauen, etwa
60 cm hohen Polster der Anabasis aretioides 65 * 67 ). Diese Wuchsform bildet außer gegen zu starke Er
wärmung und Verdunstung einen ausgezeichneten Schutz gegen das Sandgebläse. Oft schleift jedoch der
Sand die ganze Oberfläche ab und die aus der Mitte weiterwachsenden Zweige überdecken rasch die ver
letzten Stellen.
65 ) Pas»arge, Grundlagen II S. 127.
“") Rieldi-Schröter-Tansley, Vegetationsbilder, 1912.
07 ) Nach Troter, Flora economicia della Libya, Rom 1915, S. 35, ist die Anabasis articulata das letzte Anzeichen
einer Vegetationisbiklung auf den felsigen Hochflächen, die zur Hamada überleiten.