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Ans dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 2.
Auch dieses Tiefengrundwasser unterliegt einer gewissen Bewegung zum tiefsten Punkt des Beckens.
Die Schnelligkeit der Bewegung nimmt nach dem tiefsten Punkt der Mulde zu ab. Bei Wargla ist die
Wasserversetzung des tiefsten Grundwasserflözes bereits außerordentlich, langsam und geht entsprechend
dem Verlauf des Wadi Mya in südwestnordöstlicher Richtung vor sich. 50 ) Untersuchungen über Aus
dehnung, Umfang und Geschwindigkeit der Tiefengrundwasserströme sind noch nicht angestellt worden.
Das Charakteristikum für dieses Tief engrund wasser ist jedoch seine artesische Beschaffenheit.
Eine artesische Ader großen Umfangs unter hohem Druck, die im Durchschnitt in 65 m Tiefe anzutreffen
ist 57 ), strömt im Untergründe des Wadi Rir. Sie ist auf 130 km zwischen Ourir und Touggourt bekannt
und gabelt sich im Zentrum des Wadis bei Ourlana gegen Norden und ohne Zweifel auch gegen Süden
— einem X vergleichbar. Eine gleiche Ader ist unter den Mulden zwischen N’goussa und Wargla auf
100 km Länge festgestellt. In den Zibanoasen, die wie das Wadi Rir reich sind an artesischen Brunnen,
liegt das Tiefengrundwasser bereits in 20 m Tiefe. Die Ursache dafür ist nach Schömth in der Höhen
lage der nach Süden einfallenden Schichten zu suchen. Die Oasen um den Chott Djerid weisen reich
liches artesisches Wasser auf. Das Wasser der Soufoasen ist zwar nicht artesisch, liegt auch nur in
10—20 m Tiefe, ist jedoch beständig, während Oberflächenwasser völlig fehlt. Die eigenartigen Oasen
anlagen des Souf lassen sich, wie noch dargelegt werden wird, nur aus dieser Tatsache erklären.
3. Quellen.
Verwerfungsquellen treten im Mzab wie im ganzen umrandenden Becken gewöhnlich an dem die
Grenze zwischen oberer und mittlerer Kreide bildenden Steilabfall auf oder wie im Mzab an der Grenze
der cenomanen Mergel gegen die unterlagernden Sandsteine. Am Südabfall des Atlas liegt die Quellzone
zwischen der Kreide und der jüngeren saharischen Formation; es ist das über 100 Quellen zählende
Gebiet der Zibanoasen 58 ). Ferner ist der Quellenreichtum bei Biskra zu erwähnen. Während dieser
Quellreichtum nach Osten hin abnimmt, besitzen die Oasen von Djerid, Arad, Nefzaua viele und starke
Quellen. Es treten bis 50° heiße Quellen im ganzen Gebiet auf, sogar in den Chotts selbst und in ihren
schlammigen Uferzonen kommen Quellen vor — die Behours der Araber. Die Temperatur der Quellen
ist um so höher, je tiefer sie aus der Erde kommen.
Die Temperatur der gewöhnlichen Brunnen im Erg gibt Duveyrier 58 ) mit 21,6° bis 23,5° bei einer
Tiefe von 3,4 bis 23 m an, während die Brunnen des benachbarten Plateaus von Tinghert Temperaturen
von 17,7° aufweisen. Im Verlauf des Wadi Igharghar beträgt die Temperatur des Brunnenwassers 11,4°
in der geringen Tiefe von 4 m. Die Quellen der Zibanoasen am Fuße des Atlas zeigen eine Temperatur
von 19—27,4°, die des Mzab eine solche von 19—45°. Im Wadi Biskra finden sich sechs starke Quellen,
deren Temperatur zwischen 21,5 und 27,3° schwankt. Die tunesischen Quellen des Djerid, von Gafsa,
Nefzaua, Arad haben Temperaturen von 30°, doch treten im ganzen Gebiet der tunesischen Chotts starke,
bis 50° heiße Quellen auf. Die gebohrten Brunnen im Wadi Rir weisen eine mittlere Temperatur des
Wassers von 24,8° bis 25,3° auf.
Im Ighargharbecken selber gibt es nur wenige Quellen. In den Trockenbetten bilden sie meist nur
ein Wieder er scheinen des Flußwassers, das durch den Bau des Untergrundes — einer Bodenschwelle
etwa — zum Austreten gezwungen wird. Sie werden gewöhnlich gleich in Brunnen gefaßt und sind die
als Ain bekannten Quellen. Dabei kann Ain sowohl eine natürliche Quelle als auch einen artesischen
Brunnen bezeichnen, denn alles auf steigende, überfließende Wasser wird Ain genannt 00 ). Dabei braucht
die Quelle jedoch nicht immer zu fließen.
58 ) Choisy, a. a. O., S. 27.
s7 ) Lahache, a. a. O., S. 78.
M ) Ziban, Singular: Zab, westliches und östliches Zab.
M ) Duveyrier, Les Touareg du Nord, 1864, S. 125. Scliömtli, a. a. O., S. 13,
°°) Gautier, Sahara Algérien, 1908, S. 14,