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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 2.
und E in den Kern der Saharadepression. Von Süden her strömt tropische Luft in voller Breite in das
Innere als Fortsetzung des SE-Passates der Südhalbkugel (monsunartige Strömung aus S bis SW).
Besonderen Wert legt Petitjean auf die Entstehung der sog. „Saharaluft“ im Zentralgebiet zwischen
diesen 3 großen konvergierenden Strömungen. Er nimmt an, daß die tropische Luft aus S, die in höheren
Schichten aus südwestlicher und westlicher Richtung weht, sich bald mehr bald weniger über die vor
gelagerte Mittelmeerluft schiebt, daß dann aber ein Absinken der Luft aus der Höhe im Gebiet westlich
der frischen Mittelmeerluft eintritt. Dieser so entstandenen, periodenweise auftretenden, warmen
trockenen Saharaluft soll die Bezeichnung Schirokko Vorbehalten werden.
Verschiebungen der vier Luftmassen verschiedener Herkunft gegeneinander mit den zugehörigen
vertikalen Verlagerungen, die je nach der Temperierung der Luftmassen verschieden ausfallen, ver
bunden mit dem Wandern der Saharadepression — meist im Zusammenhang mit entsprechenden Mittel
meerdepressionen — bedingen die Aenderungen der Bewölkung, den Niederschlag, Gewitter und Sand
stürme.
IV. Feuchtigkeit.
Den hohen Lufttemperaturen gehen parallel sehr geringe Werte der relativen Feuchtigkeit. Oft
müßte eine Abkühlung um 40° eintreten, damit es zu Niederschlag käme, oder eine Hebung einer Luft
schicht um 4000 m, um Wolkenbildung hervorzurufen. 23 )
Die relative Feuchtigkeit ist wegen der Temperaturverhältnisse in den Sommermonaten am kleinsten,
im Winter am größten und ist in den meeresnahen Stationen am größten; sie nimmt nach dem Binnen
lande zu allgemein ab. Ein Auszug aus Leiters Tabellen gibt:
Relative Feuchtigkeit in %.
Ort
Größtes Monatsmittel
Kleinstes Monatsmittel
Jahres
mittel
Biskra
63 (Dezember)
33 (Juli)
48
Laghuat ...
65 (Januar)
35 ( „ )
52
Douz
69 (Dezember)
48 (Juni)
58
Ghardaia ...
51 ( )
20 ( „ )
34
Wargla ....
68 (Januar)
25 (August)
47
El Golea . . .
57 (Dezember)
14 ( „ )
37
Ghadames 24 )
—
30 (Juli/August)
—
Physiologisches Sättigungsdefizit in mm Hg. 23 )
Jahr
Winter
Frühling
Sommer
Herbst
Biskra
36.5
39.3
37.9
34.1
35.8
Tozeur
33.5
38.3
34.5
27.1
34.0
Laghuat . . .
38.1
40.2
39.0
35.3
36.9
Douz
33.7
36.8
33.9
29.3
34.0
Ghardaia . ..
38.9
40.2
39.9
37.9
38.2
Wargla ....
37.6
39.1
38.9
35.0
37.4
23 ) Leiter, Die Frage der Klimaänderung während geschichtlicher Zeit in N.-Afrika. 1909. S. 68. A.a. O.
24 ) Rohlfs: Pet. Mitt. a. a. O.
23 ) Das physiologische Sättigungsdefizit ist der Unterschied zwischen dem vorhandenen Dampfdruck (letzterer
aus Leiter entnommen) und der maximalen Dampfspannung (45.5 mm) bei der normalen Körpertemperatur von
36)4 °. Siehe auch Dorno: Klimatologie im Dienste der Medizin. 1920.