Lucie Rachder: Grundlagen und Versuch einer landschaftskundl. Gliederung der nördl. algerischen Sahara.
t
Allgemeiner Teil.
Lage, Grenzen, Größe, Oberflächengestalt, Höhenverliältnisse.
Die nördliche algerische Sahara, das Ighagharbecken und das angrenzende Mzabplateau, liegt in
dem großen Trockengürtel der nördlichen Erdhalbkugel. Sie nimmt den nördlichsten Teil des nord
afrikanischen Trockengebietes ein und berührt das Winterregengebiet der Subtropen.
Im Gradnetz liegt das Untersuchungsgebiet dieser Arbeit etwa zwischen 35° und 2814° nördlicher
Breite und 3° und 10° östlicher Länge und umfaßt mit ca. 385 000 qkm eine Fläche, die ungefähr dem
Rauminhalt von *1* Deutschlands entspricht. (Tafel 1.)
Im Norden begrenzt der Atlas, im Westen der Rücken des Plateaus vom Mzab und Tademait, im
Süden das Schichttafelhochland und Hamada von Tinghert, im Osten die Hamada el Homra und der
Djebel Douirat das Arbeitsgebiet, das in der Schwelle von Gabes vom Mittelländischen Meer abgetrennt
wird. Politisch gehört das Gebiet zu den französischen Kolonien Tunis und Algerien.
Orographisch stellt die nördliche algerische Sahara in der Hauptsache eine Senke dar, die stellen
weise bis unter den Meeresspiegel reicht. Sie erscheint als Fortsetzung des Golfes von Gabes nach
dem Festland zu.
An den Gebirgsfluß des Sahara-Atlas, dessen südwest-nordöstlich streichende Hochgebirgsketten im
Djebel Amour bis 2000 m, in den Bergen Oulad Nail 2300 m und im Aures-Massiv mit den Gebirgs-
stöcken Djebel Ahmar Kaddou, Mts. Nemencha bis über 2300 m aufragen, schließt sich zunächst ein
Plateau von 7—800 m Höhe an — Laghuat in 790 m Meereshöhe —, das im Westen noch ziemlich breit,
im Osten immer schmäler und niedriger wird und am Nordrand der tunesischen Chotts nur noch einen
engen Saum bildet. Diese Hochebene dacht sich nach Süden ab. Zahlreiche Flußläufe, die im Sommer
versiegen, kommen vom Atlas her und enden in periodisch gefüllten Salzsümpfen der Ohotts und
Sebkhas oder in den Senken der Dayas, die im Süden Laghuats einen eigenen Raum einnehmen —
Region der Dayas.
Diese sich nach Süden verhältnismäßig sanft abdachende Bergfußebene geht im westlichen Teil
des Arbeitsgebietes in das im Mittel etwa 5—600 m hohe Mzabtafelland über. Dieses stürzt im Westen
relativ 200 m nach der oranischen Sahara ab. Nach Osten senkt es sich allmählich nach dem Innern
des Ighagharbeckens, gegen das es mit einem Steilrand an der Sebkha Mouila nördlich Wargla 128 m
über dem Meer abschließt. Das Mzabplateau, dessen Städte Ghardaia 550, Metlili 524, Guerrara 406,
Berriane 590 m hoch gelegen sind, ist mit seiner südlichen Fortsetzung — El Golea 391, Hassi Inifel 316 —
ein von vielen Wadi-Trockenbetten stark zerschnittenes Hamadatafelland, das sich an seinen Rändern
in Inselberge auflöst und seines zerschnittenen Charakters wegen von den Arabern Chebka genannt
wird. (Abb. 1, Tafel 4.)
Gleiche Höhen besitzt das das Ighagharbecken umrandende Schichttafel-Hochland. Nach Norden
konkav liegt das Plateau von Tinghert mit den Oasen El Biodh 322 m, Timassinine 308 m in 3—400 m
Meereshöhe im Süden des Arbeitsgebietes. Diese Höhen werden in der östlichen Umrandung der das
Plateau von Tinghert fortsetzenden Hamada el Homra — Ghadames 350 m über dem Meeresspiegel —-
ebenfalls erreicht. In dem südnördlich verlaufenden Djebel Douirat kommen noch größere Höhen vor —
im Djebel Tebaga 820 m —, während die den östlichsten Chott Fedjedj umfassenden Ketten des Cherb
und Tebaga 590 und 360 m hoch sind.
So stellt das Ighagharbecken selbst eine Mulde dar, die im Norden in die unter dem Meeresspiegel
gelegene Depression der algerisch-tunesischen Chotts überleitet. Diese Salzpfannen liegen im Chott
Melrir 32 und Chott Rharsa 21 m unter dem Meeresspiegel, das Chott Djerid mit dem Chott Fedjedj