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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. ßd. Nr. 1. 
Charqui nur in trockenen „subtropischen“ Regionen bereitet wird. Große Dörrfleischanstalten finden 
sich aber in Siid-Chile, in Valdivia und Osorno, Orten also mit sehr häufigen und starken Nieder 
schlägen. Auf großen Gestellen aus Bambusrohr (Colihue) werden im Sommer, manchmal auch im Früh 
jahr oder Herbst, Gerüste aufgebaut, auf denen das frische, gesalzene und in dünne Streifen geschnittene 
Fleisch Sonne und Wind ausgesetzt wird. Auf diese Weise fast gänzlich in Oberfläche verwandelt, 
genügen 4—5 Tage zur völligen Trocknung. Nachts wird das Gestell überdeckt, damit keine Feuchtig 
keit „angezogen“ wird. Vergl. auch die Herstellung von „Binsenfleisch“ in den Alpen! 
(67) Es sei hier auf den Unterschied (21, 44, 65) zwischen Port Blair mit seinen sehr reichlichen 
Niederschlägen und etwa der Oase Dachei, wo Niederschläge vollkommen fehlen, bei gleichem Aus- 
trocknungswert hingewiesen. Derselbe Unterschied, z. B. in bezug auf die Vegetation, muß andererseits 
bei ähnlichem Niederschlagsreichtum bestehen zwischen einem Ort mit kleinem Austrocknungswert 
(vergl. Tcherapundje im Sommer und bei Windstille) und einem solchen mit großem (vergl. Port Blair). 
In Port Blair sind im Winter die Pflanzen bei Wind einem 7mal höheren Austrocknungswert ausgesetzt 
als in geschützter Lage. Auch in niederschlagsreichen Gebieten sollte man in bezug auf die Vegetation 
der Verdunstungskraft eine größere Aufmerksamkeit schenken. Z. B. sind in Süd-Chile Gemüse wie 
Lattich, Erbsen, Kohl usw. zarter als im Norden des Landes und an der Küste saftiger als in dem zen 
tralen Längstal. Dabei wird im Norden und im Inneren des Landes der Niederschlag völlig und viel 
leicht im Überfluß durch die Berieselung ersetzt. Es besteht dort aber keine Kompensation für die Ver 
dunstung, die im Süden und in den Küstengebieten geringer ist, d. h. es herrscht hier eine geringere Bean 
spruchung der pflanzlichen Gewebe bei verminderter Wasserabgabe. (Reagieren in Trockengebieten die 
Gewebe bei verstärkter Transpiration durch eine Verdickung der beanspruchten Zellmembranen?) Vergl. 
Tabelle 3 die Stationen Santiago und Valdivia und W. Knoche, La Evaporación en Chile, 1. c. (21). 
Das sogenannte Verbrennen der Pflanzen dürfte oftmals weniger der Temperatur als vielmehr einer 
plötzlichen und starken Erhöhung des Austrocknungswertes zuzuschreiben sein. 
(68) Hann (Handb. d. Klimatol. (1911), I., p. 180) erwähnt die „unerträgliche“ feuchte Hitze in 
Buscliir, die den Schlaf Nacht für Nacht verscheucht. „Die Zeit von Mai bis Oktober ist besonders 
unangenehm wegen der großen Hitze und des gleichzeitigen großen Feuchtigkeitsgehaltes der Luft. 
In diesen Monaten gibt es weder Wolken noch Regen.“ „Wenn man auf die Straße herunterschaut, 
wird die Aufmerksamkeit auf 30—40 m hohe Türme gelenkt, die aus der Ansammlung niedriger Lehm- 
und Lehmziegelhäuser hervorragen. Diese Türme sind an der Nordwestseite offen, weil aus dieser Rich 
tung der vorherrschende Wind weht. Die Türme werden „Badgir“ genannt, d. h. Ventilatoren. Sie 
dienen dazu, den Wind aufzufangen und hierdurch die Luft in den Häusern zu erfrischen.“ Bei Luft 
bewegung ist der Austrocknungswert auch in Buschir nprmal. — Man ersieht aus diesem Beispiel, 
daß dem Austrocknungswert gerade bei Windstille, die ja örtlich oft vorhanden ist, eine hohe Bedeutung 
zukommt. Die erfrischende Wirkung der Luftbewegung, die die Haut abkühlt und die Verdunstung 
erhöht, wodurch unter Umständen eine weitere Abkühlung entsteht, wird oft auch künstlich erzeugt. 
So haben wir diePunka in Indien, die Fächer in Ibero-Amerika usw. Auch die Wagen-und Automobilfahr 
ten als ein Teil des Tagesprogramms in tropisch gelegenen Städten haben, als Eigenbewegung bei ruhender 
Luft, den gleichen Zweck. Hierdurch erklärt sich auch folgende Tatsache, die man z. B. in Santiago de Chile 
oft beobachtet: Die Passanten, die zur sommerlichen Mittagszeit inmitten der Straße ohne Schatten und 
ohne Luftbewegung einer immerhin recht kräftigen Strahlung ausgesetzt sind, gehen zu Fuß bis zur 
nächsten Haltestelle der elektrischen Bahn anstatt stehend zu warten. Das Gehen wird wegen der Luft 
bewegung, die dabei entsteht, bevorzugt trotz der damit verknüpften körperlichen Anstrengung. 
(69) Unter (33) (vergl. auch (60)) wurde gezeigt, daß bei niedrigerer Außentemperatur eine geringere 
Wasserdampfabgabe durch die Respirationsorgane stattfinden wird als bei höherer. Hierin besteht wohl 
der große Unterschied zwischen der Luft mit sehr hohem bioklimatischen Austrocknungswert in der 
Wüste, der Puna und der Hoch-Kordillere einerseits und Sibirien andererseits. Sibirien ist bei Wasser 
ausscheidung durch die Lungen weniger trocken als beispielsweise das nordchilenische und bolivianische 
Hoch-Plateau. •
	        
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