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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewtarte. — 48. Bd. Nr. 1. 
bei Vernachlässigung der Schwarzkugelwerte, während in Punta Arenas und in Valdivia im Winter als 
der strahlungsarmen Jahreszeit besonders bei Windstille kaum ein merklicher Unterschied vorhanden ist. 
Für Collahuasi (2p Uhr, Juli) ist Sp, v 14 mal höher als für Valdivia und Santiago, ein Beispiel 
dafür, wie stark der Austrocknungswert an verschiedenen Punkten der Erde selbst noch im Mittel vari 
iert, und welche Anpassungsfähigkeit an die Evaporationskraft der Organismus besitzt. 
Dazu kommt noch größte Veränderlichkeit des Austrocknungswertes an ein 
und demselben Ort und binnen kürzester Zeit. 
In Chuquicamata, Collahuasi und Punta Arenas beträgt der Januarwert bei Windstille und im Schat 
ten nur den achten Teil des Wertes bei Wind und Strahlung. Es handelt sich hier, da ein so unzuverlässi 
ges Instrument wie das Schwarzkugelthermometer herangezogen wird, nur um ein schematisches Beispiel. 
Die Strahlungstemperaturen P r c sind bis zu einem gewissen Grade aus physiologischen Gründen 
erhöhten Hauttemperaturen vergleichbar (Fieber). Eine mit Fieber verbundene Erkrankung 
wird den Austrocknungswert für die Haut wie für die Respirationsorgane 
sehr beträchtlich steigern (Wasserverlust des Körpers, Durstgefühl, Springen der Lippen). 
(60) Tabelle 5 zeigt einige Extreme des Austrocknungswertes für Orte mit außer 
ordentlich geringem Wasserdampfgehalt. Ein Wert, der nach Beobachtung in der Mine 
Aguila (Kordillere von Quimza Cruz, Bolivien) berechnet wurde, gibt ausnehmend hohe Austrocknungs 
werte infolge des sehr geringen Wasserdampfgehaltes. Aehnliche Werte finden sich in Collahuasi 
(18. 5. 1915 2p). Das Maximum für S gv finden wir hingegen in Chuquicamata. 
Zum besseren Verständnis und Kritik der Tabelle 3, die nur Mittelwerte gibt, sei angeführt, daß 
Collahuasi am 18. Mai 1915 2p im Schatten 147 mal höheres S gc , ein 125 mal höheres S gv , ein 36 mal 
höheres S;p c und ein 66 mal höheres Sp v zeigt als das Julimittel. Die bioklimatischen Werte er 
höhen sich wohl bei Einrechnung der Strahlung auf das Doppelte. 
Das Beispiel des „Chamsin“ wurde herangezogen, um die extreme Beschaffenheit der Wüste zu 
zeigen. Die geoklimatischen Werte stehen denen der andinen Höhen nicht nach; S g Sv würde sogar ein 
Maximum erreichen. Dagegen bleiben die bioklimatischen Werte bei einem heißen Wüstensturm ge 
genüber denen der Puna und Hoch-Kordillere weit zurück. Trotzdem wird die Atmung erschwert, Nase 
und Mund trocknen aus, ein unersättlichter Durst stellt sich ein, Schlaf ist unmöglich (Hann, Handb. 
d. Klimatol. 1911, III, p. 29). — Der Chamsin (Staubeinfluß) kann also für das Leben wohl auch direkt 
gefährlich werden, abgesehen von der Gefahr des Verdurstens durch die rapide Austrocknung der 
ledernen Wassersäcke (S g 5 v ). Nicht zu vergessen ist, daß bei Chamsin eine außergewöhnlich hohe 
Lufttemperatur herrscht im Gegensatz zu der der Hochflächen und Hochgebirge Süd-Amerikas, wenn 
auch der Austrocknungswert in diesen Gebieten viel größer ist. Man muß ferner bedenken, daß bei 
solchen Wüstenwinden die Wasserabgabe durch die Respirationsorgane erheblich vermehrt wird, weil 
die eingeatmete Luft wärmer ist als die Bluttemperatur (Wärmestauung); weiter ist anzunehmen, daß 
die Temperatur der sekretierenden Schleimhäute des Mundes höher wird als die Normaltemperatur des 
Organismus (vergl. (33)). 
(61) Bei einer relativ niedrigen Lufttemperatur, aber großer Windgeschwindigkeit ergibt die 
ursprüngliche Formel nach Vincent ein annehmbares Resultat; wenn man anstelle des Ausdrucks 
— v (4,12 — 0,13 t) den Wert —-1,2 v einsetzt, dann ist 
P v = 19,4, Pf V = 25,9, Sp v = 16,8, Sprv = 34,7. 
Dieses Beispiel mag wiederum zur Kritik der bioklimatischen Austrocknungswerte dienen. Es 
wird unbedingt nötig sein, die Abhängigkeit der Hauttemperaturen experimentell für extreme meteoro 
logische Werte festzustellen, damit diese für alle Klimata bestimmt werden können,
	        
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