Walter Knoche: Der „Anstrocknungswert“ als klimatischer Faktor.
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den Einfluß des nach Ort und Zeit so wechselvollen Außenklimas geschützt sind (Wert der Nasen
atmung), um so mehr als die Oberflächentemperatur der Schleimhäute ziemlich konstant und ihre
Wasserahgabe permanent ist.
Unter sehr extremen Bedingungen (bei äußerster Lufttrockenheit und gleichzeitiger Abkühlung
der Schleimhäute durch die Außentemperatur) kommt es schließlich doch dahin, daß die Wasserabgabe
der Schleimhäute in sehr beträchtlichem Grade abnimmt (Austrocknen des Mundes und der Kehle).
In großen Höhen ist dieser Vorgang naturgemäß noch ausgesprochener. Die Atemfrequenz und die
Atemvertiefung werden gehoben, so daß eine Verstärkung der Luftbewegung (Inspiration) zustande
kommt und (entsprechend der Bedeutung der Windbewegung für die Hauttemperatur) die Austrock
nung der Schleimhäute dauernd zunimmt.
Aus diesem Grunde, d. h. wegen Aenderung der Luftbewegung infolge Atemfrequenz und Atem
vertiefung, ist auch für die Untersuchungen an der Schleimhaut der Austrocknungswert geeigneter als
das physiologische Sättigungsdefizit, eine Eignung, die bei pathologischen Zuständen mit Erhöhung
der Mundtemperatur noch betonter wird (vergl. 0. D o r n o, Über kombinierte meteorol.-physikalische
Klimastudien, Ztschr. f. d. ges. physikal. Therapie, Abt. A, Bd. 34, H. 4, 1927, S. 164.).
Wenn die Schleimhäute der Vorhöfe nicht mehr imstande sind, genügend Wasser zu sekretieren,
so findet die Mischung der trockenen Außenluft tiefer, in der Trachäa oder in den Bronchien, statt.
In diesem Falle besteht unter Umständen eine direkte Gefahr infolge der Austrocknung, ganz beson
ders wenn, wie oben erwähnt, eine Bergkrankheit vorhanden ist (Unterdrückung des Sauerstoffzutritts
durch Speichelschlucken). Auch die Blutungen aus Lunge und Nase sind unschwer mechanisch als Folge
der Austrocknung zu erklären.
Doch ist der bioklimatische Austrocknungswert für die Haut (bei Windstille) auch für den Aus
trocknungswert der Respirationsorgane durchaus nicht ohne Bedeutung.
(34) Diese Anschauung ist nicht unberechtigt, wenn es sich um größere Wassermengen handelt.
Die Oberflächentemperatur verläuft dann in anderer Weise, da die Extreme sich verschieben. Bei feuch
ten Gegenständen (Vegetation) kommt ferner eine Verminderung der Oberflächentemperatur durch
Verdunstung (Wind) in Betracht.
(35) Vergl. Bigelow, 1. c. (20), p. 123/24.
(36) Bei Schmelzen von Eis haben wir unter Einfluß der Strahlung Oberflächentemperaturen von
0°, d. h. des Schmelzwassers, wie hoch auch die Schattentemperatur sei.
(37) Vergl. Bigelow, 1. c. (20), p. 16 ff.
(38) Bei bekleidetem Körper und niedriger Außentemperatur würde der Unterschied zwischen den
beiden Werten verhältnismäßig noch größer sein.
(39) Wir haben hier, um e zu eliminieren, e = 1 angenommen, obwohl bei — 30° die Dampfspan
nung 0,3 mm nicht übersteigen kann. Hieraus folgt, daß die Unterschiede in Wirklichkeit noch größer
werden.
(40) Ein Kurvenblatt mit größerer Skala wäre vorzuziehen, da man dann für jedes e und t den
Austrocknungswert entnehmen könnte.
(41) Man beachte, daß bei den (winterlichen) Temperaturen der kältesten Gebiete der Erde sehr
geringe relative Feuchtigkeiten kaum Vorkommen; die relative Feuchtigkeit sinkt hier selten unter 50%.
(42) Dies ist der Fall, wenn wir bei Werten von e, die größer als 15—16 mm sind, eine konstante
Hauttemperatur annehmen. Für das ganze Gebiet, welches klimatisch der Schwüle angehört, hängt
also die Evaporationskraft linear von der absoluten Feuchtigkeit ab.
(43) Die Verdunstung nimmt nur bei sehr geringen Temperaturwerten mit
außergewöhnlicher Geschwindigkeit ab. Zeigt beispielsweise eine verdunstende Ober