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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Reisebericht« $. M. S. „Hartha*. 
WitterungsverhäUnisse. Nach dem Verlassen der afrikanischen Küste 
bis in die Nähe des Aequators wurde südwestlicher Wind angetroffen, und 
dieser ging mit zunehmender Westlänge erst langsam auf Süd und dann auf 
SE. Die ersten Windstillen, mit kräftigem Regen, fand ich auf 6,5° N-Br und 
22,5° W-Lg; indefs hielten dieselben nicht lange an, sondern es brachte bald 
wieder aufkommender, häufig allerdings sehr leichter SW- bis Westwind das 
Schiff in drei Tagen bis auf 10® N-Br. Hier setzte nördlicher Wind ein, 
welchen ich bis ca 11,5° N-Br behielt; von dort bis zur Breite der Insel 
Brava fand ich fast vollkommene Stille. Den NE-Passat fand ich ungefähr 
10 Sm südlich der letzteren Insel; derselbe wehte von dort bis zur Ankunft 
in Porto Grande zunächst aus nordöstlicher, später aus hoch nördlicher Richtung 
in geringer Stärke. 
Regen fiel vom Verlassen des SE-Passats an bis zu den zuletzt erwähnten 
Stillen an jedem Tage; Wetterleuchten wurde nur zwischen 6,5® und 11,6° N-Br 
beobachtet, wirkliches Gewitter nie. Den Guineastrom verlor ich, wie schon 
erwähnt, auf ca 1° N-Br und erhielt auf gleicher Breite den Aequatoriälstrom. 
Gleichzeitig fiel die Oberfiächentcmperatur des Meerwassers, welche von der 
afrikanischen Küste bis zu diesem Punkte von ca 23° auf 24,4° 0. gestiegen 
war, im Laufe des Tages bis auf 22,8° C. Der Aequatoriälstrom behielt indefs 
diese Temperatur nicht bei; letztere stieg sehr gleichmäßig mit dem Fort- 
sebreiten des Schiffes nach West und später Nord bis ungefähr 9,5° N-Br, wo 
dieselbe ihre größte Höhe von 28,4° C. erreichte, und fiel von hier im 
Guinea- und nordatlantischen Passatdriftstrom wieder langsam bis 27° und 
27,5° C., in welcher Höhe sie sich bis zum Ende der Reise hielt. Die Grenze 
zwischen dem Acquatorial- und Guineastrom, welche S. M. S. „Het'tka“ in 
22,5® W-Lg auf ca 6° N-Br passirte, ist daher nur aus der erfahrenen östlichen 
Versetzung abznleiten. Denselben Anhalt giebt die nördliche Grenze letzteren 
Stromes in derselben Länge in ca 10,5® N-Br, von wo ab südwestliche Ver 
setzung beobachtet wurde. 
An hydrographischen Beobachtungen äst bezüglich der bei den Kap Verde- 
sehen Inseln häufig beobachteten dicken Luft und des diesigen Wetters * *} anzuführen, 
dafs allerdings die Inseln Fogo und Bram mit Tagesanbruch am 20. September 
schon auf 60 bezw. 50 Sm Entfernung gesehen worden sind, dafs dagegen beim 
Ansegeln der Inseln St. Antonio und St. Vincent erst bei Entfernungen von ca 10 Sm 
und darunter Land bemerkbar wurde.“ 
3. Bucht von Guinea. 4 ) 
„Die Küste in der Bucht von Guinea verläuft fast geradlinig, sie ist 
durchgehends flach, mit nur seltenen und unwesentlichen Bodenerhebungen, und 
wird begrenzt durch einen mehr oder •weniger breiten Sandstrand, welcher über 
der Hochwasserlinie mit Buschwerk und Palmen sehr gleicbmäfsig bewachsen 
äst. Gute Laudmarken sind daher nicht vorhanden; die besten Ausegelungs- 
mnrken sind die in hellen Farben gehaltenen Faktoreien und die vor den Ort 
schaften zu Anker liegenden Schiffe. Letztere sind neben gutem observirten 
Besteck für von Süden kommende Schiffe fast der einzige Anhalt. Schiffe, 
welche auf annäherndem Ost—West-Kurse diese Orte anlaufen, halten sich am 
besten entsprechend dicht unter der Küste, um sich von Faktorei zu Faktorei 
entlang zu fühlen, da sonst der mit der Gegend Unbekannte, welcher kein Mafs 
hat für Stärke und Richtung des Stromes, leicht in die Verlegenheit kommen 
kann, nicht angeben zu können, welchem Orte gegenüber er sich augenblicklich 
befindet. Die Segelanweisungen, sowie die auf den Br. Adm.-Karten No. 1860 
und 1861 (Tit. VI, No. 128 und 129) zahlreich vorhandenen Vertonungen können 
naturgemäß als Erkennungszeichen nur die Zahl, Bauart und Lage der Gebäude, 
sowie etwa Charakteristisches in dem Aussehen des in der Nähe befindlichen 
Buschwerks oder der Bäume angeben, von denen die ersteren wegen ihrer 
meist leichten Bauart, die letzteren ihrer Natur nach in dem das Wachsthum 
fördernden warmen Klima in kurzen Zeiträumen wesentlichen Aenderungen unter- 
1) S. „Aun. d. Hvdr. etc.“, 1880, pag. 6G4; 1882. pag. 5i). 
*) S. „Africa Pilot*, 1 (1880)= pag. 274 ff.
	        
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