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Reisebericht« $. M. S. „Hartha*.
WitterungsverhäUnisse. Nach dem Verlassen der afrikanischen Küste
bis in die Nähe des Aequators wurde südwestlicher Wind angetroffen, und
dieser ging mit zunehmender Westlänge erst langsam auf Süd und dann auf
SE. Die ersten Windstillen, mit kräftigem Regen, fand ich auf 6,5° N-Br und
22,5° W-Lg; indefs hielten dieselben nicht lange an, sondern es brachte bald
wieder aufkommender, häufig allerdings sehr leichter SW- bis Westwind das
Schiff in drei Tagen bis auf 10® N-Br. Hier setzte nördlicher Wind ein,
welchen ich bis ca 11,5° N-Br behielt; von dort bis zur Breite der Insel
Brava fand ich fast vollkommene Stille. Den NE-Passat fand ich ungefähr
10 Sm südlich der letzteren Insel; derselbe wehte von dort bis zur Ankunft
in Porto Grande zunächst aus nordöstlicher, später aus hoch nördlicher Richtung
in geringer Stärke.
Regen fiel vom Verlassen des SE-Passats an bis zu den zuletzt erwähnten
Stillen an jedem Tage; Wetterleuchten wurde nur zwischen 6,5® und 11,6° N-Br
beobachtet, wirkliches Gewitter nie. Den Guineastrom verlor ich, wie schon
erwähnt, auf ca 1° N-Br und erhielt auf gleicher Breite den Aequatoriälstrom.
Gleichzeitig fiel die Oberfiächentcmperatur des Meerwassers, welche von der
afrikanischen Küste bis zu diesem Punkte von ca 23° auf 24,4° 0. gestiegen
war, im Laufe des Tages bis auf 22,8° C. Der Aequatoriälstrom behielt indefs
diese Temperatur nicht bei; letztere stieg sehr gleichmäßig mit dem Fort-
sebreiten des Schiffes nach West und später Nord bis ungefähr 9,5° N-Br, wo
dieselbe ihre größte Höhe von 28,4° C. erreichte, und fiel von hier im
Guinea- und nordatlantischen Passatdriftstrom wieder langsam bis 27° und
27,5° C., in welcher Höhe sie sich bis zum Ende der Reise hielt. Die Grenze
zwischen dem Acquatorial- und Guineastrom, welche S. M. S. „Het'tka“ in
22,5® W-Lg auf ca 6° N-Br passirte, ist daher nur aus der erfahrenen östlichen
Versetzung abznleiten. Denselben Anhalt giebt die nördliche Grenze letzteren
Stromes in derselben Länge in ca 10,5® N-Br, von wo ab südwestliche Ver
setzung beobachtet wurde.
An hydrographischen Beobachtungen äst bezüglich der bei den Kap Verde-
sehen Inseln häufig beobachteten dicken Luft und des diesigen Wetters * *} anzuführen,
dafs allerdings die Inseln Fogo und Bram mit Tagesanbruch am 20. September
schon auf 60 bezw. 50 Sm Entfernung gesehen worden sind, dafs dagegen beim
Ansegeln der Inseln St. Antonio und St. Vincent erst bei Entfernungen von ca 10 Sm
und darunter Land bemerkbar wurde.“
3. Bucht von Guinea. 4 )
„Die Küste in der Bucht von Guinea verläuft fast geradlinig, sie ist
durchgehends flach, mit nur seltenen und unwesentlichen Bodenerhebungen, und
wird begrenzt durch einen mehr oder •weniger breiten Sandstrand, welcher über
der Hochwasserlinie mit Buschwerk und Palmen sehr gleicbmäfsig bewachsen
äst. Gute Laudmarken sind daher nicht vorhanden; die besten Ausegelungs-
mnrken sind die in hellen Farben gehaltenen Faktoreien und die vor den Ort
schaften zu Anker liegenden Schiffe. Letztere sind neben gutem observirten
Besteck für von Süden kommende Schiffe fast der einzige Anhalt. Schiffe,
welche auf annäherndem Ost—West-Kurse diese Orte anlaufen, halten sich am
besten entsprechend dicht unter der Küste, um sich von Faktorei zu Faktorei
entlang zu fühlen, da sonst der mit der Gegend Unbekannte, welcher kein Mafs
hat für Stärke und Richtung des Stromes, leicht in die Verlegenheit kommen
kann, nicht angeben zu können, welchem Orte gegenüber er sich augenblicklich
befindet. Die Segelanweisungen, sowie die auf den Br. Adm.-Karten No. 1860
und 1861 (Tit. VI, No. 128 und 129) zahlreich vorhandenen Vertonungen können
naturgemäß als Erkennungszeichen nur die Zahl, Bauart und Lage der Gebäude,
sowie etwa Charakteristisches in dem Aussehen des in der Nähe befindlichen
Buschwerks oder der Bäume angeben, von denen die ersteren wegen ihrer
meist leichten Bauart, die letzteren ihrer Natur nach in dem das Wachsthum
fördernden warmen Klima in kurzen Zeiträumen wesentlichen Aenderungen unter-
1) S. „Aun. d. Hvdr. etc.“, 1880, pag. 6G4; 1882. pag. 5i).
*) S. „Africa Pilot*, 1 (1880)= pag. 274 ff.