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Full text: 48, 1929/1930

Dr. Heinrich Lösche: Lassen sich die diluvialen Breitenkreise usw. rekonstruieren? 
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Nachmittags dagegen ist der Boden durchschnittlich trockener, im zweiten Falle aufgetauter. Ein 
größerer Teil der auf genommenen Wärmeenergie kann zur Temperaturerhöhung verwendet werden. Das 
ganze Jahr hindurch müßte aber demnach die höchste Bodentemperatur auf den nach SW schauenden 
Hängen zu finden sein. Daß jedoch eine Wanderung des Maximums nach SO im Sommer besteht, ver 
langt gleichzeitig eine regelmäßige Schwächung der nachmittäglichen Sonnenstrahlung. 
R. Geiger (25, S. 106) erklärt dieses nachmittägliche Strahlungsmaximum wie folgt: 
„Ursache hierfür ist, wie schon Fritsch (20) und J. v. Hann (33) angeben, das nachmittägliche Bewöl 
kungsmaximum im Sommer. Gerade im Gebirge, aus welchem ja die Beobachtungen stemmen, pflegt der Nach 
mittag auch der heiteren Tage Bewölkung („Schönwettercumuli“) öfters Gewitter und Niederschläge zu bringen.“ 
Die Erwärmung des Bodens ist somit stark beeinflußt vom Wetter. Nur mit 
äußerster Vorsicht können deshalb die Ergebnisse, die in den Alpen gewonnen worden sind, auf einen 
anderen Ort übertragen werden. Aber soviel kann gesagt werden, daß das SW-Maximum, das sowieso 
schon während des größten Teiles des Jahres herrscht, viel sicherer ist, da es an Erscheinungen ge 
knüpft ist, die von dem konstanten Minimum der Lufttemperatur vor Sonnenaufgang abhängig sind. 
Geiger bezeichnet deshalb das SW-Maximum als das normale. Viel unbeständiger wird dagegen das 
SO-Maximum sein. 
Mit diesen Erklärungen, die sich den Untersuchungen A. Kerners anschließen, kann die Abweichung 
der größten Talungleichseitigkeit von der WO-Richtung gedeutet werden. Die Nachmittagsexposition 
ist, wie Figur 9 zeigt, im Jahresdurchschnitt wärmer als die Vormittagsexposition. In den Tälern des 
Erzgebirgsbeckens sind deshalb auch die nach Westen gerichteten Talseiten stets steiler als die Gegen 
seiten. Am steilsten sind jedoch im Durchschnitt die nach Südwesten schauenden Talseiten. Im Früh 
jahr zur Zeit des größten Wasserstandes in den Frostbodengerinnen, wenn die Talflanken am heftigsten 
vom fließenden Wasser angegriffen werden können, zeigt auch tatsächlich die SW-Auslage ein ausge 
sprochenes Maximum der Erwärmung. Jedoch das sommerliche SO-Maximum stört. Der am Sommer 
nachmittag aufsteigende Staub, die Schömvettercumuli und die zahlreichen Gewitter geben Anlaß für 
eine viel größere Bewölkung als vormittags. Besonders bei den Gebirgen unserer Breiten trifft das zu. 
Ob aber dieses SO-Maximum auch für eine Tundrenlandschaft, die bis nach Mitteleuropa sich erstreckte, 
charakteristisch war, ist sehr zweifelhaft. Es ist leicht möglich, daß in Frostbodengebieten das nach 
mittägliche Maximum fehlt. Der aufgetaute Boden ist ja größtenteils stark durchfeuchtet. Eine Staub 
aufnahme von den Konvektionsströmen der Luft in dem Maße wie in unserem Klima dürfte ausge 
schlossen sein. Die stark verkürzte, warme Jahreszeit in der Tundra besitzt, wie es in den Beschrei 
bungen der nördlichen Periglazialgebiete immer wieder bestätigt wird, vielmehr den Charakter des 
Frühlings. Der Schnee bleibt ja stellenweise bis in den Hochsommer hinein liegen. 
Weit schwieriger ist folgendes jedoch zu erklären: Warum sind bei den Tälern der Richtung 
SW—NO noch die nach Nordwesten gerichteten Hänge steiler als die nach Südosten gerichteten? Selbst 
wenn man bei der Entstehung der Ungleichseitigkeit eine so große Überlegenheit der Nachmittagser 
wärmung annimmt, wie sie in den Messungen Kerners nur im Dezember und Januar besteht, würden 
NW- und SO-Hänge erst gleichbegünstigt sein. Die Nullinie der Talungleichseitigkeit müßte dann ge 
rade mit der Richtung SW—NO zusammenfallen und dürfte nicht zwischen den Richtungen WSW—ONO 
und SW—NO liegen. Man könnte sich über die Schwierigkeiten mit der Annahme hinweghelfen, daß 
in den Frostbodengebieten damals die Gegensätze zwischen Vormittags- und Nachmittagsauslagen noch 
größer waren. Außerdem wäre noch ein Umstand zu erwähnen. Zur Schneeschmelze tritt in den Bächen 
der höchste Wasserstand meistens erst am spätesten Nachmittag, oft erst nach Sonnenuntergang ein. 
Vielleicht konnte in den Tälern der fraglichen Richtung das abendliche Hochwasser gerade die Hänge 
stark bearbeiten, die zuletzt den Sonnenstrahlen ausgesetzt waren. 
Die Abweichung der größten Talungleichseitigkeit von der W—O-Richtung 
und der geringsten von der N—S- Richtung kann wohl mit einer verschieden 
kräftigen Vormittags- und Nachmittagserwärmung erklärt werden. Jedoch, je
	        
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