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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen See warte. — 48. Bd. Nr. 7. 
wird, je mehr die Talriehtung sich der Nord-Südrichtung nähert oder in solchen Fällen, in denen das 
Tal breit ist oder schließlich, wenn die wasserscheidenden Höhen, die es begrenzen, niedrig sind. Wenn 
die Täler im Erzgebirgsbecken wie die Frostbodentäler Sibiriens erklärt werden sollen, müssen die 
angeführten Sätze auch für sie gelten. Es ist schon mehrmals auf Übereinstimmungen hingewiesen 
worden. So nimmt im Erzgebirgsbecken die Ungleichseitigkeit um so mehr ab, je breiter die Talsohlen 
werden. Bei der Pleiße, der Lungwitz und dem Mülsenbach war der Übergang deutlich zu beobachten. 
Auch mit der Abnahme der Höhenabstände von den Talauen bis zu den Wasserscheiden verringert sich 
die Talungleichseitigkeit. Das vollzog sich nicht nur nach dem Quellgebiete jedes einzelnen Baches 
hin, sondern es bestanden auch Unterschiede in diesem Sinne zwischen den Tälern der südlichen und 
der weniger hohen nördlichen Gebiete des Erzgebirgsbeckens. 
Das wichtigste Kennzeichen der ungleichseitgen Täler Sibiriens besteht aber offenbar in ihren 
Beziehungen zu den Himmelsrichtungen. Im Erzgebirgsbecken können wohl auch bestimmte Richtungen 
mit größter und geringster Talungleichseitigkeit unterschieden werden, jedoch weichen sie um ein Be 
deutendes vom Breiten- bzw. Längengrad ab. (Vgl. Kapitel IV c.) 
Als ein großer Mangel hat es sich stets herausgestellt, daß das Verhältnis der Talungleichseitig 
keit zu den Himmelsrichtungen bisher nur mit Worten wiedergegeben worden ist. Es wäre einwand 
freier, es mit Hilfe des Maßes darzustellen. Auf der topographischen Karte 1 : 25 000 können mit 
genügender Genauigkeit die Richtungen und Böschungswinkel der Täler ermittelt werden. 
Doch wie kann der Grad der Ungleichseitigkeit zahlenmäßig bezeichnet werden? Die Böschungswinkel 
der steilen Hänge etwa allein hierbei zu berücksichtigen, geht nicht, denn es kommt offenbar auf das Ver 
hältnis beider Hänge an; das kann nur durch den Quotienten aus den mittleren Böschungen des steilen 
und des flachen Hanges wiedergegeben werden. Ist der gefundene Wert eins, so ist das Tal gleichseitig; je 
größer er ist, desto ungleichseitiger ist das Tal. Um den Quotienten in Beziehung zu den einzelnen 
Richtungen bringen zu können, sind die Täler in Richtungsabschnitte aufzuteilen. Der mittlere 
Böschungswinkel wurde gewonnen, indem in jedem Talabschnitt in Abständen von je 200—300 m die 
Entfernung der Isohypsen mit dem Zirkel abgegriffen wurden. Daraus konnten die Mittelböschungen 
und schließlich der Quotient berechnet werden*). Die Talflanken wurden zu beiden Seiten immer bis 
zu der Höhenlinie berücksichtigt, die am steilen Hang den Übergang zur flacheren Böschung des 
Zwischentalrückens angibt. 
Nicht alle Täler des Erzgebirgsbeckens wurden bei der Berechnung der Talungleichseitigkeit gleich 
mäßig berücksichtigt. Die vorgenommenen Einschränkungen sollen im folgenden aufgeführt und 
begründet werden. 
In der Nähe der großen Städte ist es zuweilen unmöglich, auf der Karte den Böschungswinkel ein 
wandfrei zu bestimmen, da die Geländedarstellung gegenüber der Zeichnung der zahlreichen Straßen 
und Häusergruppen ganz zurücktritt. Das gilt ganz besonders für die westlichen Nebentäler der 
Chemnitz, die Täler des Pleiß- und Kappelbaches und in der Nähe der Stadt Zwickau für die Täler des 
Planitz-, Galgengrundbaches und zum Teil auch für den Marienthaler Bach. Die auf geführten Täler 
mußten unberücksichtigt bleiben. 
Wenn bei einer zahlenmäßigen Zusammenstellung die Beziehungen der Talungleichseitigkeit zu den 
Himmelsrichtungen erkennbar sein sollen, müssen auch die Talstücke, die unabhängig von den Himmels 
richtungen ein mehr oder weniger gleichseitiges Querprofil aufweisen, unbeachtet bleiben. 
Die Ungleichseitigkeit war nur in gleichmäßig 1 abspül baren Gesteinsschichten deutlich zu erkennen, nicht aber 
in den sehr widerstandsfähigen vulkanischen Gesteinen des Mittel rotliegenden und den liegenden altpaläzoischon 
*) Die Böschungswinkel konnten nicht in testen Abständen aus den Meßtischblättern erzirkelt werden. 
Es mußte ein wenig Spielraum bleiben, denn es würde ja ein falsches Bild von der Talungleichseitigkeit sich er 
geben haben, wenn die Böschungswinkel an einer Stelle errechnet worden wären, wo ein Nebentälchen den flachen 
oder steilen Hang durchbricht. Diese Stellen wurden beim Abgreifen der Isohypsenabstände möglichst vermieden.
	        
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