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Full text: 48, 1929/1930

Dr. Heinrich Lösche: Lassen sich die diluvialen Breitenkreise usw. rekonstruieren? 
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Löß von Westwinden herbeigebracht worden ist und sich im Lee der Zwischentalrücken dort, wo die 
Transportkraft des Windes nachläßt, abgelagert rat. Von diesem einseitigen Lößabsatz macht er die 
Ungleichseitigkeit des Talprofils abhängig. Tietzes Erklärungsversuch mußte aber, wie bereits gezeigt 
worden ist, aus mehreren Gründen abgelehnt werden. Hier soll nur noch darauf hingewiesen werden, 
daß der Lößlehm im Erzgebirgsbecken gerade auf den breiten Zwischentalrücken, wo doch die Stärke 
des Windes und damit seine Transportkraft viel größer war als in Einsenkungen, die Lößlehmdecke 
oft nicht schwächer ist als auf den flachen Hängen der Täler. Der' Wind wird für die einseitige 
Lagerung des Lößlehms gar nicht verantwortlich zu machen sein. Augenscheinlich war der Lößstaub 
absatz auf Höhen und in Tälern gleichmäßig. 
Im folgenden soll dar gestellt werden, daß nicht die einseitige Lößlehm- 
decke die Ursache für die Talungleichseitigkeit ist, sondern gerade umge 
kehrt die Entstehung der Talungleichseitigkeit'notwendig die einseitige 
Lagerung des Lößlehms nach sich ziehen mußte. Unter der Lehmdecke der flachen 
Hänge befinden sich stets alte verlassene Bachschotter. Da sie einseitig lagern, kann nur eine einseitige 
Seitenerosion der Bäche die verschiedene Böschung der Talgehänge bewirkt haben. Geht man von 
einem völlig gleichmäßig von Lößlehm überzogenen Tale aus, so wird mit Einsetzen dieser Seitenerosion 
stets nur der gleiche Hang unterspült. Das fließende Wasser wird nur von dort Material talwärts 
fördern. Die Lehmdecke wird so nach und nach auf der angegriffenen Talseite beseitigt, während sie 
auf der Gegenseite unberührt bleibt. Demnach muß der am meisten unterspülte Hang, der bekanntlich 
auch der steilste ist, die geringste Lößlehmdecke aufweisen. Das stimmt nicht nur im Erzgebirgsbecken. 
Von allen mitteleuropäischen Löß- bez. Lößlehmgebieten wird das Fehlen dieser Ablagerungen auf den 
steilsten Hängen stets besonders vermerkt. Auch die Flottlehme der Harburger Berge machen hierin 
keine Ausnahme. 
Bei der allgemeinen Darstellung der Talungleichseitigkeit ist gezeigt worden, daß im Erzgebirgs 
becken eine Abnahme der Ungleichseitigkeit des Querschnittes von den Tälern der Richtung NW—SO 
nach denen der Richtung SW—NO besteht. Ebenso verhält sich die Ungleichseitigkeit des Lößlehms. 
Bei einem südwestnordöstlichen Tale ist die Lößlehmdecke ebenso gleichseitig wie das Talprofil. Bei 
einem nordwestsüdöstlichen Tale dagegen sind sowohl Querschnitt als auch Lößlehmablagerungen am 
ungleichseitigsten; der Lößlehm ist nur auf den flachen Höngen zu finden. 
Th. Siegert unterscheidet in den geologischen Erläuterungen zum Meßtischblatt Chemnitz Täler mit einer 
beiderseitigen und einer einseitigen Lößlehmbekleidung. Betrachten wir die Richtung der angeführten Täler, 
so verstehen wir jetzt, daß die Täler der ersten Art alle ausnahmslos in der Richtung SW—NO oder WSW—ONO 
liegen (z. B. das Sechsruthen- unnd das Glösbachtal), daß dagegen die Täler der zweiten Art in der Richtung W—0 
und NW—SO liegen (z. B. das Pleißetal bei Rottluff, das Tälcben westlich von Schloß Chemnitz und das Bahretnl 
bei der Friedrich-August-Erholungsstätte). Gleiches ist im ganzen Erzgebirgsbecken zu beobachten. 
XII. Die Talungleichseitigkeit in den acht Hauptriehtuiigen graphisch dargestellt. 
In der Einleitung wurden zwei Hauptprobleme der vorliegenden Arbeit angegeben: 
1. Kann der Beweis geführt werden, daß die ungleichseitigen Täler des Erzgebirgsbeckens unter 
ähnlichen Bedingungen sich gebildet haben, wie die der Frostbodengebiete Sibiriens? 
2. Wenn das der Fall ist, lassen sich aus einer übereinstimmenden oder abweichenden Lage der 
Richtungen der größten und geringsten TaiungLAbseitigkeit in beiden Gebieten genauere Angaben 
über die Lage der Breitenkreise im Diluvium machen? Die erste Frage müßte bejaht werden. Um 
Stellung zur zweiten Frage nehmen zu können, fehlt noch der Vergleich der Talasymmetrie des Erz 
gebirgsbeckens mit der Sibiriens. 
Sc hostako witsch berichtet, daß die Talungleichseitigkeit bei den sibirischen Frostboden 
gerinnen um so ausgeprägter ist, je mehr das Tal sich zur Breitenrichtung orientiert und um so kleiner
	        
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