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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Nr. 7.
Bei den Tälern mit den gleichseitigsten Talquerschnitten, die in einer Frostbodenzeit nur eine ge
ringe Tiefenerosion besessen haben (vgl. Kapitel IX), können die Erweiterungen des Einzugsgebietes nur
verschwindend gering gewesen sein. Diese Täler mußten den ungleichseitigen gegenüber verkümmern.
Lagen nun stark ungleichseitige Täler den gleichseitigen benachbart, so läßt
sich leicht denken, daß die ungleichseitigen Täler sich auf Kosten der gleich
seitigen am stärksten erweitern konnten.
Ein Beispiel erläutert das Gesagte am besten. Der größte westliche Nebenbach der Pleiße im unter
suchten Gebiet ist der Pfarrgraben bei Langenbernsdorf. Er fließt von WSW nach ONO der nordwärts
gerichteten Pleiße zu. Im Ober- und Mittellauf ist das Tal ziemlich gleichseitig, erst im Unterlauf wird
der nach SSO schauende Hang steiler als sein Gegenhang. Die NebenBäehe haben mehr Gelegenheit,
die Richtung der größten Talungleichseitigkeit einzunehmen. (Vgl. Fig. 6.) Nach rechts und links
greifen vom Pfarrgraben aus tief eingeschnittene, stark asymmetrische Tälchen in die Talgehänge hin
ein. Zwei benachbarte rechte Nebentälchen dieser Art, das Meisental und das Tal des Meiseibaches,
zeigen einen auffallenden Knick in ihren Fließrichtungen in fast gleichen Abständen vom Haupttal. Die
oberen Abschnitte der beiden Täler liegen parallel, die unteren Abschnitte senkrecht zum Pfarrgraben.
(Vgl. Fig. 6.) Der Untergrund besteht im ganzen Gebiete aus kleinstückigen Konglomeraten des Ober
rotliegenden. Mit einem Wechsel des Gesteins können diese auffallenden Richtungsänderungen der
beiden Tälchen nicht erklärt werden. Betrachtet man die Karte genauer, so sieht man, daß dort, wo die
beiden oberen Talabschnitte des Meisen- und des Meiseibaches sich am nächsten kommen, eine Tal
wasserscheide liegt. An dieser Stelle steht eine dünne Schicht Bachschotter an, wie aus den allerdings
dürftigen Aufschlüssen in diesem Waldgebiete festgestellt werden konnte. Offenbar ist diese Talwasser
scheide früher von einem Bache durchflossen worden. Geht man von hier aus das Meiseltal abwärts bis
zu der auffallenden Biegung und betrachtet den Kamm des jetzt einsetzenden steilen Westhanges, so
zeigt sich, daß er an dieser Stelle durch eine sanfte Einsenkung unterbrochen wird. Ganz augenschein
lich ging durch diese Einsenkung und durch die gleichgerichtete Talwasserscheide zwischen Meisen-
und Meiseltal ein altes Nebental der Pleiße, zu dem die beiden gleichgerichteten oberen Abschnitte der
beiden Nebentäler des Pfarrgrabens gehörten. Diese müssen dem alten Nebental der Pleiße in die Flanke
gefallen sein. Der Meisenbach hat den Talschluß an sich gezogen, der Meiselbach den ganzen Mittel
lauf. Man sieht hier ganz deutlich, wie zwei Tälchen, die sich ungleichseitig entwickeln konnten, in der
Bildungszeit der Talungleichseitigkeit gegenüber dem senkrecht zu ihnen verlaufenden, stark gleich
seitigen Tale im Vorteil waren und es deshalb vernichten konnten.
Einen ganz ähnlichen Kampf um die Wasserscheide haben wir uns zwischen Mulde und Pleiße vor
zustellen. Dort lagen westlich der Wasserscheide die Täler in der Richtung der größten, östlich aber die
Täler in der Richtung der geringsten Talungleichseitigkeit. Infolge der besseren Entwicklungsmög-
lichkeit der ersten Täler konnten sie in breiter Front die Wasserscheide ostwärts drängen, während die
zweiten Täler zurückblieben. Sie konnten höchstens ihre Wasserscheide mit Hilfe der Nebenbäche, die
ja in der Richtung der größten Talungleichseitigkeit lagen, auf Kosten der nördlichen oder südlichen
Täler erweitern, so wie wir es bei den Nebentälern des Pfarrgrabens annehmen mußten. Außerdem
können günstiger gelegene Nebentälchen dieser Täler sich im Laufe der Zeit zum Haupttal entwickelt
haben. So nur wird erklärt werden können, daß einzelne Täler und zwar nur westlich der Mulde oder
Pleiße der allgemeinen Abdachung entgegenliegen.
XI. Die Bildung der einseitigen Lößlehmdeeke in den asymmetrischen Tälern.
Bevor zu einem Vergleich der Richtungen der größten und geringsten Talungleichseitigkeit im Erz-
gebirgsbecken und in Sibirien übergegangen wird, ist noch eine wichtige Frage zu beantworten: In
welchem Verhältnis steht der Lößlehm zur Talungleichseitigkeit? Die Einseitigkeit der Talgehänge ist
meist mit einer einseitigen Lagerung des Löß bez. Lößlehms verbunden. Lößlehm befindet sich nur
auf den flachen Hängen, nicht auf den steilen. (Vgl. Fig. 6.) E. T i e t z e (110) nimmt deshalb an, daß der