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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Nr. 7. 
Seitenerosion die ungleichseitigen Täler erzeugt haben kann. Sie muß aber 
stets mit Tiefenerosion verbunden gewesen sein, denn die Schotter liegen 
nicht horizontal. Das gilt nicht nur für das Kobertal. Überall, wo in Ziegeleigruben die liegenden 
Schotter etwa aufgeschlossen sind, senken sie sich der Talaue zu. 
Eine Ausnahme unter den Nebenbächen der Mulde machen die fast 20 km langen Täler des Mülsen- 
und Lungwitzbaches. Diese verhalten sich in ihren oberen Talabschnitten noch so wie alle anderen un 
gleichseitigen Täler, in den unteren, in denen sie ungefähr 200—600 m breite Talauen bilden, aber nicht 
mehr. Die unteren Kanten der Schotterterrassen sind jetzt stets horizontal wie in den Haupttälei'n. 
Auch bei der Pleiße ist dieser Übergang zu beobachten. Sie ist beim Eintritt in das Erzgebirgsbecken 
noch ein kleiner Bach. Die Schotter liegen ähnlich wie beim Kobertal. Von Werdau ab ist sie bedeutend 
wasserreicher, sie bildet eine breite Talaue und ist an den Hängen von Horizontalen Schotterterrassen be 
gleitet. Mit diesem Breiterwerden der Talaue und mit dieser Änderung in der Lage der Schotter ist auch 
eine Änderung der Ungleichseitigkeit der Talgehänge verbunden. Bei der Pleiße, der Lungwitz 
und dem Mülsenbach werden die Talgehänge von einer gewissen Grenze ab um 
so gleichseitiger, je breiter die Talaue wird. Stellenweise treten die Steilhänge an Seiten 
auf, wo sie bei allen anderen Tälchen nie zu finden sind. Man sieht, die gesetzmäßige Ungleichseitigkeit 
hört bei einer gewissen Größe der Täler auf. Dasselbe betont auch Schostakowitsch von den ungleich 
seitigen Tälern Sibiriens. 
Schostakowitsch macht die verschiedene Ausgestaltung der Talflanken von der verschiedenen 
Beeinflussung des Frostbodens durch die Sonnenstrahlung abhängig. Vergegenwärtigt man sich die 
Bildung der Asymmetrie noch einmal, so wird verständlich, warum Tiefenerosion stets mit Seitenerosion 
verbunden gewesen sein wird. Vertikal kann das fließende Wasser nicht erodieren, weil der Frostboden 
zu großen Widerstand leistet, wohl aber nordwärts, weil dort die Sonne den Boden sehr bald auf getaut 
hat. Die Sonnenstrahlen treffen jedoch das Bachufer nicht horizontal, sondern die Wirkung ist ein 
wenig schrägabwärts gerichtet, und schrägabwärts gräbt sich dann auch der Bach ein. In dieser Richtung 
wird die Schwerkraft ihn stets unterstützen. Da alle kleineren Neben bäche eine steile, 
wenig ausgeglichene Gefällskurve besitzen, kann das Austiefen der Neben- 
bäche auch noch fortdauern, wenn die Haupttäler die Talsohle durch Auf 
schotterung erhöhen. Es scheint nur eine Verlangsamung, zeitweise vielleicht auch ein Unter 
brechen in dem Vertiefen der Nebentäler eingetreten zu sein. 
Ganz anders muß die Ausgestaltung der breiten Haupttäler sich vollzogen haben. Ein kaltes Klima 
hat die Schotterzufuhr von den Talgehängen, von den Nebenbächen und besonders vom Oberlauf der 
Flüsse stark begünstigt. Deshalb sind die Flüsse, die in ihrem Mittellauf ein sehr 
ausgeglichenes Gefälle besitzen und darum viel schneller und intensiver auf 
Änderungen in der Geschiebeführung reagieren, zum Aufschottern gezwungen 
worden. Es ist leicht vorstellbar, daß unter diesen Umständen den Flüssen, 
die in breiten Talsohlen mäanderten, der Weg zu den Gehängen meistens 
verbaut gewesen ist. 
Uober den Talquerschnitt der Mulde sind uoeli einige Worte zu sagen. Das Muldetal zeigt, wie soeben be 
richtet wurde, nicht die gesetzmäßige Tnlasymetrie. Nach den Zahlenangaben Ketzers (49) steigt der nach Osten 
schauende Hang des Muldetales im Mittelwert auf 19(1 m in der Horizontalen um 5,8 in, der nach Westen schauende 
Hang dagegen nur tun 4 m an. Wir sehen, in diesem Palle ist das nach Osten gerichtete Gehänge ein wenig- 
steiler als das Gegengehänge. Ketzer hat in seinen Berechnungen den ganzen Talquerschnitt berücksichtigt; 
ganz anders würde das Ergebnis lauten, wenn er nur die untersten 10—15 m der Talflanken verglichen hätte. Dort 
ist nämlich der nach Westen schauende Hang bedeutend steitev als der nach Osten schauende, denn die steilen 
Terrassenabstiirze der Talsohle zu liegen fast ausschließlich auf der dem Westen exponierten Talseite, d. h. rechts 
vom Flusse. Bemerkenswert ist, daß die Mulde dem nach Westen gerichteten Hange durchschnittlich näher liegt als 
dem Gegenhang. Nur auf der Strecke Crossen—Mosel nähert sie sich mehr dem nach Osten gerichteten Hange. 
Das rechte Talgehänge der Mulde wird heute stärker imterspült als das linke, denn alle Prallstellen des Flusses, 
die die Talflanken untersehneiden, liegen auf der rechten Seite.
	        
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