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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen See warte. -- 48. Bd. Nr. 7. 
stoßen der skandinavischen Eismasse, würde im unvereisten V o r 1 a n d e wieder 
um Frostboden nach sich ziehen, und dieser würde die Entstehung der un 
gleichseitigen Täler möglich machen. 
Im Muldental ist von Grahmann nach der Elstereiszeit ein fünfmaliger Wechsel von Aufschotterung 
und Erosion nachgewiesen worden. An den Talgehängen der Nebentäler müßte ebensogut wie in den 
Haupttälern ein fünfmaliger Gefällswechsel zu beobachten sein. Jedoch, w’ie schon berichtet worden ist, 
sind in den Haupttälern die Terrassen durch Lößstaubablagerungen verwischt. Gleiches gilt auch für 
die Nebentäler. Verständlich wird das, wenn man mit Ein tritt eines kalten Klimas 
die ganz anderen Bodenbewegungen annimmt, die flächenhaft wirken und jede 
Unebenheit ausgleichen können. 
Verständlich ist jetzt auch, daß die tieferen Terrassen der Haupttäler von den Nebentälern 
symmetrisch durchschnitten werden. Die Terrassen sind Flußaufschotterungen eines kalten Klimas. 
Sie stellen die Erosionsbasis für ungleichseitige Täler dar. Bei Kliniabesserung werden diese durch 
Tiefenerosion verlassen. Erst dann fangen die Nebenbäche an, die Terrassen zu durchschneiden. Da die 
Bedingungen für Frostboden jetzt fehlen, sind die entstehenden Erosionsformen gleichseitig. Die älteren 
gleichseitigen Terrassendurchschnitte wurden in den mehrmals folgenden kalten Klimaperioden wieder zu 
ungleichseitigen gemacht. Bei den jüngeren aber genügten die folgenden Kaltperioden nicht, um die 
Symmetrie, die gegenwärtig wieder angestrebt wird, völlig zu vernichten. 
Auch der muldenförmige Talschluß der ungleichseitigen Täler mit den engen, bis 8 m tief eingesenkten 
Kerbschluchten läßt sich leicht erklären, wenn der Wechsel von Klimaverschlechterung zu Klima 
besserung hier herangezogen wird. Kam es zur Ausbildung von Frostboden, dann mußten alle Quellen 
versiegen, alles Wasser mußte oberflächlich abfließen. Eine wirksame Erosion konnte erst eintreten, 
wenn sich genügend Wasser angesammelt hatte. Im Talschluß trat die Wirkung des erodierenden 
Wassers ganz anderen Kräften gegenüber zurück. Es werden auch hier die für kalte Klimate mit Frost 
boden eigentümlichen Bodenflußerscheinungen, die alle durch fließendes Wasser erzeugten Unebenheiten 
ausgleichen, herangezogen werden müssen. Ein muldenförmiger Talschluß ist das End 
produkt dieser Kräfte gewesen. Wahrscheinlich wird bei der Entstehung der muldenförmigen 
Talschlüsse neben der Solifluktion die Schnee-Erosion wirksam gewesen sein, so wie sie von Passarge 
in seiner Morphologie der Stadt Remda beschrieben wird (72. S. 210): 
„Unter dem Schnee, der sich in den Talschlüssen besonders hoch anhäufte und ganz besonders lange liegen 
bleiben mußte, wird der Boden durch das abwechselnde Frieren und Tauen aufgetoekert und das zerkleinerte 
Material mit den Schneewässern uusge.schweiuuit. Infolgedessen wird der Boden unter Schneeflocken vertieft, es 
entstehen Nischen und namentlich am Ende eines Tales kann sehr wohl infolge der Schneerosion eine runde 
Nische, ein Zirkus, ein Trichterzirkus entstehen.“ 
Aber mit dem Verschwinden des Frostbodens und mit dem Einsetzen einer geschlossenen Vegetations 
decke, die eine Schnee-Erosion unmöglich macht, entstanden wieder normale Grundwasserverhältnisse. 
In bestimmten Höhen der Talschlüsse brachen Quellen hervor, die nach und nach einen Quelltrichter 
bildeten. Diese fraßen sieh mit steiler Rückenwand in den Talschluß hinein. Die engen Kerbschluchten 
entstanden, die sich heute noch weiterentwickeln können. 
Diese Erscheinungen sind durchaus nicht auf das Erzgebirgsbecken beschränkt. Aus der nächsten 
Umgebung, aus dem Vogtlande, beschreibt sie E. Martin (63. S. 232), aus der Umgebung Tübingens 
P. Keßler (48. S. 129—134). Den gleichen Gegensatz zwischen Kerbschlucht und muldenförmigem 
Tälschluß beobachtete Passarge im Gebiete des Meßtischblattes Stadt Remda. Er schließt daraus, 
daß die Veränderungen in historischer Zeit hauptsächlich in dem Wiedererwachen der Vertikalerosion 
bestehen (72. S. 215). Ähnliche Verhältnisse beschreibt auch Rathjens in seiner Morphologie des 
Meßtischblattes Saalfeld (83. S. 79). 
Wie die oben angeführten Kerbschluchten, sind auch die kleinen, schluchtartigen, gleichseitigen 
Tälchen zu erklären, die die Steilhänge der Mulde, Pleiße und der Lungwitz zerschneiden. Nach
	        
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