Dr. Heinrich Lösche: Lassen sich die diluvialen Breitenkreise usw. rekonstruieren?
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Lößlehm und Braun kohlen quarzite haben sich so während der Eiszeiten auf
ständig gefrorenem Boden von de n Höhen nach den Tälern zu bewegt.
Durch diese gewaltigen, flächenhaft wirkenden Bodenbewegungen muß das Landschaftsbild ganz
wesentlich beeinflußt worden sein. Mit Änderung der Klimabedingungen änderten sich jedoch auch die ge
staltenden Kräfte in der Landschaft. Jetztzeitformen entstanden, die heute noch weiter ausgestaltet wer
den, und gleichzeitig werden die Vorzeitformen nach und nach abgebaut. In den Tälern, in denen
fließende Gewässer am ehesten auf einen Klimawechsel reagieren, müssen Vorzeit- und Jetztzeitformen
am besten zu unterscheiden sein, die ungleichseitigen Täler Sibiriens werden von Schostakowitsch von
der verschiedenen Ausgestaltung des Frostbodens an den Talgehängen abhängig gemacht. Wenn diese
Erklärung auch für die Täler des Erzgebirgsbeckens Geltung haben soll, kann die Ungleichseitigkeit
nur vorzeitlicher Entstehung sein, denn Frostboden ist nur für ein Vorzeitklima zu beweisen. Sind
diese Schlüsse richtig, so muß festgestellt werden können, daß die Wasser
läufe innerhalb der ungleichseitigen Täler jetzt die Talflanken gleichseitig
zu gestalten versuchen.
TU. Ein enges symmetrisches Tal eingesenkt in ein breites asymmetrisches Tal.
a) Der Gefällsabsatz im unteren Teil der Talhänge.
Nach einem aufmerksamen Begehen des Erzgebirgsbeckens ist es nicht schwer, den Beweis zu
führen, daß die Bäche sich heute ein gleichseitiges Tal schaffen. Der Mache Hang wird in seinem
untersten Teil von steilen Abstürzen zur Aue hin unterbrochen. (Vgl. Fig. 1, 2, u. Bild 5.) Diese Abstürze
haben den gleichen Böschungswinkel wie die steilsten Hänge der ungleichseitigen Täler, ungefähr 25
bis 35“. Sie sind aber durchschnittlich nicht höher als 3—4 m. Haben die steilen Hänge eine geringere
Böschung, so zeigen auch sie im unteren Teil ein deutliches Steilerwerden. (Vgl. Fig. 2.) In den
breiten asymmetrischen Tälern liegen demnach enge, von gleich steilen
Hängen eingefaßte Täler eingesenkt. Nur in jüngst vergangener Zeit können diese sym
metrischen Täler entstanden sein. Noch heute hat der Bach die Tendenz, ein symmetrisches Tal aus
zubilden. In zahlreichen Windungen schlängelt er sich im Mittel- und Unterlauf durch seine Aue. Zu
beiden Seiten besitzt er Prallstellen. Steiler und flacher Hang werden gleichmäßig von ihm bearbeitet.
b) Die Verstärkung der Talungleichseitigkeit durch die Arbeiten des Menschen.
Die oben dargestellten Profile gelten nur für Täler, die von Menschenhand unberührt geblieben sind,
d. h. sie gelten, wenn Wald das ganze Tal überzieht. Es ist hier am Platze, kurz über die Umgestaltung
der Landschaft zu sprechen, die der Mensch durch seine landwirtschaftlichen Arbeiten hervorruft.
Das Erzgebirgsbecken ist ein altes, stark bevölkertes Kulturland. Der Wald ist weitgehend geordnet
worden. Zusammenhängende größere Waldstücke finden sich nur weit von den Haupttälern entfernt im
Quellgebiet der Nebenbäche. Außerdem sind nur noch die Stellen, die zum Ackern zu steil sind, be
waldet. In der Nähe der Siedlungen sind bisweilen sehr steile Hänge abgeholzt worden, um Platz für
Obst- und Gemüsegärten zu gewinnen. Bauernhöfe sind sogar an günstigen Stellen in steile Hänge
hineingebaut worden, um das unproduktive Gelände, wenn auch durch schwere Arbeit, zum Bauen nutz
bar' zu machen. Es gilt allgemein die Regel, daß, sobald der steile Hang am Aus
gang des Tales, im Talschluß oder beim Einmünden eines Nebentales ein
Flacher werden der Böschung zeigt, der Wald dem Acker Platz zu machen hat.
Auf dem flachen Hang ziehen sich fruchtbare Felder von den Höhen bis zur Talsohle herab. Der
oben erwähnte Gefällsabsatz im unteren Teile des Gehänges hindert den Landwirt am vollen Ausnützen
seines Besitzes. Ist der Gefällsabsatz mit Gebüsch bestanden, zeigt er meist noch den natürlichen Zu
stand. (Vgl. Bild 5.) Wenn sich dagegen Weide heriiberzieht, ist er schon stark verändert. Er ist meist