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Full text: 48, 1929/1930

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Dr. Heinrich Lösche: Lassen sieh die diluvialen Breitenkreise usw. rekonstruieren? 
aufwärts stehen Plattendolomite des Zechsteins an. Von dort sind die Gesteinstrümmer eingeschwemmt 
worden, würden die Anhänger der alten Erklärung sagen. Unverständlich bleibt diesen aber die eigen 
tümliche Anordnung von Lehm und Plattendolomiten. An einigen Stellen finden sich Anreicherungen 
von Steinen, der Lehm tritt ganz zurück. An anderen Stellen ist jeder Stein in Lehm gebettet. Sie 
scheinen der Schwerkraft entgegen gelagert zu sein, denn flache Steine sind oft auf gerichtet. In der 
Lage können sie nicht durch fließendes Wasser abgesetzt worden sein. 
Dicht unter der Oberfläche sind die Plattendolomite zu einer mehligen grauen Erde, die durch 
Bildung von Manganhydroxyd auch oft schwarzbraun gefärbt ist, verwittert. In den unteren und mitt 
leren Lagen dagegen sind sie ziemlich scharfkantig und fest, als wären sie erst vor kurzer Zeit ge 
brochen worden. Nicht unter dem heute herrschenden Klima können sie abgelagert worden sein, sonst 
wären sie viel stärker von der Verwitterung angegriffen worden. 
In den Quarzporphyr- und Porphyrtuffbrüchen östlich von Chemnitz und bei Hohenstein und Ernst 
thal ist vom Gestein eine 1— 2 m mächtige Lößlehmdecke abzuräumen. In den obersten Schichten ist der 
Lehm steinfrei, wenn er nicht zu wenig mächtig ist. Aber je weiter er von der Oberfläche entfernt liegt, 
um so mehr ist er von Gesteinstrümmern des Liegenden durchsetzt. Das Anstehende ist schließlich in 
allen Richtungen stark zerklüftet. Überall ist Lehm eingedrungen. Nach einer Übergangsschicht von 
nahezu einem Meter stößt man erst auf einigermaßen brauchbare Gesteinsbänke. Die Gesteinstrümmer 
sind scharfkantig und haben die Form von flachen Platten. Diese liegen dicht über den festen Bänken 
wagerecht, doch je mehr der umgebende Lehm zunimmt, desto mehr sind sie aufgerichtet. 
Wo in alten aufgelassenen Steinbrüchen Porphyrtuff oder Quarzporphyr schon viele Jahrzehnte 
der Witterung ausgesetzt waren, sind Oberfläche und Kluftflächen von einer Verwitterungsrinde, die 
aus mürbem Gestein besteht, überzogen. Die Klüftung ist jedoch nur gering. Das steht im Einklang mit 
der jetzt herrschenden Verwitterung, bei der die chemische Aufbereitung des Gesteins gegenüber der 
mechanischen die Überhand gewinnt. Das stark zerklüftete, aber stets scharfkantige 
Gestein unter- und innerhalb der Lehmdecke läßt das Über wiegen der mecha 
nischen Verwitterung erkennen. Das tritt am stärksten in einem kalten Klima 
auf, in dem die Frostsprengung selbst die härtesten Gesteine zu zertrümmern 
vermag, deren Trümmer aber unzersetzt und scharfkantig bleiben. Wie ist aber 
die innige Durchmischung des Lehms mit den Steinen zu erklären? 
Der Bornabach nördlich von Chemnitz zerschneidet im Talanfang ungefähr 15 m über der Talsohle 
eine Schotterterrasse der Chemnitz. Die Schotter sind zum Teil von Gehängelehm, zum Teil von Bänder 
ton überdeckt. Die Grenze zwischen Ton und Schotter ist ungestört (Bild 1), zwischen Gehängelehm 
und Schotter aber vollständig verwischt (Bild 2 u. 3). Die Übergangsschicht beträgt 50—-75 cm. Oberhalb 
liegt fast steinfreier Lehm, unterhalb ungestörter Schotter, der eine deutliche Schichtung aufweist. Die 
Gerolle sind parallel gelagert oder auch stellenweise etwas schräg gestellt, so wie sie bei Absatz in stark 
fließendem Wasser sich vor Hindernissen aufstauen. In der Übergangsschicht sind sie dagegen meist 
halb oder ganz aufgerichtet. Sie befinden sich in schwebender Lagerung. 
In horizontaler Richtung wechseln in der Übergangsschicht in ungleichen Abständen Lehman 
reicherungen ständig mit Steinanreicherungen. Die Schotter greifen girlandenförmig in den Lehm ein. 
Auf Bild 2 sind die Steinanreicherungen durch 2 Hacken und einen Schaufelstiel gekennzeichnet. Auf 
Bild 3 ist eine einzelne Kiesanreicherung abgebäldet worden. Ähnliche Steingirlanden wurden beobachtet 
in alten Schottern des Gersdorfer und des Mülsenbaches. 
In der Kiesgrube Benedix in Gersdorf konnte beobachtet werden, wie diese Steingirlanden gerade 
angehackt wurden. In kurzer Zeit veränderte sich das Bild. Wo erst eine Steinanreicherung sich befand, 
überwog jetzt der Lehm und umgekehrt. An einer Stelle machten die Steine dem Lehm Platz, nachdem 
annähernd 25—30 cm tief die Wand aufgehackt war. Bei den benachbarten Lehmanreicherungen folgten 
schon nach 15 cm Kiesanreicherungen. Die Grube zeigte nach einem halben Jahr die gleiche Anordnung 
der Schotter zum Lehm, obwohl ständig Kies abgefahren worden war.
	        
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