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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Nr. 7. 
bestehen. Aus irgend einer Ursache müssen sowohl die linken als auch die rechten Nebenbäche der 
Pleiße und Mulde die Richtung SO — NW vorziehen. Nur wenn sie so gerichtet sind, sind sie kräftig ent 
wickelt. östlich der Hauptflüsse fällt die bevorzugte Richtung mit der Abdachung des Beckens zu 
sammen. Die Nebenbäche sind sehr lang. Die Wasserscheide ist vom Haupttal weit nach Osten abge- 
rückt. Westlich der Hauptflüsse liegt die bevorzugte Richtung der im Sinne der Abdachung des Beckens 
liegenden Fließrichtung der Nebenbäche (SW—NO) gerade entgegen. Die Mehrzahl der Bäche nimmt 
deshalb eine Zwischenrichtung zu NW—SO und der durch die Abdachung gegebenen Richtung SW—NO 
ein. Sie fließen von WSW nach ONO oder sehr häufig von W nach O, sind aber meist sehr kurz. 
(Vgl. Fig. 1.) Die Wasserscheide ist nur wenig vom Hauptfluß entfernt. 
c) Die Ungleiehseitigkeit des Talprofils. 
Betrachtet man die Querprofile der Nebenbäche der Mulde und Pleiße, so 
fällt auf, daß diese ungleichseitig sind, d. h. gleichgerichtete Talhänge sind durchgängig 
steiler als ihre Gegenhänge. Am auffälligsten ward diese Talasymmetrie, wenn man eine Wanderung 
von Süden nach Norden quer zu den Nebentälern der Mulde oder Pleiße unternimmt. In einem sehr 
geringen Gefälle kommt man von den Nordhängen der Zwischentalrücken herab zur Talaue. Das Süd 
gehänge ist aber nun in einem schroffen Steigen von bisweilen 35° zu erklimmen. Ist man 30 oder 40 m 
über der Aue, so wird die Böschung sanfter. Der breite Rücken der Wasserscheide ist erreicht. Dasselbe 
wiederholt sich mit jedem Tale. Die nordwärtsschauenden Hänge besitzen eine sehr sanfte, die südwärts 
schauenden eine steile Böschung. (Vgl. Fig. 1 u. 2 u. Bild 4.) 
Die pflanzliche Bedeckung unterstreicht diese Gegensätze. Auf den flachen Hängen ziehen sich die 
Felder von der Wasserscheide bis zur Talaue hinab. Die Aue zeigt grüne Wiesenflächen, die steilen 
Hänge dagegen sind zur landwirtschaftlichen Bestellung ungeeignet. Sie sind meist mit Wald bestanden. 
Bemerkenswerte Gegensätze zeigt auch der Untergrund der beiden Hänge. Auf dem steilen Hang 
geht das Grundgebirge zutage aus. Der flache Hang aber ist mit Lößlehm bedeckt. Dieser nimmt von 
der Höhe nach der Talsohle an Mächtigkeit zu. In zahlreichen Ziegeleigruben ist er bis zu 10 m aufge 
schlossen. Der Lehm wdrd stets von einer dünnen Schotterschicht unterlagert. Darunter erst steht das 
Grundgebirge an. (Vgl. Fig. 5.) 
Die Ungleichseitigkeit des Talprofils ist von den kartierenden Geologen zuerst beschrieben worden. 
Sie haben auch sofort erkannt, daß sie an gewisse Talseiten gebunden ist. In den Erläuterungen der 
geologischen Spezialkarte der Sektion Stollberg-Lugau sagt Th. Siegert 1881: 
„Steile Erhebungen kommen in diesem ganzen Gebiet nirgends vor, schroffe Talgehänge aber auf den nach 
Süden und Westen gerichteten Seiten der meisten Täler.“ 
Ähnlich sind die Urteile darüber in den Erläuterungen der übrigen Sektionen des Erzgebirgsbeckens. 
E. Zimme r m a nn (122) sagt etwas deutlicher: 
„Die nach Süden bzw. Südwesten bzw. nach Westen schauenden Talseiten sind steiler, unabhängig vom geologi 
schen Alter, Bau und jjetrographischen Charakter des Gesteins und unabhängig davon, in welcher Richtung 
das Gewässer das Tal durchfließt. Gleichgiltigkeit bekunden nur SW—NO-Täler.“ 
SW—NO-Täler sind als direkte Nebenbäche von Mulde und Pleiße selten, wie festgestellt worden ist. 
Vielleicht bestehen Beziehungen zwischen der Ungleiehseitigkeit des Talprofils und der Ungleichseitig 
keit des Flußgebietes. Eine grobe Untersuchung in dieser Richtung schon bestätigt die Vermutungen. 
Die NW—SO-Richtung wird von den Nebenbächen bevorzugt. Das Querprofil der in dieser Rich 
tung liegenden Täler scheint am ungleichseitigsten zu sein. Die westöstlichen Täler sind wohl noch un 
gleichseitig, aber lange nicht so bedeutend wie in der Richtung SO—NW. Demnach besteht eine Ab 
nahme der Asymmetrie von den Tälern der bevorzugten Richtung SO—NW über die westöstlichen nach 
den siidw'estnordöstlichen Tälern, bei denen die Ungleiehseitigkeit fast verschwunden ist. Die südnörd 
lichen Täler zeigen steilere, nach Westen schauende Talseiten, aber im Durchschnitt sind sie nicht so
	        
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