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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. 3STr. 7. 
Zusammenfassend ist zu sagen, daß das Erzgebirgsbecken oberflächlich 
in der Hauptsache aus losen, schüttigen leichtabspülbaren Schichten des 
Rotliegenden und Unteroligozäns gebildet wird. Zur Elstereiszeit wurden Geschiebe 
lehm, Glazialsande und Kiese auf den Höhen, Bändertone auf bestimmten Flußterrassen abgelagert. 
Nach dem Rückzuge des Eises haben die Flüsse in mehrfachem Wechsel von Aufschotterung und 
Erosion ihre Täler weiter ausgestaltet. Außerdem wurden Höhen und Täler von Lößlehm überkleidet, 
der auf den steilsten Hängen aber ganz fehlt. 
III. Orographischer und hydrographischer Überblick. 
Das Erzgebirgsbecken ist im geologischen Sinne ein Becken, nicht aber im morphologischen. Es 
gliedert sich in die Nordabdachung des Erzgebirges ein. Eine Störung bedingt der Glimmerschieferwall 
des Mittelgebirges nördlich von Hohenstein und Ernsthai. Er überragt das Becken im Norden auf einer 
Strecke von ungefähr 10 km. Die größten Höhen des Beckens liegen an seinem Südrande, die geringsten 
im Norden, ln einem steten Gefälle von meist weniger als 0,5° senkt sich die Ebene, die die höchsten 
Punkte der Zwischentalrücken berührt, von Süden nach Norden. Westlich von Zwickau liegen die 
größten Höhen um 360 m, östlich jedoch um 480 m. Wie ein kleines Sondergebirge überragen die Berg 
rücken zwischen Ölsnitz, Zschocken und Zwickau-Reinsdorf den Beckenrand. 
Hält man von diesen Höhen Umschau, so fällt auf, daß das Landschaftsbild etwas Eintöniges an 
sich hat. Breite, gleichförmige Bergrücken reihen sich aneinander. Nirgends ragt ein schroffer Berg 
hervor. Auch die großen Täler, die doch über 80 m in das breitwellige Hügelland eingesenkt sind, zeigen 
keine besonderen landschaftlichen Schönheiten. 
Ganz im Gegensatz dazu stehen die Täler südlich und nördlich des Erzgebirgsbeckens in den 
Schiefergürteln des Kirchberger Granitgebietes und des Mittelgebirges. Dort reihen sich Talschlingen 
an Talschlingen, Talweite an Talenge. Großartige Felsabstürze begleiten den Fluß. 
Nichts von all dem ist im Becken zu sehen. Die Täler sind geradlinig. Nur um wenige Prozent über 
trifft die Tallänge die zugehörige Luftlinie. Die Talgehänge, nur selten übermäßig steil, fassen breite 
Talauen ein. Wenig nur werden die Talflanken durch breite Terrassen gegliedert, und diese nur zeigen 
auf größere Strecken steile Abstürze nach der Aue. Felsbildung gibt es nicht. 
Eine Ausnahme machen die vulkanischen Gesteine des Mittelrotliegenden, die nur in schmalen, oft 
unterbrochenen Streifen am Rande des Beckens anstehen. Ihre landschaftlichen Formen gleichen viel 
eher denen der umgebenden Schiefergürtel. Bei einer morphologischen Beschreibung des Erzgebirgs 
beckens sind diese Gebiete getrennt zu behandeln. Von sehr geringer Ausdehnung sind sie bei Alten 
burg, bei Hohenstein und Ernstthal, ferner südlich von Zwickau, weit größer aber östlich von Chemnitz. 
Dort ist das Becken so schmal und seicht geworden, daß die sonst verdeckten vulkanischen Gesteine des 
Unterrotliegenden zur Hauptgeltung kommen können. 
Der petrographische Vergleich der Schiefergürtel am Rande mit den Hauptgesteinen des Beckens 
gibt uns sofort die Erklärung der Formenunterschiede. Im ersten Falle wechseln von Talschlinge zu 
Talschlinge auch die Schiefer in ihrer Widerstandskraft gegen das erodierende Flußwasser. Die Ge 
hänge werden nur sehr langsam abgeflacht, da die Schiefer ein festes Material darstellen. Im Becken 
dagegen steht, mit Ausnahme der oben erwähnten Randgebiete, ein loses, schüttiges, gleichmäßig ab- 
spülbares Material dem Flusse entgegen. Dieser wird nie durch härteres Gestein abgedrängt. Das Tal 
folgt in verhältnismäßig gerader Linie der allgemeinen Abdachung. Ausgeglichene Formen herrschen 
sowohl an den Talgehängen als auch auf den Höhen vor. 
Das Erzgebirgsbecken ist Durchgangs- und Zuflußgebiet für die im Erzgebirge und Vogtlande ent 
springenden Flüsse. Der größte Teil wird durch Pleiße und Mulde entwässert. Ganz im Osten haben 
Chemnitz und Zchopau nur einen kleinen Anteil, da das Becken dort sehr schmal ist.
	        
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