Dr. Heinrich Lösche: Lassen sich die diluvialen Breitenkreise usw. rekonstruieren?
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lagerung von Konglomeraten, Schieferletten und Sandsteinen; eingeschaltet lagern Porphyrtuffe mit
Decken oder stromartigen Ergüssen von Melaphyr, Pechstein und Quarzporphyr. Die vulkanischen Ge
steine finden sich nur an wenigen Stellen am Rande des Beckens oberflächlich anstehend. Schreitet man
von diesen Randpartien zur Beckenmitte vor, so stößt man nacheinander auf ziegelrote Schieferletten,
kleinstückige Konglomerate und dolomitische Sandsteine des Oberrotliegenden.
Im Nordwesten, auf Sektion Meerane, greifen von Thüringen her die Stufen der Plattendolomite und
der oberen bunten Letten des Zechsteins und konkordant auflagernd Sandsteinschichten, die von teils
glimmerreichen, teils tonigen Letten durchsetzt werden, ferner Konglomerate des unteren Buntsand
steins auf das Erzgebirgsbecken über. Diese Schichtenserie ist aber nur wenig mächtig und besitzt inner
halb des Beckens nur geringe Verbreitung. Ganz im Nordwesten bildet sie eine sehr flache Mulde.
Es folgen nun diskordant Sande, Tone und Kiese des Unteroligozäns. Schichtfläche und Auflage
rungsfläche zeigen ein kaum meßbares Fallen von annähernd 0,5° nach Norden. Diese Schichtfolge ist
durch die Erosion in einzelne Lappen zerteilt, die nur auf den höchsten Rücken liegen. Zechstein und
Buntsandstein stehen nur im Nordwesten des Beckens an.
Das bei weitem ausgedehnteste Areal nehmen die ziegelroten Schieferletten, die kleinstückigen
Konglomerate und die dolomitischen Sandsteine des Rotliegenden ein. Diese Sedimente sind in der Tiefe
feste Gesteine. Sie können mit der Spitzhacke nur sehr schwer bearbeitet werden. Doch oberflächlich
sind die Schieferletten ein lehmiges, die Sandsteine und Konglomerate ein loses, schüttiges, leicht ab-
spülbares Material, denn durch die Tageswässer ist das meist kalkige oder dolomitische Bindemittel aus
gelaugt worden.
Was über die Verbreitung der einzelnen Schichten gesagt worden ist, gilt für eine abgedeckte
geologische Karte, auf der die diluvialen Ablagerungen vernachlässigt wurden. Das Diluvium bedeckt
aber mehr oder weniger alle Höhen und flachen Talgehänge des Erzgebirgsbeckens.
Die Vereisung reichte im westlichen und östlichen Teile des Erzgebirgsbeckens bis dicht an die
Südgrenzen desselben. Nur der mittlere Teil ist eisfrei geblieben. Der 480 m hohe Glimmerschieferwall
des Mittelgebirges nördlich von Hohenstein hielt das Eis ab. Die Vereisung wird der ersten oder Elster
eiszeit zugerechnet. Als Zeugen dieser Eisbedeckung liegen auf den breiten Zwdschentalrücken Ge
schiebelehm und Glazialsande und Kiese, auf einzelnen Flußterrassen Bändertone, die nach einer Theorie
in den durch das vorrückende Eis zu Stauseen verwandelten Flußläufen sich ablagerten. Da der Ge
schiebelehm nur wenig mächtig ist, kann das Eis nur verhältnismäßig kurz im Erzgebirgsbecken ver
weilt haben. In den Hauptperioden des Diluviums lag das Eis im Norden. Das Becken gehörte dem
unvereisten Vorlande an.
Die Talgehänge der großen Wasserläufe: Pleiße, Mulde und Chemnitz werden zu beiden Seiten von
Terrassenschottern begleitet, die sich im Muldentale bis zu einer Höhe von mehr als 80 m über der Talaue
finden. Die Schichtung der Schotter folgt niemals der Fallrichtung der Gehänge, sondern ist stets
horizontal. Grahmann (29) hat im Muldental bei Zwickau die untere Kante der Schotter verfolgt. Diese
senkt sich in acht Stufen oder Terrassen bis unter die Talaue, von denen die höchste Terrasse 85 m über,
die tiefste 4—5 m unter der Aue liegt. Die Terrasse von 48 m Höhe ist konkordant verbunden mit glazi-
genen Gesteinen: Bänderton und Geschiebelehm. (Vergl. Figur 5.) Sie muß deshalb der Vorstoßphase
der Elstereiszeit angehören. Die zwei höheren sind präglazial, die fünf tieferen sind nach der Elster
eiszeit auf geschottert worden. Im Muldental ist demnach nachgewiesen, daß mindestens achtmal eine
Aufschotterungsphase mit einer Erosionsphase wechselte.
Die Terrassenschotter sind von mächtigem Lößlehm verdeckt. Der Lößlehm des Erzgebirgsbeckens
steht im kontinuierlichen Zusammenhang mit dem Altenburger Löß. Je mehr man von Norden nach
Süden das Erzgebirge besteigt, um so feinkörniger und kalkärmer wird der Löß. Er wird zum Lößlehm.
Mehr oder weniger mächtig überzieht er alle Höhen und Täler. Auf den Wasserscheiden ist seine Mäch
tigkeit höchstens 2 m, aber auf den flachen Talgehängen, auf den Schotterterrassen bisweilen 10 m. Sehr
steile Talgehänge sind stets frei von Lößlehm.