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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Nr. 7.
stellt werden, daß auch bei ihnen Richtungen der größten und geringsten Talungleichseitigkeit bestehen,
die senkrecht zueinander liegen, so ließen sich genauere Angaben über die Lage des Pols im Diluvium
machen.
Das Hauptproblem der vorliegenden Arbeit ist damit gegeben.
Das Erzgebirgsbecken war dem Verfasser besonders vertraut, da er von 1919 bis 1926 dort gewohnt und von 1926
ab in jedem Jahre mehrere Monate dort verbracht hat. Im Sommer 1928 erhielt er das Thema. Die Begehung des
Geländes wurde von Anfang August bis Ende Oktober durchgeführt. Um ein rechtes Bild über die Kräfte, die
jetzt in der Landschaft wirksam sind, zu erhalten, mußte die Untersuchung auch. auf die verschiedenen Jahreszeiten
ausgedehnt werden. Die Beobachtungen wurden in diesem Sinne von Mitte Dezember bis Mitte Januar und von Anfang
März bis Anfang Mai 1929 fortgesetzt. In der Zwischenzeit und besonders im Sommer 1929 wurde das Material über
arbeitet und Anfang Dezember konnte die vorliegende Arbeit abgeschlossen werden. Da es dem Verfasser ver
gönnt war, sie an Ort und Stelle niederzuschreiben, konnten auch in dieser Zeit stets kleinere Exkursionen unter
nommen werden.
Die Untersuchungen blieben im wesentlichen auf das Gebiet der Meßtischblätter beschränkt, die das Erzgebirgs-
becken darstellen. Es sind die Sektionen: Chemnitz, Hohenstein, Glauchau, Altenburg, Meerane, Langenbernsdorf,
Zwickau-Werdau, Lichtenstein, Stollberg-Oelsnitz und Planitz. Die Entfernung, die von Zwickau, das an der Süd
grenze des Erzgebirgsbeckens liegt, nach den Randgebieten zurückgelegt werden mußten, betragen nach Westen rund
15 km, nach Nordnord westen 18 km, nach Norden 25 km, nach Nordnordosten 15 km, nach Ostnordosten 35 km und
nach Osten 12 km. (Vgl. Fig. 1.) Das Untersuchungsgebiet hat annähernd einen Flächeninhalt von 800 qkm.
Da die Talungleichseitigkeit durchaus nicht auf das Erzgebirgsbecken allein beschränkt ist, sondern nur dort
am auffälligsten in Erscheinung tritt, wurden die Beobachtungen stets auch auf die Randzonen der umgebenden
Granitgebiete ausgedehnt. Ferner wurden Vergleichsuntersuchungen in den Trockentälern der Endmoränengebiete
zwischen Harburg und Hittfeld vorgenommen. Im eigentlichen Untersuchungsgebiet des Erzgebirgsbeckens wurde
jedes Nebental erster Ordnung der Pleiße und Mulde vom Quellgebiet bis zur Mündung verfolgt. Die Nebentäler
zweiter Ordnung der Mulde und Pleiße und die Nebentäler der Chemnitz wurden, wenn nicht vollständig abgewandert,
so doch wenigstens im Quellgebiet, Mittellauf und Mündungsgebiet auf den zahlreichen Exkursionen berührt.
Besondere Aufmerksamkeit wurde auf alle größeren Aufschlüsse verwendet, wie sie sich in den zahlreichen
Ziegelei- und Kiesgruben bieten. Es war ein glücklicher Zufall, daß im Sommer 1928 noch die gewaltigen Auf
schlüsse zu besichtigen waren, die beim Talsperrenbau in dem stark ungleichseitigen Kobertale angelegt worden
waren. Von der Bauverwaltung und von dei Sächsischen Geologischen Bundesanstalt wurden in liebenswürdiger
Weise die geologischen Profile zur Verfügung gestellt. Den Landesgeologen, Herrn Dr. K. Pietsch und Herrn
Dr. R, Grahmann, die den Verfasser außerdem noch durch wertvolle Ratschläge unterstützten, sei an dieser
Stelle nochmals lierzlichst gedankt.
II. Der geologische Bau des Erzgebirgsbeckens.
Die Formen einer Landschaft sind bestimmt durch die Kräfte, die von der Witterung abhängig sind
und von außen auf die Landoberfläche einwirken, ferner durch den Widerstand, den der Untergrund
gegen die angreifenden Faktoren ausübt. Um die Wirksamkeit dieser gestaltenden Kräfte recht be
urteilen zu können, ist in einer morphologischen Untersuchung eine Beschreibung der Beschaffenheit
und Lagerung des anstehenden Gesteins, d. h. ein Überblick über den geologischen Bau des zu unter
suchenden Gebietes an die Spitze zu stellen.
Das Erzgebirgsbecken ist eine breite Schichtmulde, die zwischen den Aufwölbungen der Kirch-
berger Granitmasse und des Mittelgebirges liegt. Von Nordwesten greift es in das Erzgebirge ein.
Zwischen Zwickau und Glauchau erreicht es seine größte Breite. Von hier ab ändert es seine Richtung.
Es zieht sich immer schmäler werdend nach Nordosten, in der Richtung auf Chemnitz hin.
Das Becken ist von jungpaläozoischen Ablagerungen ausgefüllt. Zu unterst, auf altpaläozoischen
Schiefern aufliegend, ist produktives Steinkohlengebirge teilweise vorhanden, das aber nur an ganz
wenigen Stellen am Rande zutage tritt.
Durch eine Erosionsphase getrennt, folgt das Mittel- und Oberrotliegende. Die einzelnen Schichten
zeigen ein schwaches Fallen zur Beckenmitte hin. Das Mittelrotliegende besteht aus einer Wechsel