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Full text: 48, 1929/1930

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Ans dem Archiv der Deutschen See warte. — 48. B<d. Nr. 1. 
Feuchtigkeitsgehalt der Luft noch rasch vorübergehende Maxima und Minima, sondern nur ununter 
brochene Perioden über viele Stunden und Tage (R. F. = 0 bis 10%) in Frage. 
(10) Cit. Hann, Handb. d. Klimatol. (1911), III., p. 271. 
(11) Vergl. Hann, Handb. d. Klimatol., I., p. 59. 
(12) In Süd-Chile (Frontera und Seenregion) kann sogar bei einer relativen Feuchtigkeit von nur 
30 % ein sehr erhebliches Schwülegefühl auf kommen, und zwar zur Zeit der Roces (angelegte 
Waldbrände zur Vorbereitung der Kulturen). Die Temperatur steigt dann auf 30° im Schatten. Das 
Schwülegefühl in diesem Falle ist aber wahrscheinlich überhaupt nicht allein von den Ver- 
hältnissen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit sondern noch von einigen anderen 
Faktoren abhängig. Dorno-Davos wies auf die Möglichkeit hin, daß Strahlungseinflüsse (Wärme 
stauung durch Ultrarotstrahlung) mitsprechen könnten. 
(13) Bei mittleren und niederen Temperaturen und hoher relativer Feuchtigkeit wird die Luft häufig 
„feucht-kalt“ genannt. Hierzu sei eine wohl allgemein zu bestätigende Erfahrung d. V. mitgeteilt. Ich 
verbrachte in Puerto Varas (<p = 41° 17' S, / = 75° 57' W) an den Ufern des Llanquihue-Sees mehrere 
Wintermonate, d. h. die Jahreszeit mit den „feucht-kalten“ Tagen. Es scheint, daß der Ausdruck „feucht 
kalt“ angebracht ist, wenn bei niedrigen Temperaturen und bedecktem Himmel (Strahlungsmangel) lang 
andauernde Niederschläge eintreten, so daß der Boden aufgeweicht wird. Es findet dann ein „Feucht- 
und Kaltwerden“ vorzüglich des Schuhwerks und der Füße, unter Umständen auch der ganzen Kleidung 
statt. Dieser Zustand und die damit verbundenen Empfindungen können eine Zeitlang nach Beendi 
gung des Regens anhalten, besonders wenn die Heizung in der Wohnung eine ungenügende ist. So 
bestand, in Puerto Varas noch das Gefühl „f e u c h t - k a 11“, wenn die relative Feuchtigkeit wieder 
mittlere Werte, etwa 60%, erreicht hatte. Umgekehrt konnte man unter den gleichen Bedingungen der 
Temperatur und Bewölkung, wenn der Boden trocken und somit kein Einfluß kondensierter Feuchtig 
keit vorhanden war, beim besten Willen den atmosphärischen Zustand nicht als „feucht“ bezeichnen, 
selbst wenn ein Wert von 90 % bestand. Noch weniger trat die Empfindung „feucht“ auf, wenn bei 
hohen Werten der relativen Feuchtigkeit der Himmel wolkenlos war. 
Diese Erfahrungen zeigen wiederum, daß wir nicht durch das klimatische 
Element der relativen Feuchtigkeit veranlaßt werden, die Luft als trocken 
oder feucht zu bezeichnen. Ueberdies spielt das häusliche Klima (Oefen, Baumaterial, Art der 
Fenster usw.) in unserer empfindungsmäßigen positiven oder negativen Beurteilung des natürlichen 
Klimas eine Rolle (vergl. W. Knoche, Betrachtungen über das Klima von Santiago. Meterolog. 
Zeitschrift 8, p. 392, 1914). 
Da im allgemeinen vor und nach den Niederschlägen eine hohe relative Feuchtigkeit herrscht, 
schreiben wir gerne irrtümlicherweise die Empfindung „f e u c h t - k a 11“ diesem Zustande zu. 
In Santiago tritt diese Empfindung z. B. bei Temperaturen von 8—14° und leichter Garua vorzüglich 
zur Frühlingszeit am späten Nachmittag oder nachts auf. Die Luft ist sichtig, die Feuchtigkeit zeigt 
Werte von mehr als 80 %, aber ohne Sättigung zu erreichen. Auf dem Pflaster bemerkt man (Aus 
strahlungserscheinungen) feuchte Flecke, die gelegentlich bald verschwinden; an den Wangen spürt man, 
hervorgerufen durch feinste schwebende Tröpfchen, ein leichtes Gefühl des Prickelns. Wenn umgekehrt 
in heiteren Winternächten die Schattentemperatur auf 0° oder Minusgrade herabsinkt, und dabei die 
relative Feuchtigkeit auf 90 % und mehr steigt, empfindet man in Chiles Hauptstadt eine starke Kälte, 
ohne sich aber in diesem Falle bewußt zu werden, daß der Wasserdampfgehalt ein hoher ist (Effekt 
der Ausstrahlung des menschlichen Körpers). In der Kordillere hat man selbst bei Kon 
densation des Wasserdampfes, wenn die Niederschläge als feiner Pulverschnee fallen, b e i 
tiefen Temperaturen nicht das Gefühl von „feucht-kal t“. 
(14) Nur wenn die relative Feuchtigkeit bei erhöhten Temperaturen (> 20°) bestimmte Werte an 
nimmt, so empfinden wir Schwüle. Das durch die Hauttranspiration abgehende Wasser kann nicht
	        
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