Herbort Kestnor: Die kritische Tiefe bei Meeresteilen und Binnenseen.
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Die Zeichnungen und Berechnungen wurden ausgeführt nach der russischen Karte des Kaspisees
im Maßstab 1 :3 388 520, herausgegeben von der hydrographischen Anstalt 1918.
9. Eine ganz andere Bodenform hat der Baikalsee. Als Grundlage wurde die Karte verwandt:
Generalkarte des Baikalsees, zusammengestellt nach den Berichten der hydrographischen Expedition an
den Baikalsee 1897—1902, Maßstab 1:84 000. Es wurden folgende Profile gelegt:
a) Durch die ganze Längenerstreckung Majak Dagarsky — Kultuk, Tiefenquotient 1771 : 8841
(Prof. 9a, Taf. 3).
b) Gerade Erstreckung des nördlichen Teils, westlich von Majak Dagarsky — Kap Baklany,
Tiefenquotient 1773 :2620.
c) Quer durch das Becken des nördlichen Teils Saworotny — Bucht Sosnowka, Tiefenquotient
981 : 91 (Prof. 9c, Taf. 3).
d) Nördliche Spitze der Insel Oljchon (Kap Hoboi — südliche Spitze der Halbinsel Sw jato i Noss
(Nosa), Tiefenquotient 1916:71 (Prof. 9 d, Taf. 3).
e) Quer durch das südliche Becken, Kap Berjosowy — Gor Mysowsk, Tiefenquotient 1688:90
(Prof. 9e, Taf. 3).
Da der Baikalsee einen von Südwesten nach Nordosten gerichteten Bogen bildet, ließ sich nicht
ohne weiteres ein Längsprofil legen. Dieses mußte vielmehr in der Form eines Polygonzuges geschehen,
der dann bei der Zeichnung rektifiziert wurde. Für jedes einzelne Stück mußte dabei die genaue
absolute Länge mit Hilfe der an der Seite der Karte befindlichen Gradeinteilung und außerdem das
Azimut bestimmt werden, um dann die Gesamtlänge und das mittlere Azimut zu berechnen. — Aus der
Zeichnung (Prof. 9a, Taf. 3) ist ersichtlich, daß der See in drei Becken zerfällt. Der mittlere Teil zeigt
die größten Tiefen. Nach Norden zu nehmen die Tiefen dann ab, um in dem nördlichen Teil nahezu
gleich zu bleiben. Das südliche Becken wird durch das große Delta des Selenga-Flusses vom mittleren
geschieden. Charakteristisch ist hier, daß durch den plötzlichen Abfall im Süden die kritische Tiefe
etwas unterschritten wird, wodurch hier eine kleine Konkavität auftritt. Trotzdem ist aber der Baikal
see infolge seiner gewaltigen Längenausdehnung, obgleich er der tiefste aller Seen überhaupt ist, in
seiner Längserstreckung konvex. In der Breite ist er natürlich überall konkav. Die Querprofile
spiegeln sehr deutlich die Entstehung des Sees, die durch Einbrüche bedingt ist, wider. Bemerkens
wert ist der rasche Abfall der Ufer, eine Erscheinung, die besonders stark beim Prof. 9e (Taf. 3) in die
Erscheinung tritt.
10. Eine ähnliche Bodenkonfiguration besitzt der Tanganyika-See, der ja eine gleiche Entstehungs
geschichte aufweist. Es stand die Tiefenkarte des Tanganyika-Sees im Maßstab 1:1 000 000 mit den
Lotungen des Kapitäns Jakobs und Dr. Stappers zur Verfügung.
Der See wurde in folgenden Querschnitten untersucht:
a) Ganze Länge im Polygonzug, nördlich von Uvira — westlich von Kituta, Tiefenquotient
1170 : 8264 (Prof. 10a, Taf. 3).
b) Durch die größte Tiefe des nördlichen Beckens Musama — Ras Remba, Tiefenquotient
1277 : 87,5 (Prof. 10b, Taf. 3).
c) Schmälste Stelle in der Mitte Ras Tembwe -Edith Bai, Tiefenquotient 800:53 (Prof. 10c, Taf. 3).
d) Durch die größte Tiefe des Sees in 7° 20' Breite, Tiefenquotient 1435 : 19,2.
e) Südlicher Teil Vua—Kala, Tiefenquotient 791:42,4 (Prof. lOe, Taf. 3).
Auch hier zeigt das Längsprofil wieder deutlich eine Trennung des Sees ln drei Becken, die durch
zwei Schwellen voneinander getrennt sind. Im Ganzen zeigt der Boden einen konvexen Verlauf, während
er in der Breite überall entsprechend dem Baikalsee stark konkav ist. Auch hier stürzen die Ufer außer