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Full text: 48, 1929/1930

Walter Knoche : Der „Anstrocknungswert“ als klimatischer Faktor. 
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herabsetzen. Einer der Bergsteiger urinierte auf 6400 m 16—18 Stunden lang überhaupt nicht, ein 
anderer während seines Abstieges von 8500 m 24 Stunden lang nicht.“ 
Es ist hiernach nicht ausgeschlossen, daß eine Anreicherung von Harnstoff stattfindet, welche bei 
Personen mit im normalen Leben verborgenen Anzeichen eines kardiorenalen Symptomenkomplexes zu 
urämieähnlichen Anfällen führt. Gerade das anfallsweise Auftreten schwerer Bergkrankheit, verbunden 
mit typischen Kopfschmerzen, scheint die geäußerte Annahme zu stützen. 
R. M o o g (Cpt. rend, des séances de la soc. de biol. Bd. 73, S. 131, 1912) hat übrigens als Erster eine 
ähnliche Auffassung geäußert, ohne allerdings an den Einfluß excessivster Lufttrockenheit zu denken. 
Diese Betrachtungen sind nur als Ergänzung zu der bestehenden Aetiologie der Bergkrankheit 
aufzufassen, wie sie in vorzüglicher Weise von Joseph Baroft (Die Atmungsfunktion des Blutes, I. Teil, 
Verlag Springer, Berlin 1927) gegeben wird. 
Die Bergkrankheit kann auch durch gewisse hygienische Maßnahmen vermieden oder doch ge 
mildert werden. Z. B. wird den Besuchern der Mine Collahuasi empfohlen, in großen Mengen Tee 
(Lindenblütentee mit Zitrone) zu sich zu nehmen, auch wenn kein Durstgefühl besteht, eine Maßnahme, 
die zweifellos darauf abzielt, die Wasserabgabe des Organismus auszugleichen. Umgekehrt ist Alkohol 
zunächst untersagt, wird aber nach Gewöhnung an die großen Höhen hier besser vertragen als in der 
Ebene. 
(5) Yergl. Hann, Handb. d. Klimatol. (1911), I., p. 50. 
(6) Die Unterschiede in der Dicke und der Art der Behaarung, besonders der Lanugo, können 
individuelle Unterschiede in der Empfindlichkeit gegenüber der Lufttrockenheit bewirken, da verschie 
den starke elektrische Aufladungen die Folge sind. Wir haben hier einen Faktor, welcher die indivi 
duelle Verschiedenheit des Verhaltens einem klimatischen Element gegenüber erklärt. So gibt 'es Per 
sonen, welche von der außerordentlichen Trockenheit kaum berührt werden, andere leiden im Anfang 
unter dieser Erscheinung, später nicht mehr (Akklimatisation), und eine dritte Kategorie spürt den Ein 
fluß der Austrocknung erst nach längerem Aufenthalt! 
(7) Wenn ein negatives Hautpotential vorhanden ist, wird dadurch der 
Niederschlag radio-aktiver Substanzen begünstigt (Induktionen nach Elster und 
G e i t e 1 — Drahtmethode zur Messung der atmosphärischen Radio-Aktivität). 
Wir haben also primär eine außerordentliche Trockenheit der Luft und, durch diese bedingt, 
Strahlungen (a-, ß-, -/-Strahlen) von Radium, Thorium und Aktinium, die auf der Haut niedergeschlagen 
sind. Hierbei ist zu beachten, daß der Gehalt radio-aktiver Substanzen in der Hoch-Kordillere wie auch 
in den Alpen gegenüber der Ebene oft stark erhöht ist und daß, auch wenn das negative Haut-Potential 
ein nur geringes ist, die radio-aktive Konzentration, durch die lange Zeit bedingt, relativ erheblich sein 
kann. Möglicherweise wird durch einen derartigen radio-aktiven Belag der Haut in einem excessiven 
Trockenklima unter Beeinflussung der Vasomotoren ein Zustand geschaffen, welcher die Anoxaemie 
erhöht. 
(8) Die Lungentuberkulose kann nicht für diese Blutungen verantwortlich gemacht werden, da sie 
bis vor Kurzem unter den Eingeborenen der chilenischen, bolivianischen und peruanischen Hoch-Step 
pen unbekannt war. Im Gegenteil waren jene Gebiete in den südamerikanischen Westküstenländern 
dafür bekannt, daß ihr Klima stärkste therapeutische Wirkungen besonders bei Tbc. ausiibt. Eine nicht 
unerhebliche Anzahl von Südamerikanern und Europäern des Tieflands verdanken ihr Leben einem 
längeren oder kürzeren Aufenthalt in La Paz. Umgekehrt werden in letzter Zeit häufig Aimarás 
und Quéchuas durch die Fremden infiziert. Bei mangelnder Immunität erkranken sie schwer und 
siechen rasch dahin. Dies ist eins der zahlreichen Beispiele für die Tatsache, daß wahrscheinlich ein 
spezifisches Klima gegen die Tuberkulose nur in beschränktem Maße besteht, daß vielmehr das Klima 
im Sinne einer Reiztherapie zu betrachten ist. 
(9) Wir dürfen natürlich nicht übersehen, daß die Folgen sehr großer Trockenheit sich nur dann 
äußern, wenn sie während einer gewissen Zeit einwirken können. Es kommen also weder der mittlere
	        
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