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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. ßd. Heft 5.
Beckemvatt hinter [ rischen habe ich bei völlig ruhigem Wetter eine Geschwindigkeit von etwa 1 m in
der Sekunde beobachtet. In den hoch au [geschütteten Randgebieten steigt die Flut natürlich wesentlich
langsamer und vergrößert dadurch die Gefahr des \ erweilens und damit der Wegverlegung in flachen
Senken. Dasselbe wie für die Senken gilt in noch höherem Maße für die großen Priele. Man kann selbst
verständlich die Senken oft noch durchwaten, selbst wenn sie schon mit Wasser bedeckt sind: aber jeder
kennt die Tatsache, daß man selbst bei flachem Wasser nur sehr langsam durch Waten vorwärts kommt.
Dazu hat man dann noch die unangenehme Möglichkeit, in dem unsichtigen Wasser an einen tiefen Priel
zu gelangen und in dessen Löchern zu versinken.
Weiter ist aber für das Wattenstudium eine gewisse körperliche \V iderstandsfähigkeit und Abhärtung
erforderlich. Ich gebe zu, daß es nicht jedermanns Sache ist, außer stundenlangem Herumwaten in tiefem
Sdilick, der die Füße mit zäher Energie festhält, auch noch durchnäßte und beschmutzte Kleider, die im
Wind auf dem Körper trocknen, zn ertragen und dabei noch auf Zeit, W incl und Wetter zu achten, ohne die
Hauptsache, die Landschaft, zu vernachlässigen. Ton den von scharfen Muschelschalen zerschnittenen
Füßen will ich nicht weiter reden. Nur jemand, der außer den erwähnten Eigenschaften eine starke Liebe
zu dieser herben und gewaltigen Landschaft mitbringt, vermag sich ihrer Erforschung zu widmen.
Nach dem. was ich soeben gesagt habe, wird die relativ große Unkenntnis, die heute noch über viele
Wattengebiete herrscht, nicht so erstaunlich sein.
Ich hoffe, daß es mir in der vorliegenden Arbeit gelungen ist, den landschaftlichen Aufbau und den
morphologischen Charakter eines kleinen Ausschnittes der Wattenwelt gezeigt zu haben.
Herrn Professor Dr. S. Passarge möchte ich für die Anregung zu dieser Arbeit und freundlidhst
erteilte Ratschläge meinen aufrichtigsten Dank aussprechen.