We rner Wrage: Das Wattenmeer zwischen Trischen und Friedrichskoog.
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Schlußbetrachtung.
Nachdem wir den landschaftlichen Aufbau des Wattgebiets zwischen Irischen und Friedrichskoog
kennen gelernt haben, erscheint es angebracht, kurz auf die Stellung dieses Gebietes in dem Wattenstreif
der deutschen Nordseeküste einzugehen.
Wir können drei Hauptwattlandschaften feststellen.
1. Die ostfriesische Küste.
Charakter : Inselreihe mit Schwemmsandgebieten und Dünen. Dahinter Inselschutzwatt. Vor der
Küste Küstenwatt. Küstenwatt und Inselschutzwatt meist durch Baljen getrennt (Baljen = Wattströme).
2. Die Küste von Wangeroog bis Eiderstedt.
Charakter: Wattzungenküste (Krüger). Außen Sandanfschüttungswatt und unter Umständen
Schwemmsand platen (Mellum, Scharhörn, Trischen).
5. Die Küste von Eiderstedt bis Dänemark.
Charakter : Inseln, die keine so ausgesprochene Reihe bilden wie bei 1. Marschinseln und Dünen
inseln mit diluvialem Kern. Inselwatt und Küstenwatt.
Trischen und sein Wattgebiet gehört also zu der zweiten Abteilung. Aber auch hier nimmt es eine be
sondere und höchst interessante Stellung ein, die vor allem bei Berücksichtigung der Poppenschen Unter
suchungen über die Sundwauderung an der deutschen Nordseeküste klar wird.
Poppen stellte fest, daß an der ostfriesischen Küste eine Sanclwanderung nach Süden stattfindet (vergl.
auch Krügers Untersuchungen), daß ferner diese Sandmassen auch nordwärts durch die Elbmündung ver
frachtet werden. Weiter aber fand er, daß von Sylt bis in die Gegend des Norderpieps eine allerdings
schwächere Sandwanderung südwärts vor sich geht.
Trischen liegt also ungefähr da, wo die beiden S a n d b e w e g u n g e n a u f e in
an d e rs t o ß e n. Diese Tatsache gibt uns erst den Schlüssel zum vollen und tieferen Verständnis mancher
in dieser Arbeit geschilderten morphologischen Erscheinungen. Auch Krüger ist der Ansicht, daß die
Insel Trischen durch die Anhäufung des von Südwesten her durch die Elbe gewanderten Sanclnraterials
entstanden ist.
Unter Berücksichtigung dieser Arbeiten von Poppen und Krüger erscheint beispielsweise die Bildung
des Außenwatts in einem anderen Licht.
Die Insel Trischen selbst ist in ihrem landschaftlichen Charakter mit den ostfriesischen Inseln ver
wandt. Einen guten Eindruck bekommt man davon, wenn man etwa Trischen mit Wangeroog und Borkum
an Hand der Arbeiten von Krüger und Behrmann vergleicht (vergl. auch Wetzel).
Mehrfach wurde im Laufe dieser Arbeit erwähnt, in welch geringem Maße das Watt wissenschaftlich
durchforscht und bekannt ist (vergl. auch Richter und Trusheim). Das hat vor allem seinen Grund darin,
daß man dieses Gebiet nicht wie irgendeine Strecke auf dem festen Lande einfach begehen und vermessen
kann. Man ist von zu vielen Faktoren abhängig, die auf dem Festland überhaupt keine Rolle spielen.
Etwas stärkerer Westwind, Nebel und Regen machen manche Beobachtungen oft unmöglich. Dazu kommt
die völlige Abhängigkeit von den Gezeiten, die eine genaue Kenntnis aller der damit zusammenhängenden
Erscheinungen bedingt. Manche Teile der Watten, wie die tiefen Schlickwatten, sind, wie erwähnt, kaum
zu begehen (vergl. Trusheim).
Nicht vergessen werden darf die Natur der Watten, die den Beobachter, solange er nicht sein ganzes
Gebiet genau kennt, oft in direkte Lebensgefahr bringt. Manche flache Senken, die man bei der ungeheuren
W eite und Ebenheit des Geländes überhaupt nicht wahrnimmt, füllen sich bei steigender Flut häufig mit
geradezu erschreckender Geschwindigkeit mit Wasser und schneiden dem Wanderer dann den Weg ab. Im