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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 5.
-welldien. Die Tätigkeit dieser letzteren äußert siA durdi eine oszillierende Wasserbewegung, wäh
rend die mit scharfem Kamm versehenen oder gar brechenden Windwellen eine einseitig gerichtete
Wasserbewegung, also eine Strömung, bewirken. Alle meine übrigen Beobachtungen stimmen mit der
Annahme überein, daß der oszillierende Seegang die Ursache der R i p p e 1 n mit
gleichem Gehänge ist. So sah ich an der Ostsee, über den Rand meines Bootes gelehnt, im klaren
W asser bei etwa 5 m Tiefe auf dem Boden außerordentlich scharf und deutlich ausgeprägte und sehr große
Wellenfurchen mit gleichem Gehänge. Ich sah deutlich, wie kleine, frei im Wasser schwebende Tangstück -
chen dort unten von der Strömung hin und her bewegt wurden. Die abwechselnd vorwärts und rück
wärts wirkenden Kräfte mußten einander annähernd gleich sein, denn die flottierenden Tangbüschel kamen
während der Beobachtungszeit so gut wie gar nicht von der Stelle.
Die auf diese Weise entstandenen Rippein unterschied ich früher als Wellenrippein von den Strom-
rippeln; nach Einsichtnahme in die zuständige Literatur entschloß ich midi für den von Richter und Trus-
heim (und anderen) gebrauchten Ausdruck „Seegangsrippein“, in dem die Oszillation als die gestaltende
Kraft besser zum Ausdruck kommt.
Wir unterscheiden also mit Richter und Trusheim in bezug auf den Querschnitt symmetrische See-
gangsrippeln von asymmetrischen Ström ungsrippel n.
Natürlich kommen zwischen Seegangs, und Sfrömungsrippeln die mannigfachsten Uebcrgänge vor.
Treten z. B. bei stärkerem Wind scharf ausgeprägte Windwellen auf, so werden die Seegangsrippein den
Strömungsrippein ähnlich. Das gleidie gilt für die Seegangsrippein, die sich bei Flut oder Stauwasser
auf einer Wattfläche gebildet haben und nadiher vom Ebbstrom beeinflußt werden. Aehnliche derartige
Verhältnisse wird man im Wattengebiet oft finden
Wir wollen jetzt die Rippeln in ihrer Längserstreckimg betrachten. Dabei soll nicht berücksichtigt
werden, ob es sich um Strömlings- oder Seegangsrippe In handelt. Nur bei den Beispielen wird das zuweilen
erwähnt werden müssen.
Zunächst kann man die Beobachtung machen, daß, wenn die bildenden Kräfte in einer Geraden wirken,
sehr lang ausgezogene Rippeln entstehen. Da die strömende Wasserbewegung oft unregelmäßig ist
(namentlichim Brandungsgebiet und in Prielen), so wird man derartige lang-gezogene Rippeln vorwiegend
als Seegangsrippein antreffen.
Es ist nun aber auch oft der Fall, daß die wirkenden Kräfte einen Winkel miteinander bilden.
Nehmen wir zunächst einmal an, daß der Winkel 90 Grad beträgt. Dieser Fall kann beispielsweise
dann eintreten, wenn irgendwo im Watt das W asser bei sinkender Ebbe zu einem Priel oder einem Watt-
strojn ab fließt und gleichzeitig der W ind dann senkrecht zu dieser Strom rieht img weht. Es werden dann
unter Umständen (vor allem, wenn die eine Kraft etwas überwiegt) zwei Rippelsysteme ausgebildet
werden, die sich senkrecht durchschneiden.
Ich habe diese Ausbildung Kreuz ripp ein genannt und halte diese Bezeichnung für treffender
als den in der Literatur gebräuchlichen Ausdruck: „doppelte Wellen furchen“ (Schlicht. Menzel, Richter).
Sowohl im schlickigen Mischwatt als auch im Sanclwatt habe ich Kreuzrippein beobachtet. Die sich
kreuzenden Rippelsysteme können dabei entweder beide Strömungsrippelii oder Seegangsrippeln sein,
oder das eine ist ein Strömungsrippelsystem und das andere ein Seegangsrippelsysteni, sofern nicht das
einzelne System wieder eine Mischform ist.
Man findet es selten, daß beide Rippelsysteme fast gleich stark ausgebildet sind. Meist überwiegt eines
von ihnen. Das wirkt sich dann so aus, daß nur der Kamm des einen Systems gerade durchläuft, während
der Kamm des zweiten durch den Kamm des ersten unterbrochen wird. Das zweite System kann sich ge
wissermaßen nur in den Tälern des ersten ausbilden (vcrgl. Sk. 30A. T. 17).
Besonders häufig findet man übrigens die Kreuzrippein in der Zone hinter den Braiidungssandbäiiken.
In Sk. 27, T. 16, sind an dem großen Braiulungspriel die Kammrichtungen der Rippeln und auch die Stellen,
wo sich Kreuzrippein fanden, angedeutet. Im Gebiet der Trischener Brandungssandbänke konnte ich auch
die Entstehung dieser Formen glänzend verfolgen. Es war noch längere Zeit bis zur Hohlebbe, und das
W r asser lief noch über die Braiiclungssandbank, um dann aber durch den Bramlungspriel seitwärts ab-
zufliefien. Hier standen ja die wirkenden Kräfte ebenfalls in einem Winkel von 90 Grad zueinander. Da
durch entstand etwa das Bild der Sk. 29, T. 17. Die Rippeln sind durch Striche, die etwa den KammverJauf
anzeigen, dargestellt. Ich konnte deutlich sehen, wie die Sandkörnchen transportiert und die Rippeln auf-