Werner W r a ge : Das Wattenmeer zwischen frischen und Friedrichskoog.
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die Verfestigung und Erhaltung dieser llippeln beleuchtet. Auch in dieser Arbeit wurden im allgemeinen
Teil schon Bilder gezeigt, auf denen im Schlickwatt deutlich Rippein zu sehen waren.
Im übrigen konnte ich höchstens feststellen, daß die Rippein im Schlick- und Mischwatt etwas mehr ab
gerundete und weichere Formen zeigen als im Sandwatt. Diese Beobachtung findet eine Bestätigung durch
eine in Klammern gesetzte Anmerkung Trusheims.
Kaufmann erwähnt Untersuchungen, nach denen der Abstand der Rippein mit wachsender Korngröße
zunimmt. Dieser Satz ist allerdings von den Windrippein gesagt, scheint aber von Kaufmann auf alle
Rippein bezogen zu sein. Für eine derartige Annahme fand ich keinerlei Unterlagen: da in der Natur
immer sehr viele Bedingungen tm »gestaltend w irken, so ist eine Bestätigung eines derartigen Satzes aus
Beobachtungen allerdings auch recht schwer zu gehen.
Deutlicher als die Abhängigkeit vom Material konnte ich die Abhängigkeit von wirkenden Kräften
feststellen. Fs sei mir hier vergönnt, auch einige Beobachtungen, die ich früher machen konnte, zu er
wähnen.
Es ist mir oft gelungen. Rippein in statu nasceiuii zu beobachten. Die Beobachtungen wurden vor
wiegend im Gebiet der Nordsee, der Ostsee und der Niederelbe gemacht. Wenn ich meine Beobacht migs-
ergebnisse zusammenstelle, so kann folgendes gesagt werden:
Man kann die Rippein zunächst einmal nach der Form des Querschnittes eiuteilen. und zwar in solche
mit ungefähr gleichem Gehänge und solche, bei denen man wie bei den Dünen eine längere. Hache An
stiegseite und eine kürzere, steilere Abfallseite erkennen kann.
Diese Einteilung ist sehr wichtig, denn die Unterschiede beruhen auf den die Bildung verursachenden
Kräften.
ln Sk. 28. T. ir. sind schematisch diese beiden Formen dargestellt. Skizze 28A stellt einen Querschnitt
durch Rippein mit gleichem Gehänge und Skizze 28B durch solche mit sanfter Anstiegseite und steilem Ab
fall dar.
Wir wollen uns zunächst mit den Rippein beschäftigen, die in Skizze 28B dargestellt sind. Wie aus
der Form schon von vornherein zu erwarten ist. verdanken sie ihre Gestalt einer einseitig gerichteten
Kraft. Sie finden sich beispielsweise am Boden der Priele, aber auch auf größeren Flächen, wenn eine
nach einer bestimmten Richtung fließende Wassermasse über diese dahinströmt. Besonders groß und deut
lich werden sie natürlich am Grunde der größeren und kleineren Priele und in der Gegend der Brandungs-
saiidbänke und des Branclungspriels. Da also eine einseitig wirkende Kraft in Gestalt einer fließenden
Wasser menge zur Bildung dieser Rippein erforderlich ist. können wir sie als S t r ö m ungsrippcl n
bezeichnen. Diesen Ausdruck wenden auch Richter und Eimsheim an.
Die Längsachse der StrömungsrippoIn liegt senkrecht zur Stromrichtung. Die sanfte Anstiegsfläche ist
dem Strom zugekehrt und die steile Absturzseite ilnn dementsprechend abgewandt. Eine dieser Beobach
tung widersprechende Notiz findet sich in einer Arbeit von }. I rikalinos über Windrippein. Da steht an
einer Stelle: ..Bei den Windrippein liegt auf der Luvseite, der Seite der wirkenden Kraft, die größere
und weniger geneigte El acht*, während bei den 'Wasserrippeln. die sich in der Natur mir auf geneigten
Flächen befinden, die steilere, kleinere Fläche der wirkenden Kraft entgegengeneigt ist und die größere
Fläche mit geringerer Neigung sich auf der Leeseite ausbildet.
Dieser Satz stimmt in zweierlei Weise nicht. Zunächst befindet sich also, wie schon gesagt, die
kleinere, steil abfallende Fläche auf der Leeseite, und zweitens werden Wasserrippein. wie wir gleich
sehen werden, sehr wohl auf ganz ebenen Flächen, sofern solche im Seegebiet überhaupt Vorkommen, aus
gebildet: es handelt sich dann aber meist um Rippein mit gleichem Gehänge.
W ir wollen uns jetzt mit den Rippeln, die in Skizze 28A dargestellt sind, beschäftigen. Es sind die
Rippein mit gleichem Gehänge. Ihre Entstehung ist ungleich seltener zu beobachten. Sie treten da auf.
wo zwei einander annähernd gleiche Kräfte abwechselnd in entgegengesetzter Richtung wirken. Teil hatte
diese Vermutung schon lange; aber es hat lange gedauert, bis ich durch eine einwandfreie Beobachtung
sie bestätigen konnte. Tn flachem Wasser, über das Wellen laufen, kann man deutlich sehen, wie die Sand
körner auf den Rippeln bald nach der einen, bald nach der anderen Seite rollen, während das bei den
Stromrippein nicht der Fall ist. Diese Rippeln also scheinen vor allem durch die Tätigkeit der Wellen
zu entstehen, und zwar vorwiegend durch die bei ruhigem Wetter herrschenden Düniingswellen oder