VVe r n e r Vi r a g e : Das Wattenmeer zwischen Trischen und Friedrichskoog.
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der Halbinsel Hörnum auf Sylt, Fs handelte sieh um in völlig analoger Weise ausgcbiklete, dunkle, stark
verfestigte Sehlieksrhichten mit Resten typischer Watt-Tiere, wie sie heutzutage noch im Inselschutzwatt
hinter Hörnum lebend anzutreffen sind (siehe unten).
Tn der zusammenfassenden historisch-geographischen Arbeit von Mager über den Abbruch der Insel
Sylt fand ich einige Angaben über das Auftreten von Marschboden im westlichen Abbruchgebiet. Es
wurden in dem alten und verfestigten Tvlei Pflanzenreste, ja, Fußspuren von Menschen und Tieren ge
funden. Es handelt sich da natürlich um dieselbe Erscheinung. Wir wissen ja auch, daß Watten schlick
sich durch weiteres Aufschlicken unter Mithilfe der Vegetation in Vorland verwandeln kann, auf dem
dann später Viehzucht getrieben und unter Umständen gesiedelt werden kann. Der Untergrund aber be
steht gleichwohl aus Wattenschlick. Da aber mein Fundort wesentlich südlicher liegt als die erwähnten,
so besteht auch die Möglichkeit, daß es sich um reinen Wattenschi ick bandelt, der durch eine wandernde
Düne übersandet wurde, ohne vorher zu Vorland geworden zu sein. Meines Wissens wurde bisher der
Wattenschlickcharakter und vor allem die Fossilführung dieser westlich an der Küste Sylts auftretenden
Schlickschichten in der Literatur nicht erwähnt.
Fossilführung,
Ueber die Fossilführung der fossilen Schlickschichten vor Trischen liegen durch Wetzel Untersuchungen
vor. Er gebraucht zwar nicht den Ausdruck ..fossiler Schlick", redet aber bereits von ..Fossilführung“ und
stellte folgende Arten fest: Mya arenaria, Serobicularia piperata (Pfeffermuschel), Tellina baltiea (Platt-
oder Tellsmuschel). Cardium edule (Herzmuschel); als seltenere Faunenbestandteile erwähnt er: Pholas
eandida (Bohrmuschel), Mytilus edule (Miesmuschel) und die kleine Schlammschnecke Hydrobia ulvac.
An mikroskopischen Fossilien erwähnt Wetzel Scherben von Muschel- und Schneckenschalen, Stachel
der kleinen Seeigelart Ethinocyamus pusillus. Kalkgehäuse mehrerer Foraminiferen, vor allem von
Pulvimilina Beccarii und die Kieselreste von Diatomecnpanzern und Kieselschwammnadeln. Von den
Diatomeen nennt er: Coscinodiseus, Melosira, Triceratium. seltener Aetinoptychus und Biddulpbia. Ge
legentlich fand er auch Panzerteile niederer Krebse.
Ich habe diesen ins einzelne gehenden Untersuchungen in bezug auf die Fossilführung des I rischener
fossilen Schlicks nichts weiter hinzuzufügen.
Ueber die Fossilführung des Sylter fossilen Schlicks konnte ich folgendes feststellen. Ebenso wie der
fossile Schlick von Trischen ganz überwiegend Mya arenaria sozusagen als Leitfossil zeigt, überwiegt im
Sylter fossilen Schlick eine andere Muschelart, nämlich Mytilus edule. Daneben fand ich zahlreich die
Schalen der Schnecke Litorina, gelegentlich auch einige Herzmuscheln (Cardium). Es ist für diese Be
obachtungen von besonderer Wichtigkeit, daß, wie ich feststellen konnte, genau dieselbe Fauna noch heutzu
tage im Inselschutzwatt hinter Sylt vorkommt, sogar in demselben Mengenverhältnis.Dasselbe gilt ja auch
für den Trischener fossilen Schl ick.
Daß der fossile Schlick Sylts der Beobachtung bisher entgangen ist. mag auch daran liegen, daß er nicht
in derselben Großartigkeit aufgeschlossen daliegt wie auf Trischen. Ich fand ihn tief unten und fast vom
Sand verdeckt am Brandungspriel. Fr befand sich sogar ein wenig unter Wasser; trotzdem waren die er
wähnten Beobachtungen mit großer Sicherheit zu machen. Ich konnte die Bank eine ganze Strecke weit
verfolgen und auch eine regelrechte Abbruchkante an ihr feststellen; kurz, es waren völlig die gleichen
Verhältnisse wie auf I rischen. Ein sekundäres Eindringen der Schalen in den Schlick, etwa auf
mechanischem Wege (wie z. B. bei den weiter unten zu erwähnenden Schlickgeröllen durch Spickung) ist
ebenfalls ausgeschlossen.
Physikalische Beschaffenheit.
Unter der physikalischen Beschaffenheit spielt die Verfestigung des Schlicks durch die darüber ge
wanderten Sandmassen eine große Rolle. Diese ist am geringsten bei den Prielen und Wattströmen, be
deutend erheblicher vor der Trischener Schwemmsandplate und weitaus am größten an der Westkante
Sylts. Das ist ja auch ohne weiteres verständlich, da die Verfestigung mit der Höhe und der Masse des