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Full text: 48, 1929/1930

\V« r n c r Wr a g e : Das Wattenmeer zwischen Frischen und Friedrirhskoog. 
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Ich konnte in vielen Teilen des Gebietes dieser Arbeit feststellen, daß die Flut in den kleineren Prielen 
nur wenig seitneller vorwärts lief als über die übrige Wattfläche. Dabei veränderte sie die Form der Priele 
kaum; höchstens kann man sagen, daß sie dieselbe etwas verwischte. Man darf also mit großer Wahr 
scheinlichkeit annehmen, daß zum mindesten die Oberflächenform der kleinen Priele ihre Entstehung aus 
schließlich der Ebbe verdankt. Die Flut spielt allem Anschein nach mehr eine zuschüttende und ver 
wischende, die Ebbe eine mehr ausfurchende Rolle. 
Audi die übrigen Angaben Jessens (Verlegung von Flußmündungen und Gezeitentiefs....) über die 
verschiedene Bahn des Flut- und Ebbestromes in Flußmündungen und Prielen usw., die für beide Strö 
mungen verschiedene und oft entgegengesetzte Prall- uncl Gleithänge schafft. und über die Umkehrung der 
Wirkung von Ebbe und Flut im Mündungsgebiet der Wattströme scheinen mir nadi meinen Beobachtun 
gen wahrscheinlich zu sein. 
Schematisch habe ich das Bild der im kleinen Priel vordringenden Flut in Sk. 25, T. 15, niedergelegt. 
Sk. 26. T. 15, mag auch als Beispiel für die mitunter überraschend schnelle Verbreiterung der Priele 
dienen. Diese Skizze spiegelt die Verhältnisse in einem Teil desBeckcnwatts ungefähr wieder, das ja aller 
dings eine derartig rasche Verbreiterung der Priele als Charakteristikum zeigt, weil sie von seiner be 
sonderen morphologischen Struktur bedingt ist. (Vergl. Hauptteil T: Das Beckenwatt.) Der dort oft außer 
ordentlich feuchte Boden mag diese Erscheinung außerdem begünstigen. 
Auch hier beobachtete ich. was ja aus dem im allgemeinen Teil über das Beckenwatt Gesagten leicht 
verständlich ist, daß das Flutwasser auf der Wattfläche fast ebenso schneiI vorwärts lief. Ich machte hier 
sogar die sonderbare Beobachtung, daß das Flutwasser von einem seitlich fließenden Priel her über die 
Wattflächen drang, und so, man könnte fast sagen von oben her. den noch trockenen Priel füllte. Auch diese 
Erscheinung zeigt Skizze 26. 
Aus diesen Beobachtungen kann man auch erkennen, wie außerordentlich gering die Tiefe dieser 
Priele ist im Verhältnis zu den rasch heranströmenden ungeheuren Wassermassen, die keinen Platz in 
den kleinen Prielen finden und deswegen fast ebenso schnell über die ganze Wattfläche strömen. 
V iclleicht mag aber hier auch der Umstand mitw irken.daßdasFlutw asserbei seinemV ordringen auf den 
glatteren Mischwattflächen weniger behindert wird als auf dem Boden des Priels, der zwar etwas tiefer 
liegt, dafür aber oft unregelmäßige Bodenformen, wie Stromrippein, ausgewaschene Muschelschalen und 
lockere Schlick- und Sandablagerungen aufw r eist. 
Erscheinungen an den Wattströmen. 
Ganz kurz sollen einige Erscheinungen an den Wattströmen erwähnt werden, die uns meist aus dem 
allgemeinen I eil schon bekannt sind; vielfach wurden sie auch im Sonderabschnitt über die Priele im ein 
zelnen besprochen. Sie sollen hier lediglich dazu dienen, Wattstrom und Wattpriel einander gegenüber 
zustellen. 
Da wäre zunächst das S a n daufschüttungs w a 11 zu nennen, daß wir im allgemeinen Teil bei 
den Wattrückengebieten und vor allem im StrandwalIgebiet kennen gelernt haben. Audi an den Prielen 
trat es gelegentlich auf. An den Ufern der Wattströme tritt es vor allem da auf, wo eine erhöhte Wellen 
tätigkeit oder größere Strömung auf das Watt wirkt. Beide Kräfte treffen ja für gewöhnlich in den Watt- 
strömen zusammen; es scheint aber, als ob das Aussdilaggebende in diesem Falle die Wellenwirkung ist. 
Das Sandaufschiittungswatt w r eist, wie wir gesehen haben, verschiedene Höhe auf und besteht aus meist 
festgelagertem Sand, der durchschnittlich glatt ist und keine weiteren Oberflächenformen w ie Rippein usw. 
aufweist. An seiner Außenseite treten oft kleine Bänke fossiler Sdilickschichten zutage. 
Das Sandaufsdiüttungswatt findet sich streifenförmig an den Rändern der W attströme, vor allem am 
westlichen Ufer des Kiistenw attriiehens des „Hohen Ufers“ und am südlichen Ufer des freien Wattriickens 
der „Marner Plate“. 
Häufig tritt an den Ufern der Wattströme auch die Form der M u se h eise h w e m m s a n d b ä n k e 
auf, die wir im vorigen Sonderabschnitt näher besprochen haben. Sie finden sich oft in Verbindung mit 
Sandaufschiittungswatt. Dieses wird dann von einem Muschelpflaster (Wetzel) oder einem,.Schill“ (Richter. 
Krüger) überlagert. Dieser Fall tritt vor allem am Südufer der Marner Plate auf, findet sich aber auch am 
Nordufer.
	        
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